Seit Juli 2016 Türkei stellte 115 Auslieferungsanträge in Berlin

Tausende Bürger hat die Türkei seit dem Putschversuch von 2016 belangt. Auch die Zahl der Auslieferungsanträge gegenüber der deutschen Regierung ist seitdem gestiegen.

Recep Tayyip Erdogan
AFP

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Auch im Ausland gehen die türkischen Behörden seit dem Putschversuch vom Juli 2016 angeblichen Staatsfeinden nach. Die Türkei hat seitdem einem Medienbericht zufolge in Deutschland 115 Anträge auf Auslieferung türkischer Staatsangehöriger gestellt. 54 davon wurden mit Terrorverdacht begründet, wie die "Stuttgarter Zeitung" und die "Stuttgarter Nachrichten" (Samstag) unter Berufung auf Zahlen des Bundesjustizministeriums berichteten.

Im Jahr 2015 waren laut einer Bekanntmachung des Ministerium in Berlin 66 Auslieferungsgesuche der Türkei eingegangen, davon 13 wegen Terrorismus.

Dem Bericht zufolge stimmte Deutschland weder 2015 noch danach einem mit Terrorverdacht begründeten Auslieferungsantrag zu.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte der Bundesregierung Anfang März bei einem Deutschland-Besuch vorgeworfen, zu wenig gegen die als Terrororganisation eingestufte kurdische PKK und die Gülen-Bewegung zu unternehmen. 768 Mitglieder der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen hätten nach seinen Informationen Asyl in Deutschland beantragt und 401 von ihnen sei Asyl gewährt worden. Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK ist auch in Deutschland als Terrororganisation eingestuft.

Die türkische Regierung macht die Bewegung des im US-Exil lebenden Gülen für den gescheiterten Putschversuch verantwortlich und stellt auch in anderen Ländern entsprechende Auslieferungsanträge.

Im Kosovo muss aktuell der Innenminister Flamur Sefaj seinen Posten räumen, weil er ohne Wissen des Regierungschefs sechs türkische Staatsbürger an Ankara abgeschoben hat. Mit ihm wurde auch Geheimdienstchef Driton Gashi entlassen. Die mutmaßlichen Gülen-Anhänger, die im Kosovo als Lehrer arbeiteten, waren am Donnerstag an die Türkei ausgeliefert worden. Kosovo-Präsident Hashim Thaci verurteilte die vom Innenministerium veranlasste Abschiebung als verfassungswidrig.

wbr/dpa



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