Transparency International Deutschland hat ein Korruptionsproblem

Die Bundesregierung tut laut Transparency International zu wenig gegen Korruption. Im internationalen Korruptionsindex verschlechterte sich Deutschland um zwei Plätze.

Edda Müller
imago/ Jürgen Heinrich

Edda Müller


Der Kampf gegen Korruption in Deutschland stagniert. Das besagt zumindest der weltweite Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) von Transparency International. In der Rangliste verschlechtert sich das Land um zwei Plätze auf den zwölften Rang. Die Vorsitzende von Transparency Deutschland, Edda Müller, kritisierte deshalb die Bundesregierung: "Wer nur verwaltet und keine neuen Initiativen ergreift, läuft Gefahr, international abgehängt zu werden."

Der Index misst die in Politik und Verwaltung wahrgenommene Korruption auf der Grundlage von Expertenbefragungen. Die Skala reicht von null (hohes Maß an Korruption) bis 100 (keine wahrgenommene Korruption).

Zwar hat sich demnach die Korruptionswahrnehmung im Vergleich mit dem Vorjahr nicht verändert - der Punktwert blieb gleich. Großbritannien und Luxemburg konnten Deutschland jedoch einholen. Deutschland tue zu wenig im Kampf gegen Korruption im öffentlichen Sektor, kritisierte Transparency International. Handlungsbedarf bestehe besonders beim Thema Lobbyismus.

Hohes Korruptionsniveau in zwei Drittel der untersuchten Länder

NGO-Chefin Müller stellte sich hinter Forderungen von Linkspartei und Grünen nach einem verbindlichen Lobbyregister, über die am Donnerstag im Bundestag beraten wird. Sie kritisierte zugleich, dass im Koalitionsvertrag von Union und SPD keine Initiativen zur Lobbyregulierung enthalten seien. Zudem mahnte Müller schärfere Regeln für die Parteienfinanzierung an.

"Insbesondere Länder mit niedrigem Schutz für Presse und Nichtregierungsorganisationen weisen tendenziell ein hohes Korruptionsniveau auf", teilte Transparency International mit. Korruption in der Privatwirtschaft wurde in der Rangliste der NGO nicht erfasst.

International an der Spitze mit der geringsten Korruptionsrate stehen Neuseeland (89 Punkte), Dänemark (88) und Finnland (85). Deutschland erreicht wieder 81 Punkte. Auf den letzten Plätzen rangieren Syrien (14 Punkte), der Südsudan (12) und Somalia (9). Mehrere Staaten wie Senegal aber auch Großbritannien konnten in den vergangenen sechs Jahren ihre Punktzahl verbessern, während sich Länder wie Syrien und Jemen aber auch Australien verschlechterten.

Das in die EU strebende Montenegro (46 Punkte) schneidet so um einen Punkt besser ab als das EU-Land Ungarn, das in sechs Jahren zehn Punkte einbüßte. In mehr als zwei Drittel der insgesamt 180 untersuchten Länder wurde ein hohes Korruptionsniveau von unter 50 Punkten festgestellt.

In das Ranking von Transparency International flossen laut Organisation 13 Datenquellen von zwölf verschiedenen Institutionen ein, in denen es um die Wahrnehmung von Korruption im öffentlichen Sektor in den vergangenen beiden Jahren geht. Dabei müssen jeweils von einer als glaubwürdig eingestuften Institution mehrere Länder auf einer einheitlichen Skala bewertet und eingeordnet werden. Für jedes Land müssen mindestens drei unabhängige Datenquellen vorliegen.

apr/Reuters/AFP



insgesamt 31 Beiträge
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ark95630 21.02.2018
1. "Staatliche" Unterstützung
Wie will man es denn nennen, wenn eine deutsche Firma ein 1,5 Mrd. U-Boot-Auftrag eines anderen Staates erhält, der dafür von der Bundesregierung ein "Unterstützung" von 540 Mio € bekommt?
dummzeuch 21.02.2018
2. Blödsinn!
> Zwar hat sich demnach die Korruptionswahrnehmung im Vergleich mit dem Vorjahr nicht verändert -*der Punktwert blieb gleich. Großbritannien und Luxemburg konnten Deutschland jedoch einholen.*< Mit anderen Worten: In Deutschland ist die Korruption nicht schlimmer geworden, aber in zwei anderen Ländern ist es besser geworden. Wieso hat also Deutschland jetzt plötzlich ein Korruptionsproblem?
HH1960 21.02.2018
3. Korruption ist mehr als Geld
Geld, Sachgeschenke und andere Vorteile gegen "Wohlwollen" sind wohl Korruption. Wie sieht aber das Zusammenspiel zwischen der Autoindustrie, dem KBA und dem Verkehrsminister zulasten der Stadtbewohner aus? Ist das Industriepolitik oder doch so etwas wie Korruption? Ich finde es zumindest eklig!
kuju 21.02.2018
4. Frageürdig
Was soll diese Auswertung nun dem Leser sagen? Ist jetzt jede Stadtverwaltung korrupt? Sind Politiker oder Parteien gemeint? Bestechen Bürger die Verwaltung und wenn ja, wo in Deutschland? Passiert dies hunderfach täglich? Hier wir pauschal irgendwas ohne jeden Bezug in die Welt gestellt. Es wird nicht aufgezeigt, wer oder was wie gemessen wurde. Es fehlt jedes Verhältnis, um Vergleiche zu ziehen (was unterscheidet den Ersten von Deutschland?). Also kann ich mit der platten Aussage zum Tabellenplatz nichts an Erkenntnis ziehen! In dieser Kurzform reicht es zur Sensationsmache, aber nicht zur seriösen Einordnung! In der Form für mich reif für den „Papierkorb“!
Klaugschieter 21.02.2018
5. Systematische Ursachen
Dass Korruption in Deutschland immer weiter voranschreitet, liegt ein Stück weit auch am System. Was soll man denn erwarten von einem Land, in dem: - die Abgeordneten des Parlaments über ihre eigenen Bezüge entscheiden und jeder neue Bundestag als aller erste Entscheidung erstmal die Diäten erhöht? - Lobbyisten in Parlament und in Ministerien nicht nur ein- und ausgehen, sondern nachgewiesenermaßen auch direkt an Gesetzestexten mitschreiben? - mehr als die Hälfte der Abgeordneten sich nicht direkt wählen lassen müssen, sondern ihren Parlamentssitz über Listenplätze ergattern? - Autoindustrie, Banken und Energiekonzerne sich mit Großspenden an die Parteien die Politik gefügig machen? - kleine Gauner ins Gefängnis wandern und das Höchstmaß absitzen müssen, während reichen Steuerbetrügern nach einem seichten Vollzug die halbe Strafe erlassen wird? Folgendes habe ich bei Wikipedia gefunden, in einem Beitrag, in dem es um das UN-Abkommen zur Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität und Korruption geht: Da steht u.a.: "Noch Ende Juni 2013 hatte die Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP mit ihrer Mehrheit im Bundestag schärfere Regeln gegen die Bestechung von Abgeordneten abgelehnt." Das von der UN-Vollversammlung 2001 aufgelegte Abkommen wurde in Deutschland erst 2014 ratifiziert.. Übrigens: Bei CDU und CSU sitzen noch immer dieselben Leute und mit denen wollen Scholz und Nahles eine Große Koalition? No Groko!
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