Verdacht auf Brandstiftung Feuer in Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz

Wochenlang demonstrierten Rechtsextreme und Bewohner in Tröglitz in Sachsen-Anhalt gegen eine neue Flüchtlingsunterkunft. Im Mai sollten die ersten Asylbewerber kommen, jetzt brannte das Haus - das Dach ist zerstört. Die Ursache ist unklar.

Das künftige Flüchtlingshaus in Tröglitz vor dem Brand:
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Das künftige Flüchtlingshaus in Tröglitz vor dem Brand:


40 Flüchtlinge sollten in dem 2700-Einwohner-Ort Tröglitz in Sachsen-Anhalt untergebracht werden - in einem Wohnhaus mit zwölf Wohnungen. Ab Mitte Mai sollten sie dort einziehen. Doch daraus wird so schnell nichts: Das Dach des Gebäudes ist nach einem Brand in der Nacht zum Samstag zerstört.

Wie die Polizei in Halle mitteilte, konnten sich zwei Bewohner des Hauses, die dort zur Zeit noch zur Miete wohnen, unverletzt in Sicherheit bringen. Nach ersten Schätzungen liegt der Schaden im sechsstelligen Bereich. Was das Feuer verursachte, ist noch unklar. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Brandstiftung.

Tröglitz machte bundesweit Schlagzeilen, als der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth vor rund vier Wochen zurücktrat (Lesen Sie hier ein Interview mit ihm). Der parteilose Politiker hatte sich sehr für die Flüchtlinge eingesetzt, bis Bürger und NPD vor seine Haustür ziehen wollten. Wochenlang hatte es zuvor unter der Führung des rechtsextremen Funktionärs Steffen Thiel Proteste gegen die neue Unterkunft gegeben.

Er fühle sich alleingelassen von Behörden und vielen Mitbürgern, teilte Nierth mit, und kritisierte eine "schweigende Mitte". Das Entsetzen bundesweit war groß, auch weil er Morddrohungen erhielt. Er engagiert sich weiter für die Asylbewerber.

Bürgerversammlung in Tröglitz :  500 Anwohner kamen
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Bürgerversammlung in Tröglitz: 500 Anwohner kamen

Nierth nahm wie rund weitere 500 Bürger an einer Versammlung am Dienstagabend teil, auf der Landrat Götz Ulrich (CDU) über die neue Flüchtlingsunterkunft informierte. Er erklärte, dass 40 Flüchtlinge, überwiegend Familien, in dem Wohnhaus untergebracht werden sollen. Das Gebäude, das bisher weitgehend leer steht, liegt nur wenige Meter entfernt von Geschäften, Schule und Kindergarten mitten in Tröglitz.

Auf der Bürgerversammlung kam es auch zu Pöbeleien. Viele der Anwesenden schwiegen, Mitgefühl und Solidarität mit den Flüchtlingen wurde nur selten laut geäußert (Lesen Sie hier den Bericht von vor Ort).

Inzwischen gibt es in Tröglitz eine Bürgerinitiative um den Pfarrer Matthias Keilholz, sie wirbt für ein Willkommen der Flüchtlinge. Bei der Einwohnerversammlung kamen 100 Unterstützerunterschriften und 20 Bürger boten ihre Hilfe an. Seit Januar gibt es in der Kirche des Ortes jeden Sonntag Friedensgebete, zu denen ebenfalls rund hundert Menschen kommen.

heb

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