Fall Tröglitz Landrat erhält nach Morddrohungen Personenschutz

Rechte drohten ihm mit Enthauptung, jetzt steht CDU-Landrat Ulrich unter Personenschutz. Der Politiker setzt sich auch nach dem Brandanschlag dafür ein, Flüchtlinge in Tröglitz aufzunehmen.

Landrat Götz Ulrich bei einer Bürgerversammlung Ende März: Unter Personenschutz gestellt
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Landrat Götz Ulrich bei einer Bürgerversammlung Ende März: Unter Personenschutz gestellt


Der Brandanschlag auf ein noch nicht bezogenes Flüchtlingsheim in Tröglitz hat persönliche Folgen für den zuständigen Landrat Götz Ulrich (CDU). Nachdem er an der Idee festhielt, in dem Ort in Sachsen-Anhalt Flüchtlinge aufzunehmen, musste er unter besonderen Schutz gestellt werden. Das bestätigte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) am Montag.

Zuvor hatte der Landrat des Burgenlandkreises in einem Interview von n-tv.de berichtet, dass er bedroht werde: "Das nimmt unangenehme Formen an. Das geht sogar so weit, dass die Methoden der französischen Revolution angedroht werden", sagte Ulrich. Dem Landrat wird demnach mit Enthauptung gedroht.

Ulrich ist für die Unterbringung von Asylbewerbern im Burgenlandkreis zuständig. Noch am vergangenen Dienstag hatte der CDU-Politiker auf einer Einwohnerversammlung in Tröglitz die Bürger über die Pläne für eine Asylbewerberunterkunft informiert. In der Nacht zum Samstag zündeten Unbekannte jedoch das Wohnhaus an, in dem ab Mai 40 Flüchtlinge leben sollten.

An den Plänen zur Unterbringung hält der Ort trotz des Brandanschlags fest. Ulrich sagte SPIEGEL ONLINE: "Es bleibt dabei, Tröglitz bekommt 40 Asylbewerber."

Atmosphäre von "Hass und Intoleranz"

Wer das Haus in Brand gesetzt hat, ist weiter unklar. Die Ermittler halten einen politischen Hintergrund jedoch für naheliegend. Seit Monaten schon machen Rechtsextreme in Tröglitz unter der Führung des NPD-Funktionärs Steffen Thiel Stimmung gegen die Aufnahme von Asylbewerbern.

Der Generalsekretär des Europarats, Thorbjörn Jagland, mahnte in Straßburg, Ereignisse wie der Brandanschlag sollten die Alarmglocken in Europa schrillen lassen. Überall in Europa breite sich eine Atmosphäre von "Hass und Intoleranz" aus, und die Demokratie sei "zunehmend gefährdet" durch "rassistischen, fremdenfeindlichen, politischen und religiösen Extremismus".

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) mahnte in der "Bild am Sonntag": "Wir dürfen beim Kampf gegen Rechtsradikalismus nicht nachlassen." Unionsfraktionschef Volker Kauder nannte das Attentat in der "Welt" vom Dienstag einen "Anschlag auf unseren Rechtsstaat".

Bereits Anfang März hatte Tröglitz Schlagzeilen gemacht, als der ehrenamtliche Bürgermeister des 2700-Einwohner-Ortes wegen rechtsextremer Anfeindungen zurückgetreten war.

irb/AFP/dpa

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