CDU-Rebellin verlässt den Bundestag: Tränen am Rednerpult

Von Theresa Breuer

Die Abgeordnete Rita Pawelski (CDU) verlässt weinend das Rednerpult Zur Großansicht
DPA

Die Abgeordnete Rita Pawelski (CDU) verlässt weinend das Rednerpult

Sie hat für die Frauenquote gekämpft und gegen das umstrittene Betreuungsgeld. Jetzt verlässt die Abgeordnete Rita Pawelski den Bundestag. Ihre letzte Rede hielt sie noch einmal zu einem Herzensthema - und konnte dabei ihre Tränen nicht zurückhalten.

Berlin - Es klang auf Anhieb nicht, als würde das Thema zu großen Gefühlsausbrüchen verleiten. "Bericht der Bundesregierung über die Lage der Freien Berufe", Drucksache 12/13074, so stand es bei der 244. Sitzung des Bundestags am Freitagmorgen auf der Tagesordnung. Doch eine Abgeordnete konnte am Ende ihrer Rede die Tränen nicht mehr stoppen.

Für ihre letzten Worte holt Rita Pawelski noch einmal tief Luft. Ihre Stimme zittert, sie fächert sich Luft mit dem Papier zu, auf das ihre Rede gedruckt ist. Dann sagt sie: "Ich war sehr, sehr gerne Mitglied dieses Bundestages. Ich gehe freiwillig, ich gehe aber trotzdem schweren Herzens. Ich bitte alle um Entschuldigung, denen ich irgendwann zu nahe getreten bin." Ihre Stimme wird jetzt brüchig. "Und danke allen, die mir geholfen haben." Dann presst sie die Lippen zusammen, nickt und tritt weinend ab.

"Abschied in eine ungewisse Zukunft"

Möglicherweise war es die letzte Rede (hier können Sie sie anschauen), die Pawelski vor dem Parlament gehalten hat. Zur Bundestagswahl 2013 will die Vorsitzende der Gruppe der Frauen im Bundestag nicht mehr antreten.

Pawelski stammt aus Niedersachen, seit 2002 sitzt sie im Bundestag. Dass sie 2013 nicht mehr antreten wird, sei eine schwere Entscheidung für sie gewesen. "Ich war verdammt gerne Politikerin", sagte sie SPIEGEL ONLINE. Doch familiäre Probleme haben sie dazu veranlasst, nicht mehr zu kandidieren.

Was sie in Zukunft machen will, weiß Pawelski noch nicht. Auch deshalb habe ihre letzte Rede sie so sehr mit Wehmut erfüllt. "Es war für mich mehr als ein Abschied aus der Fraktion", sagte sie, "es war auch ein Abschied in eine ungewisse Zukunft." Vielleicht erklärt auch das die Tränen im Plenum.

In den vergangenen vier Jahren hatte Pawelski als Vorsitzende der Gruppe der Frauen in ihrer Fraktion für eine feste Quote gekämpft, versuchte zuletzt, ein fraktionsübergreifendes Votum zu organisieren. Außerdem pochte sie auf eine Abstimmung ohne Fraktionszwänge, damit die Abgeordneten ihrem "frauenpolitischen Gewissen" folgen können. Am Ende konnten sie und ihre Mitstreiterinnen sich jedoch nicht durchsetzen.

Ähnlich verhielt es sich mit dem umstrittenen Betreuungsgeld. Pawelski war gegen die Prämie. Gemeinsam mit anderen Unionsfrauen forderte sie stattdessen eine Reform der Altersvorsorge. Mütter, die für ihre Kinder zu Hause blieben, sollten später höhere Renten bekommen. Die Mütterrente ist inzwischen Beschlusslage - das Betreuungsgeld kommt trotzdem.

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insgesamt 139 Beiträge
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1. Falsche Partei
maxweber 07.06.2013
Ich bin davon überzeugt, dass die Mehrheit der Menschen, die CDU gewählt haben, gegen die Frauenquote ist. Wenn Frau Pawelski das nicht akzeptieren kann, ist sie möglicherweise eine schlechte Demokratin, mit Sicherheit aber in der falschen Partei. Tschüs!
2. da werden sich
pennywise_the_clown 07.06.2013
gewisse Herren in der Union freuen. Eine von den Querulanten weniger. Eine von diesen Traumtänzzerinen die anderen soetwas wie ein Gewissen zumuten wollen
3. Die Arme...
TheFrog 07.06.2013
..so ein Abschied in eine ungewisse Zukunft nach 11 Jahren im Bundestag. Mir kommen da auch die Tränen. Was soll denn da ein Arbeitnehmer machen, der ab, sagen wir mal 38 Jahren, seinen Job verliert ? Da kommen mir echte Tränen. Und die Option, wegen familiärer Probleme aus einer Firma auszuscheiden, hat ein normaler Arbeitnehmer schon gar nicht.
4. "Frauenpolitisches" Gewissen?
Criticz 07.06.2013
Zitat von maxweberIch bin davon überzeugt, dass die Mehrheit der Menschen, die CDU gewählt haben, gegen die Frauenquote ist. Wenn Frau Pawelski das nicht akzeptieren kann, ist sie möglicherweise eine schlechte Demokratin, mit Sicherheit aber in der falschen Partei. Tschüs!
So ist es. Was Pawelski zusammen mit vdLeyen bzgl. der Frauenquote versucht hat war nichts anderes als Erpressung - die zum Teil auch noch glückte. Nicht nur die Wähler, auch viele Mitglieder fühlen sich in d i e s e r CDU, bei der Parteitagsbeschlüsse offenbar nicht das Papier wert sind auf dem sie stehen, längst nicht mehr aufgehoben. Eine Lobbyistin geht - eine Frau, die Vorteile für Frauen durchsetzen wollte, einfach weil sie Frauen sind. Das nennt man Geschlechterdiskriminierung - zu Lasten von Männern. Darauf können wir gerne verzichten. Interessant finde übrigens ich den Begriff "frauenpolitisches Gewissen". Was genau ist das? Hat der Mensch mehrere Gewissen...und gibt es dann auch ein "männerpolitisches"?
5.
Criticz 07.06.2013
Zitat von TheFrog..so ein Abschied in eine ungewisse Zukunft nach 11 Jahren im Bundestag. Mir kommen da auch die Tränen. Was soll denn da ein Arbeitnehmer machen, der ab, sagen wir mal 38 Jahren, seinen Job verliert ? Da kommen mir echte Tränen. Und die Option, wegen familiärer Probleme aus einer Firma auszuscheiden, hat ein normaler Arbeitnehmer schon gar nicht.
Tja, jetzt kommt Pawelski vielleicht mal im realen Leben an...obwohl, jetzt werden erst mal Übergangsgelder, sprich Steuergelder, fließen...
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Parteien zur Frauenquote
CDU und CSU: Die Flexi-Quote setzt auf eine freiwillige Regelung der Unternehmen. Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 im Schnitt 30 Prozent der Positionen in Vorständen und Aufsichtsräten mit Frauen zu besetzen. Ins Wahlprogramm wollen CDU und CSU nun noch eine verbindliche Komponente aufnehmen. Von 2020 an soll für die Aufsichtsräte von börsennotierten und mitstimmungspflichtigen Betrieben eine feste Quote von 30 Prozent gelten.

FDP: Die Liberalen lehnen eine gesetzliche Frauenquote ab.

SPD: Die SPD fordert eine Quote von mindestens 40 Prozent in Aufsichtsräten. Ein vom Bundesrat gebilligter Gesetzentwurf aus Hamburg sieht vor, dass von 2018 an 20 Prozent der Mitglieder von Aufsichts- und Verwaltungsräten Frauen sein sollen. 2023 soll die Quote auf 40 Prozent steigen.

Die Grünen: Auch die Grünen wollen wie die SPD eine Quote von mindestens 40 Prozent bis 2023.

Die Linke: Die Partei fordert eine 50-Prozentquote.