Flucht aus der Türkei Ranghohe Sicherheitskräfte beantragen Asyl in Deutschland

Ein Jahr nach dem gescheiterten Putschversuch suchen weiter Tausende Türken Schutz vor Präsident Erdogan - auch ranghohe Sicherheitskräfte. Unter ihnen ist ein Verbindungsmann zum BKA.

Parade in Ankara (Archivfoto)
BERKIN/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Parade in Ankara (Archivfoto)


Mehrere ranghohe Sicherheitskräfte aus der Türkei haben in Deutschland Asyl beantragt. Unter den Schutzsuchenden befindet sich nach SPIEGEL-Informationen ein ehemaliger türkischer Verbindungsbeamter des Bundeskriminalamts (BKA), der Kontakt zu einem Beamten der hessischen Polizei hatte.

Der Mann stellte einen Asylantrag in Nordrhein-Westfalen. Dort ist er zusammen mit einem ehemaligen hochrangigen Mitarbeiter des türkischen Inlandsgeheimdienstes in einem Asylbewerberheim untergebracht. Die "Welt" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise von einigen ranghohen türkischen Polizeibeamten, die in Deutschland Asyl beantragt hätten.

In Deutschland hatten vergangenes Jahr mehr als 5700 Türken Asyl beantragt. In den ersten sechs Monaten 2017 waren es mehr als 3000 weitere. Unter ihnen befinden sich auch zahlreiche Militärangehörige. Die Entscheidung der Bundesregierung, einigen der Soldaten politisches Asyl zu gewähren, stieß in der Türkei auf heftige Kritik.

Das Bundesinnenministerium bezog zu den nun neuen Fällen bislang keine Stellung: "Aus Gründen des Persönlichkeits- und Datenschutzes äußern wir uns nicht zu Einzelpersonen", teilte eine Sprecherin der "Welt" mit.

Fast 140.000 Staatsbedienstete, darunter Polizisten, Justizbeamte und Lehrer, wurden seit dem gescheiterten Staatsstreich im Juli 2016 in der Türkei entlassen. Zehntausende kamen in Haft. Die türkische Regierung macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den gescheiterten Staatsstreich verantwortlich.

jdl/apr/AFP

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