SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

09. März 2012, 18:53 Uhr

Tröten beim Zapfenstreich

Bellevue beschwert sich über Vuvuzela-Demo

Mit Sprechchören und Vuvuzelas hatten Hunderte Demonstranten gegen Ex-Bundespräsident Wulff protestiert: Beim feierlichen Zapfenstreich verging kaum eine Minute ohne penetranten Lärm. Jetzt zieht das Bundespräsidialamt Konsequenzen - und erwägt, in Zukunft die Sicherheitsstandards zu erhöhen.

Berlin - Einen Tag nach dem feierlichen Zapfenstreich für Ex-Bundespräsident Christian Wulff legen die Behörden ihre Auswertung des Donnerstagabends vor - denn die Zeremonie war nicht ganz störungsfrei über die Bühne gegangen. Nach Angaben der Polizei waren während des Zapfenstreichs fünf Demonstranten vorübergehend festgenommen worden.

Sie hatten sich geweigert, ihre Vuvuzela-Tröten und Trillerpfeifen abzugeben, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Gegen die Störer werde nun unter anderem wegen Körperverletzung ermittelt. Zeitweise waren bis zu 700 Demonstranten am Schloss Bellevue anwesend.

Ein Polizeisprecher sagte zudem, das Bundespräsidialamt habe noch am Donnerstagabend bei der Polizei offiziell Beschwerde über den Krach eingelegt.

Dazu hieß es am Freitag aus dem Bundespräsidialamt: "So wie Bürgerinnen und Bürger ungestört ihre Meinung bei Kundgebungen und Demonstrationen kundtun sollen, sollten auch Veranstaltungen am Sitz des Bundespräsidenten ungestört stattfinden können. Aus dieser Perspektive könnte das Sicherheitskonzept der Polizei vom gestrigen Abend noch einmal nachbetrachtet werden." Die Polizei will den Einsatz nun - wie jeden anderen auch - kritisch unter die Lupe nehmen.

Viele Demonstranten hatten während des Zapfenstreichs Trillerpfeifen und Vuvuzelas dabei - und auch lautstark eingesetzt. Immer wieder skandierten sie "Schäm dich" und "Schande". Obwohl das Schloss weiträumig abgesperrt war, waren die Proteste auf dem Festgelände nicht zu überhören. Anfangs seien nur 20 Teilnehmer für die Demo angemeldet gewesen, sagte der Polizeisprecher. Nach Aufrufen über das Internet kamen allerdings deutlich mehr.

Bereits in den letzten Monaten von Wulffs Amtszeit waren mehrmals hunderte Demonstranten vor das Schloss Bellevue gezogen. Unter anderem forderten sie mit hochgehaltenen Schuhen seinen Rücktritt. In der muslimischen Kultur ist das ein Zeichen höchster Verachtung.

amz/dpa

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH