Fall Trinh Xuan Thanh Slowakei soll Vietnam bei Entführung unterstützt haben

Bisher wurde nur vermutet, dass die Slowakei an der Entführung des vietnamesischen Geschäftsmanns in Berlin beteiligt gewesen sei. Jetzt haben die Ermittler laut einem Medienbericht "nahezu keinen Zweifel".

Trinh Xuan Thanh (M.)
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Trinh Xuan Thanh (M.)


Vor rund einem Jahr wurden der vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh und dessen Geliebte in Berlin spektakulär entführt. Die Aufarbeitung des Falls aber dauert noch an: Erst vor wenigen Tagen wurde ein Tathelfer zu einer Haftstrafe verurteilt. Aus einem internen "Sachstandsbericht" der Ermittler aus dem Juni geht nun hervor, dass Geheimdienstmitarbeiter Trinh wohl in einem slowakischen Regierungsflugzeug aus dem Schengen-Raum gebracht haben. Das berichtet die "FAZ" per Vorab-Meldung.

Schon vor Monaten war die Frage aufgekommen, ob die slowakische Regierung an der Entführung beteiligt sei. Bisher wurden dazu aber nur Mutmaßungen bekannt. Laut den Ermittlern gebe es nun aber "nahezu keine Zweifel", dass Trinh in dem Regierungsflugzeug transportiert worden sei.

Die Slowakei hatte eine Verwicklung in den Fall stets dementiert - und verwies dabei auch auf eine Erklärung der vietnamesischen Regierung, wonach Trinh nicht über die Slowakei gereist sei. Die Ermittler gehen allerdings davon aus, dass diese Erklärung manipuliert worden sei - mutmaßlich durch einen "Insider" in der slowakischen Regierung. Ein Name, der dabei fällt, ist der des früheren slowakischen Regierungsberaters Quang Le Hong.

Vietnamesischer Außenminister reist im September nach Berlin

Die Ermittler sind sich außerdem darüber einig, mit welchem Ziel ein Treffen zwischen dem vietnamesischen Innenminister To Lam und seinem damaligen slowakischen Amtskollegen Robert Kalinak stattgefunden habe. Dieses habe "den einzigen Zweck" gehabt, "Herrn Trinh relativ problemlos aus dem Schengen-Raum heraus nach Vietnam zu verbringen".

Schon der Entführungsfall selbst hatte für ein angespanntes Verhältnis zwischen Berlin und Hanoi gesorgt. Nun aber könnten die neuen Erkenntnisse auch einen für September geplanten Besuch überschatten: Dann reist der vietnamesische Außenminister nach Deutschland. Eigentlich sollte dieser Termin rund ein Jahr nach der Entführung zu einer zunehmenden Entspannung zwischen den beiden Ländern führen.

Das hatte sich zuletzt auch Berlin gewünscht: "Es ist nicht nur der Wunsch der Vietnamesen, irgendwann zur Normalität zurückzukehren, sondern natürlich auch der Bundesregierung", sagte eine hohe deutsche Diplomatin der "FAZ". "Allerdings kann man nach einem solchen Ereignis nicht einfach zum normalen Geschäft übergehen. Die Entführung war ein eklatanter Bruch des Völkerrechts. Der wird sicher bei der einen oder anderen Gelegenheit auch in der Zukunft eine Rolle spielen."

In Vietnam wurde Trinh wegen Korruption und Misswirtschaft in zwei Verfahren jeweils zu lebenslanger Haft verurteilt.

aev

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