Proteste gegen Freihandel "Die Menschen sollen einkaufen, aber nicht denken"

Sie warnen vor Giftstoffen, Gentechnik und Globalisierung: Am Wochenende demonstrierten Zehntausende Menschen gegen den europäisch-amerikanischen Handelspakt TTIP. Diese Porträts zeigen die Gesichter des Protests - und die Meinungen dahinter.

HC Plambeck

Von und Hans-Christian Plambeck (Fotos)


Vier Buchstaben haben am Wochenende Zehntausende Menschen auf die Straßen getrieben, in ganz Europa wurde gegen das Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) protestiert. Für viele Leute ist der Handelspakt inzwischen so ein großes Reizthema, dass sie dafür schon mal einen freien Nachmittag opfern.

In Berlin zog eine Menschenkette vor das Brandenburger Tor. Beim Streifzug durch die Protestmenge wurde klar: Die Demonstranten glauben nicht an die Vorteile, den der wirtschaftliche Schulterschluss zwischen EU und USA bringen soll. Und sie glauben nicht daran, dass die beteiligten Parlamente genügend im Interesse der breiten Bevölkerung entscheiden.

Es gibt auch nicht den einen, typischen TTIP-Gegner - und nicht das eine, große Anti-TTIP-Motto. Die geplanten Schiedsgerichte, die es Investoren ermöglichen, Staaten zu verklagen, sind für viele Teilnehmer ein Aufreger. Die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen sowieso. Aber man projiziert auch viele individuelle Befürchtungen in den Handelspakt, etwa bei Kultur, Öko-Landbau, Umwelt- und Tierschutz.

Oft ist die Kritik gepaart mit einer Grundfurcht vor Globalisierung und Gewinnoptimierung. So sagt ein Demonstrant: "Ich glaube nicht an unendliches Wachstum. Die Erde ist zu klein dafür." Manchmal geraten auch Fakten durcheinander. So wird auffallend häufig vor Gentechnik in Lebensmitteln gewarnt, obwohl die entsprechenden EU-Normen durch TTIP gar nicht angetastet werden sollen.

Unterschätzen sollte man den Protest wohl trotzdem nicht. Denn neben den üblichen Parteien und Verbänden trifft man auf den Demos eben auch viele normale Durchschnittsbürger: Studenten, Familien, Rentner, Kreative.

Was bewegt Kritiker des Freihandels, warum gehen sie auf die Straße, wovor haben Sie Angst? Wir stellen die Gesichter des Protests in einer Fotoreportage vor. Klicken Sie sich durch die Bilderstrecke!


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Gesichter der TTIP-Proteste: Künstler, Veganer, Informatiker - und ein Dalmatiner

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