Trotz Demütigung Özdemir kandidiert für Grünen-Vorsitz

Cem Özdemir gibt dem Drängen der Parteispitze nach: Trotz seiner demütigenden Niederlage beim Kampf um ein Bundestagsmandat will er für den Vorsitz der Grünen kandidieren.


Berlin - Cem Özdemir gibt nicht auf: Er werde auf der Bundesdelegiertenkonferenz in Erfurt für das Amt des Grünen-Vorsitzenden kandidieren, gab der baden-württembergische Politiker in Berlin bekannt. "Ich habe in meinem politischen Leben gelernt, dass es sich lohnt, zu kämpfen und sich von Rückschlägen nicht beirren zu lassen", sagte er.

Özdemir: "Es lohnt zu kämpfen"
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Özdemir: "Es lohnt zu kämpfen"

Zweimal war Özdemir bei der Kandidatur für einen aussichtsreichen Listenplatz in Baden-Württemberg am Samstag einem Mitbewerber unterlegen. Damit wird er 2009 nicht in den Bundestag einziehen. Er will auf einem Parteitag Mitte November zum Nachfolger von Parteichef Reinhard Bütikofer gewählt werden, der ins Europaparlament wechseln will.

"Das Amt des Bundesvorsitzenden ist eine große und spannende Aufgabe für mich, die ich mit ganzer Kraft und Entschlossenheit anstrebe", so Özdemir in einer schriftlich verbreiteten Erklärung. Er sei zwar weiter der Meinung, dass es für die Partei ein großer Vorteil sei, wenn Bundesvorsitzende auch in der Bundestagsfraktion vertreten sind. Das Ergebnis des Landesparteitags in Baden-Württemberg müsse er aber akzeptieren.

Özdemir war zuvor von führenden Vertretern der Partei gedrängt worden, sich trotz seiner Niederlage bei der Bewerbung um ein Bundestagsmandat zur Wahl zu stellen.

Auch Bütikofer hatte Özdemir gedrängt, nicht aufzugeben. "Ich würde mal sagen, wenn einer wie Cem Özdemir, der als Kind einer Arbeiterfamilie mit Migrationshintergrund gestartet ist, sich so weit vorgearbeitet hat, der lässt sich von so etwas nicht so leicht aus der Bahn werfen", sagte er bei n-tv. Auch Fraktionschef Fritz Kuhn hatte gedrängt: "Ich habe die Hoffnung, dass er sich so entscheidet, dass er antritt."

Ein anderer Kandidat als Özdemir für den Parteivorsitz war ohnehin nicht in Sicht. "Es gibt keinen Plan B", sagten mehrere Vertreter des Reformerflügels der Deutschen Presse-Agentur.

als/dpa



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