Treffen mit Berlins Regierenden Bush adelt Wowereit

Jetzt ist es amtlich: US-Präsident George W. Bush wird Klaus Wowereit, den Regierungschef des rot-roten Senats in Berlin, treffen - dank der Intervention des Kanzlers. Bis zuletzt stand die Zusammenkunft in Frage.

Von


Darf sich auf gemeinsame Bilder mit dem US-Präsidenten George W. Bush freuen: Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit
DPA

Darf sich auf gemeinsame Bilder mit dem US-Präsidenten George W. Bush freuen: Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit

Berlin - Der Kanzler macht es möglich. Im feinen Restaurant Tucher am Pariser Platz wird Klaus Wowereit am Mittwochabend auf den mächtigsten Mann der Welt treffen - und damit doch noch eine Begründung für die Absage seiner Australienreise vorweisen können.

Das Zusammentreffen der Drei - Kanzler, Regierender Bürgermeister und US-Präsident - dürfte vor allem für die christdemokratische Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus eine schwere Enttäuschung sein. Hatte sie doch Wowereit vor rund drei Wochen mit einer öffentlichen Kampagne gezwungen, seine seit langem vorgesehene Dienstreise als Präsident des Bundesrates zu verschieben. Bis zuletzt war offen, ob Bush sich Zeit für ein Treffen mit dem Regierenden der 3,5-Millionen-Metropole nehmen würde.

Denn bereits unter Wowereits Vorgänger Eberhard Diepgen hatte sich öffentlich der Bedeutungsverlust der Regierenden Bürgermeister seit dem Fall der Mauer abgezeichnet. Noch 1994 konnte Diepgen den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton bei dessen erstem Berlin-Besuch begrüßen. Doch sechs Jahre später, Helmut Kohl war durch Gerhard Schröder abgelöst worden, durfte der CDU-Politiker zu seinem Ärger noch nicht einmal mehr mit Clinton zum Fototermin zusammenkommen.

Dieser Schmach entgeht der Sozialdemokrat Wowereit nun - mit Hilfe seines Parteigenossen Schröder, der dabei, wie alle Kanzler zuvor auch, die kommenden Wahlen im Auge behalten haben dürfte.

Immerhin macht Bush mit seiner Bereitschaft, dem Chef einer mit Postkommunisten besetzten Regierung die Hand zu schütteln, deutlich, wie unaufgeregt die Amerikaner die rot-rote Koalition in der Stadt seit längerem beobachten.

Bereits Anfang Februar war der neue US-Botschafter in der Hauptstadt, Dan Coats, Spekulationen entgegentreten, die US-Wirtschaft werde sich angesichts der Teilnahme der PDS am SPD-geführten Senat mit Investitionen zurückhalten. Die Unternehmen müssten selbst herausfinden, meinte der Diplomat nüchtern, ob durch die Partei von Wirtschaftssenator Gregor Gysi Investitionen behindert würden. "Es wäre unfair", schlussfolgerte Coats, "die PDS und Senator Gysi an ihrem früheren Programm zu messen".

In Kreisen der Bundesregierung in Berlin wurde das Zusammentreffen von Bush und Wowereit am Dienstag fast beiläufig während eines Pressebriefings erwähnt. So als habe es den tagelangen Streit über den Aufruf der Bundes- und Landes-PDS zu Anti-Bush-Demonstrationen nicht gegeben. Immerhin hatten die drei PDS-Senatoren Gregor Gysi, Thomas Flierl und Heidi Knake-Werner den Frieden innerhalb der Koalition wiederhergestellt, indem sie auf eine Teilnahme an den Protestumzügen verzichteten.

Am Ende also darf sich Wowereit doch noch über einige werbewirksame Bilder freuen, die ihm bei Kontakten mit US-Investoren künftig dienlich sind. Das Treffen im Restaurant "Tucher", betonte ein hochrangiger deutscher Diplomat am Dienstag wohl nicht ohne Hintergedanken, habe "die volle Zustimmung des US-Präsidenten gefunden".



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.