Türkische Gastarbeiter: Der Süper-Pionier

Von , Stuttgart

Er war einer der ersten von Millionen Türken, die nach Deutschland kamen - und das Land für immer veränderten: 50 Jahre später blickt Mustafa Akci zurück: Er hat sich hier nicht nur eingerichtet. Er liebt das Land, das er jetzt seine Heimat nennt.

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Es gibt in der Drei-Zimmer-Wohnung von Mustafa Akci im Osten von Stuttgart das Bügelbrett, das an der Wand neben der Haustür lehnt. "Blitzbügler" steht drauf. Es gibt die große Teekanne mit Çay. Es gibt in Akcis Leben Freund Dietmar aus Chemnitz. Und es gibt die türkische Seniorengruppe, die türkischen Zeitungen, die sich in Akcis Arbeitszimmer stapeln.

Vor fünfzig Jahren ist Akci aus Anatolien nach Deutschland gekommen. Seitdem haben sich die Welten, die türkische, die deutsch-schwäbische, verwoben, wie zu einem festen Teppich, der nicht mehr aufzulösen ist.

Akci war ein Pionier, einer der allerersten von Millionen, die Deutschland zu einem anderen Land machten - und die hier zu anderen Menschen wurden.

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Das Leben des Mustafa Akci: "Ich bin hier glücklich geworden"
Im Herbst 1961 unterzeichneten die Bundesrepublik und die Türkei das Gastarbeiter-Anwerbeabkommen. Bis Ende des Jahres kamen knapp 7000 Türken, zehn Jahre später lebten bereits 650.000 zwischen Kiel und München, Bochum und Berlin. Heute haben 2,5 Millionen Menschen in Deutschland türkische Wurzeln. Sie haben die Wirtschaft mit aufgebaut, sie haben eine fremde Kultur gebracht. Lange wurden sie von der Politik nicht wahrgenommen - jetzt gibt es Probleme, in den Schulen, mit der Bildung, mit der Religion.

"Ich hatte Hunger nach Bildung"

Akcis Lebenslauf ähnelt dem Hunderttausender anderer, er kam wie sie aus einfachsten Verhältnissen in Anatolien, wie sie fand er Arbeit in einem großen deutschen Industriebetrieb.

Aber aus dem Gastarbeiter von einst ist so etwas wie ein deutsch-türkischer Bildungsbürger geworden.

Akci, 73 Jahre alt, ist ein leiser Mensch, weißgraue Haare, der Blick zurückhaltend, er sagt nichts schnell heraus, seine Sätze beginnt er oft mit: "Es ist so." Zum Beispiel: "Es ist so, dass ich keine Erwartungen an Deutschland hatte."

Man muss mehr als siebzig Jahre zurückblicken, um zu verstehen wie aus dem jungen, dem suchenden Mustafa Akci, dem Mann, der weiter wollte im Leben, der alte Herr Akci geworden ist. Der Mann, der sagt, er sei zufrieden mit seinem Leben.

Geboren wurde Akci in der westanatolischen Stadt Eskisehir, seine Mutter starb früh, seine zwei Geschwister kamen als Kinder durch Krankheiten ums Leben. Akcis Vater widmete sein Leben der Religion. Fünfmal am Tag ging er zum Beten in die Moschee. Schon mit fünf Jahren musste auch der kleine Mustafa zur Koranschule. Er war überfordert, fühlte sich erstickt.

Sein Leben, das wollte er anders leben, das wusste Akci schon früh. "Ich hatte Hunger nach Bildung". Als Jugendlicher absolvierte er die Technische Realschule, arbeitete in einem Braunkohlewerk. Nach dem Militärdienst, er war jung und er war neugierig, drängte er darauf nach Deutschland zu kommen. Ein Freund des Vaters war beteiligt an dem Abschluss des Anwerbeabkommens zwischen Bonn und Ankara und erzählte ihm davon. Ein Bekannter übersetzte eine Bewerbung und schickte sie an deutsche Arbeitsämter - noch bevor der Vertrag offiziell in Kraft getreten war. "Ich hatte keine Geduld zu warten", sagt Akci.

"Hätte ich das Geld gehabt, wäre ich sofort zurückgefahren"

Bis dahin hatte er kaum etwas gehört über Deutschland. Ein paar Kollegen aus dem Braunkohlewerk waren dort gewesen zur Weiterbildung. Sie erzählten ihm vom Fasching, vom Sommerschlussverkauf, von Freibädern.

Mehr wusste Akci nicht, als er am 17. Juli 1961 in Istanbul in den Zug stieg und zweieinhalb Tage später in der Abenddämmerung in Wendlingen nahe Stuttgart wieder ausstieg. In seinem Koffer hatte er eine Teekanne, die sein Vater selbst geschmiedet hatte, ein türkisches Liederbuch, eine von seiner Großmutter genähte Unterhose.

Er stieg aus dem Zug und war erschrocken. Es war still in Deutschland. "Keine Eselskarren, keine lärmenden Kinder", sagt Akci. Und dass er gedacht habe, er habe Stöpsel in den Ohren, sei in einem schalldichten Raum.

Ein Taxifahrer brachte ihn zu seiner ersten Arbeitsstelle, einem Familienbetrieb. Akci schlief fortan in einem notdürftig umgebauten Geräteschuppen, wenn er auf die Toilette wollten, musste er bei seinem Chef klingeln. Er erzählt von seiner Ankunft in der Fabrik, von Missverständnissen, weil er die Sprache nicht verstand, von den Abenden, an denen er vor lauter Einsamkeit viel zu früh schlafen ging.

110 Mark kostete damals eine Reise zurück in die Heimat. "Hätte ich das Geld gehabt, ich wäre sofort zurückgefahren", sagt Akci. Das Heimweh in diesen Zeiten war groß, das Heimweh nach einem Land, das heute nur noch das Land seiner Erinnerung ist, wie er sagt.

Aber das Leben in Deutschland wurde einfacher für Akci. Er fand eine Arbeitsstelle in der Maschinenfabrik in Esslingen, arbeitete später bei Daimler. 1963 holte er seine türkische Frau Neziha nach Stuttgart. Seine Tante hatte sie ihm vorgeschlagen, in einem Brief. "Ich habe ein gutes Mädchen kennengelernt", schrieb sie ihm. Akci hatte sie nie gesehen, sie nie gesprochen, als er sich verlobte. "Es ist so, es ist keine Liebe gewesen, sondern Vernunft." Schritt für Schritt bauten sie ihr Vertrauen auf. Erklärten sich gegenseitig ihr Leben und Wesen, bekamen zwei Kinder. "Jammern passt nicht in mein Leben", sagt Akci.

"Ich wäre nie so glücklich geworden in der Türkei wie in Deutschland"

Akci lernte Deutsch, systematisch paukte er Vokabeln aus dem Wörterbuch. Zusammen mit seinen Freunden, die aus der Türkei nachgereist waren und auch Arbeit in Deutschland fanden, gab er eine Annonce auf: "Drei Türken suchen Lehrerin zum Deutschlernen".

Und irgendwann sagt er, nach zehn Jahren vielleicht, im Urlaub in der Türkei, habe er plötzlich als Deutscher gesprochen. "Ich erzählte Verwandten etwas und sagte 'Bei uns in Deutschland ist es so'! Unbewusst habe ich plötzlich die deutsche Perspektive eingenommen." Es war ein Wendepunkt. Das Ehepaar Akci kaufte einen Fernseher, begann die deutschen Nachrichten zu schauen. "Ich lebte in diesem Land, also musste ich mich informieren."

In Deutschland wuchs immer stärker etwas, das Akci ankommen ließ. Selbständigkeit, Urteilsvermögen, Offenheit, Eigeninitiative. Als er mit Frau und Kindern in ein neues Haus zog, stellte er eine Bank in den Hof und einen Samowar mit Tee. Er ging zu jedem Elternabend. "Vielen meiner Landsleuten war das Geld wichtiger als die Bildung", sagt er. Vom Islam wandte er sich ab. Sein Vater erlitt einen tödlichen Anfall auf der Toilette. "Wer als Muslim auf der Toilette stirbt, der kommt in die Hölle. Mein Vater aber hatte sein ganzes Leben fromm gelebt, warum tat Gott ihm das an? Ich habe fortan gegen die Religion rebelliert", so Akci.

Dass er sich in den schweren Stunden in Deutschland nicht in eine religiöse Nische zurückzog, sieht der 73-Jährige als Teil seines Rezeptes der Integration. "Für die erste Generation der Türken in Deutschland haben sich die Politiker nicht interessiert. Dieses Vakuum hat der Islam gefüllt."

1995 ging Akci in Rente. Seitdem hat er einen Lieblingsort: die Stadtbücherei. Jeden Tag geht er dorthin. Er hat einen strikten Stundenplan. Am Vormittag liest er deutsche Zeitungen, am Nachmittag Bücher. Dann kommen die Fernsehnachrichten. In seinem Bücherregal stehen Camus und Kafka. Er hat politische Meinungen. Er verehrte Willy Brandt und Carlo Schmid, die Grünen in Baden-Württemberg findet er "nicht ganz realistisch". Bei Demonstrationen habe er "Mappus weg" geschrien.

Akci engagiert sich, er leitet Lesekreise und eine türkische Seniorengruppe bei der Arbeiterwohlfahrt. Er ist Ersatz-Opa für den kleinen Nachbarssohn. Und er macht Yoga. "Die Leute, die aus dem Kurs kommen, sehen alle so glücklich aus."

Es gab Momente in diesen glücklichen Stunden in Deutschland, da hat es Akci plötzlich durchwühlt, da wurde seine Dankbarkeit, seine Zuversicht erschüttert. Gehört hatte er von dem Holocaust der Deutschen schon in der Schule. Erfasst hatte er nicht, was nur 16 Jahre, bevor er in dieses Land kam, geschah. Eine kürzere Zeit als heute die deutsche Wiedervereinigung her ist. "Als ich verstanden habe, wie der Holocaust tatsächlich passierte, als ich von Auschwitz hörte, wollte ich wegrennen. Warum nur war ich gerade in dieses Land gekommen?"

Heute sagt er: "Ich wäre nie so glücklich geworden in der Türkei wie in Deutschland. Ich konnte mich hier entfalten."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 173 Beiträge
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1. Erfolg
Genover 15.07.2011
Das ist doch ein schönes Beispiel, wie und warum sich einer in die deutsche Gesellschaft erfolgreich einbringt. Erstens Achtung vor und später Liebe zu dem Land. Zweitens Bereitschaft, sich anzustrengen und selbst aktiv zu werden. Das sind die besten Voraussetzungen, in der deutschen Gesellschaft anzukommen. Leider treffen dies für viele türkische und andere besonders muslimische Migranten nicht zu. Positive Beispiele sind wohl keine Einzelfälle, aber stellen nicht den Normalfall da. Dabei wirkt sich negativ aus, daß je mehr Landsleute, Mitdorfbewohner, Verwandte, DITIB-Mitarbeiter über die Jahre nachgekommen, der Druck auf die Pioniere immer größer wurde, sich Türkeikonform und gemäß der Traditionen zu verhalten. An der rasanten Zunahme der bunten Demonstrationskopftücher (imm Gegensatz zu früheren Dorfkopftüchern) kann man das gut erkennen.
2. ganz toll!
duk2500 15.07.2011
Ganz tolle Lebensgeschichte und sicher repräsentativ für den größten Teil der Einwanderer in unser Land. Im Großraum Stuttgart haben heute über 50% der Einwohner einen Migrationshintergrund und sind wie Herr Akci und seine Familie hervorragend integriert. Es geht also, man muß aber auch wollen. Wer will, wird in unserem Land nicht abgewiesen, im Gegenteil. Interessant, daß in diesem Fall die gelungene Integration und die Abwendung von der islamischen Religion parallel stattgefunden haben. Man kann und sollte schon spekulieren, ob es da Zusammenhänge gibt.
3. noch mal!
wrtlbrmft 15.07.2011
Zitat von sysopEs freut mich für ihn das er dieses Land liebt und er sich hier wohl fühlt. Mir wäre es allerdings lieber gewesen, er und viele ander Millionen Türken wären gar nicht erst hier hergekommen. Denn nach den Jahrzehnten ist klar geworden, das sich viele Türken , vielleicht sogar die meisten, hier nicht wohl fühlen und Millionen Deutsche überhaupt nicht glücklich über Millionen von Türken in Deutschland sind.
Sie sollten Ihren post noch mal lesen: Sie wünschten, " er...wäre gar nicht erst hier hergekommen...."? Da Sie Ihre Vorbehalte (die ich bei vielen teile) auf diesen Menschen ausdehnen, der hier integriert ist, sich wohl fühlt und das Land seine Heimat nennt, kann man Ihnen nur eines vorwerfen: blinden Ausländerhass - shame on you!!!!
4. Jaja
Hubatz 15.07.2011
Ich kauf mein Obst trotzdem bei EDK ;)
5. Tja...
Beansidhe 15.07.2011
... zu denen von Ihnen genannten Leuten zähle ich mich definitiv nicht. Ich bin durchaus froh über eine Menge interessanter Menschen, die ich kennenlernen, und Erfahrungen, die ich auf diese Weise machen durfte. Und nebenbei: Auch eine Menge Deutsche sind in diesem Land nicht glücklich, und ich bin auch mit meinen "Landsleuten" nicht immer glücklich. So ist das nun einmal im menschlichen Zusammenleben. Und nach der Erfahrung eines mehrjährigen Auslandsaufenthaltes weiß ich, daß auch andere Länder mit den Deutschen bei ihnen nicht immer glücklich sind... Probleme gibt es überall. Es kommt auf den einzelnen selbst an, wie er sich verhält.
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Wie die Gastarbeiter nach Deutschland kamen
Das Abkommen
Schon in den späten fünfziger Jahren kamen vereinzelt türkische Arbeiter in die Bundesrepublik - eine gesetzliche Rahmenregelung zwischen Ankara und Bonn wurde erst Jahre später getroffen Am 31. Oktober 1961 wurde in Bad Godesberg das Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei unterzeichnet. Die sogenannten "Gastarbeiter" sollten maximal zwei Jahre in Deutschland bleiben dürfen. Die Türkei erhoffte sich, dass durch das Geld, das türkische Arbeiter aus Deutschland in die Heimat überwiesen, die Wirtschaft angekurbelt würde. Deutschland suchte in den Jahren des Wirtschaftswunders billige Arbeitskräfte. Das Rotationsprinzip, nachdem die "Gastarbeiter" nach zwei Jahren ausgewechselt werden sollten, wurde 1964 auf Wunsch der Arbeitsgeber in einer Neufassung des Abkommens aufgehoben. 1973 kam es zum Anwerbestopp.

Wieviele kamen?
Von 1961 bis November 1973 bewarben sich etwa 2,66 Millionen Türken um einen Arbeitsplatz in Deutschland, nur knapp 650.000 wurden nach Angaben des "Dokumentationszentrums und Museums über die Migration aus der Türkei" (DOMIT) vermittelt. Fast jeder dritte Gastarbeiter war laut DOMIT Facharbeiter oder angelernte Arbeitskraft - die Quote war deutlich höher als etwa unter den Gastarbeitern aus Italien, Spanien, Griechenland oder Portugal. Ein Fünftel aller Angeworbenen aus der Türkei waren Frauen.
Wer durfte kommen?
Das Bewerbungs-Prozedere spielte sich wie folgt ab: Die deutschen Arbeitgeber wandten sich an die Arbeitsämter mit einem so genannten "Vermittlungsauftrag - Türkische Arbeitskräfte", die Angebote wurden weitergeleitet zur deutschen Vermittlungsstelle in Istanbul und von dort an das türkische Arbeitsamt. Es gab verschiedene Altersgrenzen: Qualifizierte männliche Bewerber durften nicht älter als 40 Jahre sein, Frauen nicht älter als 45 Jahre. Bei unqualifizierten Arbeitern lag die Grenze bei 30 Jahren.
Wieviele blieben?
Etwa die Hälfte aller zwischen 1961 und 1973 angeworbenen Arbeitskräfte aus der Türkei sind Schätzungen zufolge wieder in ihre Heimat zurückgegangen. Die andere Hälfte blieb, immer mehr Familienangehörige zogen nach. Heute haben rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland türkische Wurzeln.
Die Gesundheitsprüfungen
Alle Arbeiter, die vom türkischen Arbeitsamt ausgewählt wurden, mussten sich in Istanbul untersuchen lassen. Gruppenweise mussten die Kandidaten vor Ärzte treten - Blutdruck wurde gemessen, Blut- und Urinproben unternommen, körperliche Übungen mussten vorgeführt werden, der Körper wurde nach Operationsnarben abgesucht, Genitalien wurden abgetastet. Letzteres "war für die Menschen aus Anatolien vermutlich das Schlimmste", schreibt das Dokumentationszentrum und Museum über die Migration aus der Türkei DOMIT. Zwischen 10 und 17 Prozent der Kandidaten, die das türkische Arbeitsamt als geeignet befunden hatte, wurden bei den Gesundheitsprüfungen in Istanbul aussortiert. Wer beí den Gesundheitschecks als nicht geeignet befunden wurde, musste den Traum von der Arbeit in Deutschland für immer begraben.


Das neue Integrationsprogramm
Fast 200 Seiten stark ist das Integrationsprogramm des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Darin haben Experten die bestehenden Integrationsmaßnahmen zusammengefasst und Empfehlungen für die Weiterentwicklung gegeben. Ein Überblick:
Deutschkenntnisse
dpa
Der Bericht betont die Rolle von Deutschkenntnissen für die Integration. Die Angebote zur sprachlichen Bildung in Kindertageseinrichtungen und Schulen müssten eng aufeinander abgestimmt sein - auch zwischen den verschiedenen Bundesländern. Empfohlen werden gemeinsame Angebote zum Deutschlernen für Eltern und ihre Kinder.
Integrationskurse
dpa
Der Bericht empfiehlt, die Integrationskurse mehr zu nutzen, um die Teilnehmer für den Arbeitsmarkt fit zu machen. So sollten Migranten stärker auf berufsbezogene Deutschkurse im Anschluss an den Integrationskurs hingewiesen werden. Zudem müsse darauf geachtet werden, dass nicht zu viel Zeit vom Abschluss des Integrationskurses bis zu einem Eintritt in den Beruf vergehe.
Lehrer mit Migrationshintergrund
DPA
Die Experten plädieren dafür, mehr Lehrer mit ausländischen Wurzeln zu gewinnen. Sie seien an deutschen Schulen immer noch die Ausnahme. Sie könnten Kenntnisse in Herkunftssprachen und Einblicke in andere Traditionen und Kulturen in den Unterricht einbringen. Damit die Aufnahme eines Studiums - auch auf Lehramt - nicht am Geld scheitert, werden Stipendienprogramme angesprochen.
Verbände
AP
Sie sollten sich stärker für junge Migranten öffnen, rät der Bericht. Angeregt wird eine stärkere Zusammenarbeit mit Schulen und Migrantenorganisationen. Menschen mit Migrationshintergrund könnten dabei eine Art "Brückenfunktion" wahrnehmen, um junge Leute für die Verbandsarbeit zu gewinnen.

Die deutschen Zuwanderungsregeln
Die Regelungen für die Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland sind zuletzt am 1. Januar 2009 reformiert worden. Vor allem für Akademiker wurde der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert. 2011 will die EU die Hürden mit der Einführung der "Blue Card" weiter senken. Für Nicht- und Geringqualifizierte gilt weiterhin ein Anwerbestopp.
Einkommensschwelle
Keine Probleme haben Forscher und leitende Angestellte, die so viel verdienen, dass sie die Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung erreichen. Sie liegt in diesem Jahr bei 66.000 Euro. Diese Hochqualifizierten erhalten sofort eine sogenannte Niederlassungserlaubnis, die ihnen die gleichen Rechte zugesteht wie deutschen Arbeitnehmern. Auch ihre Familienangehörigen dürfen arbeiten.
Vorrangsprinzip
Fachkräfte mit weniger lukrativen Stellen müssen sich weiterhin dem "Vorrangsprinzip" unterwerfen. Sie bekommen den Job nur, wenn die Bundesarbeitsagentur feststellt, dass es keinen deutschen Bewerber dafür gibt. Ihr Aufenthalt wird befristet. Erst nach drei bis fünf Jahren können sie mit einer Niederlassungserlaubnis rechnen.
Selbständige
Selbständige können ohne Probleme zuwandern, wenn sie mindestens 250.000 Euro investieren und fünf Arbeitsplätze schaffen. Wer dies nicht leisten kann, muss darauf setzen, dass seinem Projekt ein "übergeordnetes wirtschaftliches Interesse" attestiert wird.
Studenten
Ausländische Studenten dürfen 90 ganze oder 180 halbe Tage arbeiten. Nach ihrem Studium können sie ihre Aufenthaltserlaubnis um ein Jahr verlängern, um einen qualifizierten Arbeitsplatz zu finden.
Blue Card
Mit der europäischen "Blue Card" werden ab 2011 die Anforderungen nochmals gesenkt. Fachkräfte aus Drittstaaten müssen einen mindestens ein Jahr geltenden Arbeitsvertrag vorlegen. Darin sollte ein Bruttogehalt vorsehen sein, das 1,5 mal höher liegt als das Durchschnittseinkommen des Mitgliedstaates. In Deutschland wären das nach aktuellem Stand 42.000 Euro.