Trauerfeier für gefallene Soldaten Guttenberg rechnet mit weiteren Toten bei Auslandseinsätzen

Es war ein schwerer Gang für die Angehörigen und Freunde. Tausende nahmen Abschied von den vier Bundeswehrsoldaten, die kürzlich in Afghanistan getötet worden waren. Verteidigungsminister Guttenberg bat um Verzeihung, machte aber klar: Es wird weitere tote Soldaten zu beklagen geben - auch bei anderen Auslandseinsätzen.

DPA

Ingolstadt - Aufgebahrte Särge mit Deutschlandfahnen, weinende Angehörige, Politiker in Trauerkleidung: Zum zweiten Mal innerhalb von nur gut zwei Wochen fand eine Trauerfeier für in Afghanistan getötet Bundeswehrsoldaten statt - diesmal in Ingolstadt.

Der Münster der oberbayerischen Stadt war am Samstag voll besetzt. Doch auch draußen vor dem Gotteshaus standen rund 3000 Trauernde, um von den Soldaten Abschied zu nehmen. Der ökumenische Gottesdienst und die Ansprachen wurden per Videoleinwand auf den Vorplatz übertragen.

Die vier Unteroffiziere und Offiziere waren 24 bis 38 Jahre alt. Sie hinterlassen drei kleine Kinder, die Braut des jüngsten Gefallenen ist schwanger. Als die Särge aus der Kirche getragen wurden, folgten die verzweifelten Familien. Still schluchzende Ehefrauen mussten gestützt werden, Geschwister und Eltern umklammerten sich, Kameraden weinten. Zum Abschied spielte ein Trompeter.

Die vier Bundeswehrsoldaten, die am 15. April in Afghanistan getötet wurden, seien in der Gewissheit gestorben, "unserer Gesellschaft einen Schutz zu geben, dessen Bedarf wir erst zögerlich wahrzunehmen beginnen", sagte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in seiner persönlich gefärbten Ansprache.

Besonders ging Guttenberg auf die Angehörigen der Soldaten ein, deren großformatige Porträtfotos neben den Särgen aufgestellt waren. "In politischer Verantwortung hat man Sie, verehrte Angehörige, auch um Verzeihung zu bitten." Die Soldaten seien Opfer "hinterhältiger, feiger Anschläge" geworden, die erneut drastisch verdeutlicht hätten, wie gefährlich der Einsatz in Afghanistan sei.

Guttenberg stellt Bundeswehr auf weitere Tote ein

Zugleich stellte Guttenberg die Bundeswehr auf weitere Verluste bei Auslandseinsätzen und damit auch auf weitere Trauerfeiern ein. "Nach den Gefechten vom 15. April und vom Karfreitag ist deutlich geworden, was wir vielleicht zu lange nicht wahrhaben wollten. Tod und Verwundung sind Begleiter unserer Einsätze geworden, und sie werden es auch in den nächsten Jahren sein - wohl nicht nur in Afghanistan", sagte der Minister. Trotzdem dürften Tod und Verwundung "niemals, wirklich niemals zur Routine werden". Am Karfreitag waren bei einem Gefecht nahe Kunduz drei Bundeswehrsoldaten ums Leben gekommen.

Der Minister bekräftigte darüber hinaus sein Bekenntnis zum Afghanistan-Einsatz: "Unsere Zusage an das afghanische Volk gilt: Wir wollen dieser geschundenen Nation helfen, ihr Land zu befrieden, und dies dient unserer eigenen Sicherheit." Die Freiheit und das Leben aller Deutschen müssten "auch und gerade in Afghanistan" geschützt werden.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Außenminister Guido Westerwelle (FDP), sowie die Ministerpräsidenten von Bayern und Baden-Württemberg, Horst Seehofer (CSU) und Stefan Mappus (CDU) sowie der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier nahmen an dem Gottesdienst teil. Auch zahlreiche Vertreter der Bundeswehr waren anwesend.

Die Soldaten waren bei Gefechten gegen Aufständische getötet worden. Der Militärdekan des Evangelischen Kirchenamtes, Matthias Heimer, sprach zu Beginn des Gottesdienstes von "tragisch zu Ende gegangenen Leben". Anders als bei der Trauerfeier für die am Karfreitag getöteten Bundeswehrsoldaten sprach Angela Merkel diesmal nicht.

yas/dpa/AFP/ddp/apn



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SaT 08.11.2009
1. abziehen oder ewig weiterkämpfen
Wieso siegen? Da keine Kriegsziele existieren kann man im Grunde weder gewinnen oder verlieren sondern nur abziehen oder ewig weiterkämpfen. Vorschlag: wir erklären uns zum moralischen Sieger und ziehen mehr oder weniger geordnet ab. Dem korrupten Karzeiclan, Warlords und die Drogenbarone unserer Wahl geben wir halt soviel Waffen, dass die das Thema Taliban alleine in den Griff bekommen. Wir überlassen Afghanistan den Afghanen und kümmern uns endlich um unsere eigenen Probleme – davon gibt es genug.
Ökopit 08.11.2009
2. Westlich und Islam ...
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
... schließt sich naturgegeben aus! Die beste Strategie in Afghanistan wäre ein kompletter (und sofortiger) Rückzug des Westens - nicht nur der Truppen, auch aller zivilen "Möchtegern-Helfer" und natürlich der Krämerseelen! Nur, das geht leider "geostrategisch" nicht, denn wer "die Passhöhen des Hindukusch" beherrscht, kann, wenn er will, ganz Asien beherrschen! Die Engländer haben das im 19. Jahrhundert nicht geschafft, die Sowjetunion ab 1980 auch nicht! Die Ami's und ihre Vasallen (leider gehört Deutschland dazu) versuchen das seit 2001! Ich gönn ihnen den Erfolg nicht!
ewspapst 08.11.2009
3. Nur Siegen?
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
Hier das Ausgangsthema. Ist der Krieg in Afghanistan noch zu gewinnen? Natürlich ist der Krieg zu gewinnen. Haben Sie sich als Forist hier nicht die vielen Militärexperten, Generalsdoppel, Humanisten und göttergleiche Juristen, ja selbst Philosophen, die alle ein ungemein umfassendes und unbedingt richtiges Wissen mitbringen, angeschaut. Ihr Spezialwissen übertrumpft alle, denn das haben sie uns oft genug gesagt. Und warum sollen wir ihnen nicht glauben? Ihre Erkenntnisse erfüllen uns täglich mit staunen, ob der vielen Darbietungen. Sie alle wissen viel besser als die afghanische Bevölkerung, unter welchen Bedingungen dort gelebt werden soll und muss und bringen uns Unwissende alles haarklein nahe. Es ist doch ganz klar, dass die westliche Intelligenz viel klarer definieren kann, was gut und böse ist und was einem Paschtunen natürlich nicht möglich ist. Wie Wahlen zu werten sind, können doch nur die politisch vorgebildeten Nato - Angehörigen. Die westliche Welt hat über lange Zeit nur nach Recht und Gesetz gehandelt, nur um der Menschlichkeit willen und ist deshalb in der Lage, dieses Wissen und Handeln an die dritte Welt weiterzugeben, die dann ebenso handeln soll, ganz besonders die Afghanen. Haben Sie diesen Worten geglaubt? Natürlich, denn sie werden uns doch täglich ohne Unterbrechung frei Haus geliefert. Dann werden „Sie “ diesen Krieg auch gewinnen, „wir “ Ungläubigen dagegen nicht. Übrigens, warum haben die Russen, die Inder, die Pakistani, die Engländer, wieder die Russen und dann auch die Amerikaner die Kämpfe nicht gewonnen? Die genannten EXPERTEN werden es Ihnen mit vielen Worten und rechtsphilosophischen Erläuterungen sagen.
mark anton, 08.11.2009
4. Ist die Haltung der D Feigheit vor dem Feinde?
oder wie wuerde man es bezeichnen koennen? Auch wenn der Ausgang in Afghanistan wegen der vielseitig unguenstigen und unueberbrueckbaren Problemen negativ ist, haette man als Verbuendeter seine Verpflichtungen nachkommen muessen. Was, wenn D einmal Verbuendete braucht - die Nato koennte dann auch sagen, wir erinnern uns an Kunduz und verhalten uns ebenso.
Stahlengel77, 08.11.2009
5.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,660064,00.html Na prima. Das US-Militär operiert in dem von der Bundeswehr kontrollierten Bereich zusammen mit afghanischer Miliz. Wir können an fünf Fingern abzählen, was das für unsere Soldaten bedeutet: Weitere Destabilisierung, die Taliban werden mehr Zulauf bekommen und wie das bei den Paschtunen so ist, wird die Blutrache ausgerufen und dann wird nicht mehr unterschieden, welches Nationalitätenzeichen auf einer Uniform prangt. Es steht außer Zweifel, das wir mit vermehrten Anschlägen und Angriffen auf unsere Soldaten rechnen müssen nach der Offensive. Und wenn die von der Bundeswehr besetzte Region durch die US-Militärs so richtig aufgemischt wurde, wird eine Aufstockung des Mandats notwendig sein. Ob es dafür eine Mehrheit im Bundestag gibt, wenn auch endlich offiziell von einem Krieg gesprochen wird, ist fraglich. Am Ende werden unsere Soldaten in Afghanistan alleine gelassen, wenn sie das nicht schon sind. Wenn ich von Soldaten, die aus dem Einsatz kommen, hören muss, das sie sich ihre Ausrüstung immer noch selbst kaufen müssen, das sie unter schwierigsten Bedingungen mit unzureichendem Material ihren Aufgaben nachkommen müssen, das die Bevölkerung ihnen weitgehend feindlich gesonnen ist und sie quasi mitanschauen müssen, wie Warlords unbehelligt ihren Opiumanbau vorantreiben und damit enorme Gewinne erzielen (und dagegen nicht vorgegangen wird), da fragt man sich wirklich: Was haben wir dort überhaupt verloren? Die geplante Pipeline der Amerikaner schützen? Abortmücke am Hintern Chinas spielen? (Es ist längst bekannt, das die Taliban einen guten Teil ihrer Waffen aus China gesponsert bekommen) Noch heute bin ich der Meinung, das Struck, Fischer und Schröder juristisch zur Rechenschaft gezogen gehören, da sie deutsche Soldaten in einen Angriffskrieg der USA geschickt haben. In tausenden von Jahren hat niemand es geschafft, diese Region dauerhaft zu besetzen. Nur Wahnsinnige glauben, man könnte dort einen Krieg gewinnen.
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