Äußerungen über Türken: Helmut Kohls Sohn kritisiert Ausländerpolitik des Vaters

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Altbundeskanzler Helmut Kohl: "Sehr andersartige Kultur"

Die Hälfte der in Deutschland lebenden Türken raus? Das forderte Helmut Kohl 1982. Jetzt kritisiert sein Sohn Peter Kohl diese Haltung - und meint: Die Weigerung des Altkanzlers, sich nachträglich zu erklären, wirke "kaltschnäuzig".

Hamburg/München - Peter Kohl hat in einem Interview die früheren Pläne seines Vaters kritisiert, die Zahl der in Deutschland lebenden Türken drastisch zu senken. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte der Sohn des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl, er teile nicht die Meinung seines Vaters. Dieser hatte der damaligen britischen Premierministerin Thatcher 1982 anvertraut, er wolle die Zahl der in Deutschland lebenden Türken "um 50 Prozent senken".

"Viele Türken fühlen sich durch solche Äußerungen - wie ich finde, zu Recht - ausgegrenzt. Das verbittert sie", sagte Peter Kohl in der "SZ". Seinen Vater kritisiert der 47-jährige Unternehmer auch für die von Helmut Kohls Büro mitgeteilte Weigerung, dessen vor dreißig Jahren in einem Geheimgespräch getätigten Äußerungen nachträglich einzuordnen: "Seine Worte von damals kann man nicht unkommentiert stehen lassen. Ansonsten wirkt es kaltschnäuzig."

Gleichermaßen nahm Peter Kohl seinen Vater in Schutz: Im Umgang mit Peter Kohls türkischer Frau Elif sei dessen Blick auf die moderne Türkei differenzierter geworden. Von allen Bundeskanzlern sei Kohl derjenige, der sich mit der langen Geschichte der deutsch-türkischen Beziehung am besten auskenne. "Wir sind aber immer noch nicht einer Meinung."

Helmut Kohls Äußerungen über die in der Bundesrepublik lebenden Türken waren erstmals bekannt geworden, als SPIEGEL ONLINE über das vom britischen Nationalarchiv ursprünglich geheim gehaltene Gespräch berichtete. Helmut Kohl sagte demnach, die Bundesdeutschen hätten keine Schwierigkeiten mit Portugiesen, Italienern oder Südostasiaten, aber die Türken kämen aus einer "sehr andersartigen Kultur".

Zumindest in der Einschätzung der öffentlichen Meinung pflichtet Peter Kohl seinem Vater nachträglich bei. Der "SZ" sagte er: "Das war in der CDU, in der SPD und in Teilen der Bevölkerung herrschende Meinung. Es fiel schwer, die Aufbauleistungen der Türken für Deutschland anzuerkennen."

sha

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