Tübingens Grünen-OB Palmer soll Student nachts auf der Straße angebrüllt haben

Tübingens Oberbürgermeister Palmer soll einen Studenten bedrängt haben. Augenzeugen sprechen von "extrem befremdlichem" Verhalten. Der Grünen-Politiker weist die Vorwürfe zurück - und sieht sich im Recht.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer
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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer


Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer sorgt einmal mehr für Schlagzeilen. Palmer soll Mitte November in der Innenstadt von Tübingen spätabends mit einem jungen Mann aneinandergeraten sein. Der 46-Jährige habe den Studenten der Erziehungswissenschaften bedrängt, angebrüllt und schließlich gegen seinen Willen fotografiert, berichtete zuerst das "Schwäbische Tagblatt".

Palmer bestreitet dem Bericht zufolge nicht, dass es einen Vorfall gab. Auf seiner Facebook-Seite hat er inzwischen ausführlich Stellung genommen. Nach seiner Darstellung war es der "linke Student", der ihn, Palmer, "attackiert" habe und zudem "lautstark" randaliert habe. "Wenn die Presse nun daraus macht, der Student sei belästigt worden, so verkennt das die Rechtslage und macht aus dem Täter ein Opfer", schreibt der Grünen-Politiker.

Was ist passiert? Es geht wohl um den Abend des 13. November. Dem "Tagblatt" zufolge hatte der Student zusammen mit einer Freundin einen Vortrag besucht. Anschließend sollen die beiden gegen 22 Uhr zufällig Palmer begegnet sein. Bei dieser Gelegenheit soll der Mann zu seiner Begleiterin eine abfällige Bemerkung über den Oberbürgermeister gemacht haben - wie: "Ach nee, der auch noch."

"So geht's nicht"

Palmer habe die Bemerkung gehört, sei zunächst aber weitergegangen, heißt es in dem Bericht. Dann aber habe sich der Grünen-Politiker doch noch umgedreht und dem Studenten zugerufen: "So geht's nicht."

Der OB habe den Studenten aufgefordert, sich zu stellen - dieser habe aber nicht mit Palmer diskutieren wollen. Palmer aber habe nicht lockergelassen, so der junge Mann: "Irgendwann habe ich dann sehr laut zu ihm gesagt: 'Lassen Sie uns in Ruhe, wir fühlen uns bedrängt'", wird der Student zitiert.

Palmers Version geht laut seinem Facebook-Eintrag so: Er habe den Mann "sachlich zur Rede" gestellt und aufgefordert, ihm zu sagen, was ihn störe. "Daraufhin sagte er, ich solle abhauen, er kenne mich gar nicht. Ich erwiderte, so gehe das nicht, er solle mir jetzt erklären, was Sache ist. Dann schrie er laut, ich würde ihn stalken, wedelte wild mit den Armen und bedrohte mich."

Nach übereinstimmenden Angaben soll Palmer seinen Dienstausweis gezückt und mit seinem Mobiltelefon Fotos gemacht haben. Der Grünen-Politiker weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass er als "Leiter der Ortspolizeibehörde das Recht zu einer Personenkontrolle habe, um Verstöße gegen Ortsrecht zu ahnden" - in diesem Fall die "laute Schreierei nach 22h". Das Foto habe er gemacht, "um die Chance zu erhalten, das Ordnungsgeld wegen Ruhestörung und Weigerung zur Angabe der Personalien durchzusetzen". Bis zu 5000 Euro könne dieses Ordnungsgeld betragen, so Palmer.

Laut "Tagblatt" soll der Politiker im Zuge des Streits dem Paar den Weg versperrt und den Studenten bedrängt haben. Zwei andere Studentinnen, die zufällig Augenzeugen dieser Szenen wurden, hätten gemeinsam mit der Begleiterin des jungen Mannes noch versucht, den OB zu beruhigen. Palmer aber habe nicht von dem Studenten und seiner Begleiterin abgelassen und sich eine "slapstickreife Verfolgungsjagd" mit diesen geliefert - bis er schließlich aufgegeben habe.

Zwei Augenzeugen des Vorfalls sollen Palmers Verhalten als "extrem befremdlich" beschrieben haben, der Oberbürgermeister sei "immer lauter und aggressiver geworden", Palmer "stand vollkommen neben sich".

Palmer stellt es so dar, dass der Mann versucht habe, sich abzusetzen. "Ich folgte ihm gemäßigten Schrittes. Auf dem Holzmarkt versteckte er sich dann hinter den Ständen des Martinimarktes und verzog sich. Ich unternahm nichts weiter, weil ich einen Einsatz des Polizeivollzugsdienstes aus diesem Anlass für unverhältnismäßig hielt."

Palmer hat auch eine "politische Bewertung" des Vorfalls parat: "Die Akzeptanz gesetzlicher Normen ist leider rückläufig", Ausdruck dieser Entwicklungen seien "die ausufernden Störungen der Nachtruhe oder der Vandalismus in der Uhlandstraße", die als Tübinger "Partymeile" bezeichnet wird. Dies wirke sich auch "im Verhalten gegenüber Polizei und Ordnungsbehörden aus, zu denen qua Gesetz auch der Oberbürgermeister zählt".

als

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