Protest in Berlin wegen Krieg in Nordsyrien Tausende Menschen demonstrieren gegen Türkei-Offensive

Gegen den türkischen Militäreinsatz im syrischen Afrin sind in Berlin Tausende Demonstranten auf die Straßen gegangen. Kritisiert wurde auch, dass dort deutsche Waffen zum Einsatz kommen.

Demonstration in Berlin gegen türkische Angriffe in Syrien
DPA

Demonstration in Berlin gegen türkische Angriffe in Syrien


Mehrere tausend Menschen haben in Berlin gegen die türkische Militäroffensive im Nordwesten Syriens demonstriert. Der Protest lief nach Polizeiangaben weitgehend störungsfrei. Vier Beamte wurden jedoch verletzt, als sie von einzelnen Demonstranten mit Fahnenstangen und Reizgas angegriffen wurden.

Im Januar hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan türkische Truppen nach Nordsyrien ausrücken lassen. Gemeinsam mit syrischen Rebellen gehen die Truppen dort gegen die kurdischen Volksvereinigungseinheiten (YPG) vor. Die Türkei betrachtet die Präsenz der YPG als Terrororganisation und nimmt ihre Präsenz an der Grenze als Bedrohung war.

Trotz einer vom Uno-Sicherheitsrat beschlossenen Waffenruhe für ganz Syrien, verlegte die Türkei weitere Kräfte nach Afrin und flog zuletzt wieder tödliche Luftangriffe auf die Region.

Bei Polizeikontrollen auf der Demonstration wurden Fahnen und Plakate sichergestellt, die das Konterfei des in der Türkei inhaftierten Chefs der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, zeigten.

Demonstranten kritisieren Verwendung deutscher Waffen

Die Demonstranten kritisierten unter anderem, dass bei der türkischen Offensive von Deutschland gelieferte Waffensysteme genutzt werden: "Was uns besonders ärgert und was besonders schlimm ist, ist, dass mit deutschen Waffen ein völkerrechtswidriger Krieg geführt wird", sagte Linken-Parteivize Tobias Pflüger. Zudem sei die Bundesregierung "bis heute nicht bereit, diesen Krieg klar zu verurteilen".

Aufgerufen zu der Kundgebung hatten kurdische Verbände sowie deutsche Organisationen und Parteienvertreter. Zu den Unterstützern des Aufrufs "Gemeinsam gegen die türkischen Angriffe auf Afrin" zählten der kurdische Dachverband Navdem, aber auch Vertreter von Linkspartei und Gewerkschaften sowie einzelne Politiker von Grünen und SPD.

Bis zu 30.000 Teilnehmer waren zu den Protesten erwartet worden, hinter dieser Zahl blieb der Demonstrationszug aber zurück. Der Polizei zufolge beteiligten sich "mehrere tausend" Menschen, Aktivisten sprachen von bis zu 20.000.

Kurden hatten zuletzt wiederholt indeutschen Städten gegen die türkischen Angriffe auf die Region Afrin im Nordwesten Syriens und die Kurdenmiliz YPG demonstriert.

ans/dpa/AFP



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