Erdogan-Wahlkampf in Berlin "Seid stolz und aufrecht"

"Berlin trifft den großen Meister" heißt die Veranstaltung: Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat in der Hauptstadt um Wählerstimmen seiner Landsleute geworben.

DPA

Berlin - Tausende Menschen türkischer Herkunft hatten sich im Berliner Tempodrom versammelt, um ihren Premier zu hören. "Berlin trifft den großen Meister" hieß die Veranstaltung. Und der große Meister war in diesem Fall der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Seine Rede in Berlin wurde von mehreren türkischen Sendern live übertragen.

Eine volle Stunde ließ er seine jubelnden Fans warten, dann betrat Erdogan die Bühne - um zunächst den Vorstand der Union of European Turkish Democrats (UETD) Berlin, Süleyman Arslan, sprechen zu lassen. "Wir sind mittlerweile europäische Türken. Wir arbeiten hier, zahlen hier Steuern und leben hier", sagte Arslan. In Deutschland sind es 1,5 Millionen aus der Türkei stammende Wahlberechtigte, betonte er.

Für diese Stimmberechtigten hatte Erdogan, der "Diener der Türkei", der "Repräsentant des Volkes Willen" wie er im Saal angekündigt wurde, seine Wahlkampfrede vorbereitet. Seinen "lieben Brüdern und Schwestern" übermittelte Erdogan die Grüße von Kanzlerin Angela Merkel und von SPD-Chef Sigmar Gabriel.

"Die Türkei ist in sicheren Händen"

"Ich möchte mit großer Zufriedenheit eines sagen: Die Türkei ist in sicheren Händen", erklärte er seinem deutsch-türkischem Publikum. Eine Anspielung auf die Proteste im Gezi-Park gegen Erdogans Politik im vergangenen Sommer, die von den Sicherheitskräften des Landes gewaltsam niedergeschlagen worden waren. Ein Vorgehen, das in Deutschland nicht nur von Merkel kritisiert worden war.

Erdogan sagte weiter: "Ich bitte euch darum, seid stolz und aufrecht. Deutschland zählt zu den größten Ländern und hier arbeitet ihr." Stolz sollen die in der Bundesrepublik Lebenden auch auf ihre Heimat sein, deren erfolgreiche Exportzahlen der Ministerpräsident hervorhob: "Gleichzeitig bitte ich euch, dass ihr die Fahne der Türkei tragt und stolz darauf seid."

Auch die Korruptionsaffäre, aufgrund der die türkische Regierung zuletzt gegen Polizei und Justiz vorgegangen war, sprach Erdogan an. Er habe das nationale Einkommen auf 800 Milliarden Dollar erhöhen können, sagte er: "Wie soll das in einem Land funktionieren, in dem Korruption vorherrscht?" Kritik an seinem Vorgehen hatte er bereits im Gespräch mit Merkel zurückgewiesen.

Auch bei seiner Rede hob er erneut die Vorzüge seiner Partei hervor: Mittlerweile gebe es kostenlose Schulbücher, Krankenhäuser in allen Provinzen, eigene Kampfschiffe und eine eigene Fregatte.

1,5 Millionen Wahlberechtigte in Deutschland

Die große Werbetour startete der Premier bereits am Morgen. Im Gespräch mit Merkel mahnte er mehr Einsatz bei den stockenden Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union an. Doch die Regierungschefin zeigte sich zurückhaltend, sagte, die schwarz-rote Bundesregierung sehe die Beitrittsverhandlungen als einen ergebnisoffenen Prozess.

Erdogan hatte zuvor eindringlich in einer Rede bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik um Unterstützung für eine Ausweitung der EU-Beitrittsverhandlungen mit seinem Land geworben. Die Türkei ist seit 1999 Beitrittskandidat, die Verhandlungen laufen seit 2005. Erdogan betonte, dass nicht nur die Türkei Europa brauche, sondern auch Europa die Türkei. Es werde unmöglich sein, das 21. Jahrhundert ohne die Türkei zu gestalten.

Am 30. März sind Kommunalwahlen in der Türkei, im Sommer stimmen die Türken über einen Präsidenten ab. Möglicherweise kandidiert Erdogan für das höchste Amt. Das Staatsoberhaupt wird erstmals von der Bevölkerung direkt gewählt - und zum ersten Mal dürfen Türken, die im Ausland leben, ihre Stimmen abgeben.

2008 hatte der türkische Premier mit seiner Rede in der Köln-Arena eine hitzige Debatte über Integration ausgelöst. Er hatte die rund drei Millionen Deutsch-Türken davor gewarnt, sich zu assimilieren. Eine solche "kulturelle Verschmelzung" sei ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

vek

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
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ossy1978 04.02.2014
1. Akzeptanz
Man spricht immer über integrationsunwillige. Eine Integration ist unmöglich so fern die Mehrheitsgesellschafter die Türken in Deutschland akzeptiert. Überall werden Türken mit Vorurteilen überhäuft und im Endeffekt ist man für die deutsche Gesellschaft immer noch der Bauer der vor Jahren als Gastarbeiter gekommen ist.
pacificwanderer 04.02.2014
2. @ossy1978
Die Tuerken welche sich integrieren wollen, haben sich integriert und werden auch voll anerkannt. So jedenfalls ich und meine tuerkischen Bekannten. Diejenigen, die aber in DL (und DK und OE) immer noch haeuslich den Muslim-Patriarchen herauskehren und ihre Familie nicht in die Freiheit und Selbstverantwortung entlassen wollen blockieren die Integrierung. "Fuege Dich Ein" heisst da Zauberwort fuer alle Emigranten!
cleo1102 04.02.2014
3. was eine Heuchelei
da werden regelmäßig in der Türkei gegen die Grundgesetze wie Menschenrechte, pressenfreiheit etc. verstoßen und von der deutschen Regierung kommt nichts als heiße luft. immer diese heuchelei!! es ist traurig wir wirtschaftliche interessen die politik bestimmen... dabei sollten in einer Demokratie ganz andere werte an erster Stelle stehen. .... p.s. Es gibt genügend deutsche, die die türkischen Mitbürger nicht mehr als gastarbeiter ansehen, sondern vielmehr als teil ein und derselben Gesellschaft!
sonosmanli55 04.02.2014
4. Angeblisch
Das ist wieder typisch für spigel tv, es wird geschrieben das erdoğan angeblisch das jâhrlische einkommen der türkei auf 800mrd. Dollar anheben könne aber es geht wohl nicht da es korruption gibt, mann ich wahr selber bei der versammlung, erdoğan hat wort wörtlich gesagt, wir haben Das jâhrlische einkommen auf 800mrd. Dollar erreischt, wie sollte mann das erreichen wenn es angeblisch korruption in der politik gâbe. Also es gibt bei der AKP keine korruption, und wir habe zur zeit ein jârliches einkommen von 800mrd. Dollar im jahr das witer zu nimmt. Seit bitte nicht einversüchtig, arbeitet so wie wir dann könnt ihr es auch erreichen.
nodream 04.02.2014
5. Vorurteile?
Dafür ist schon zu viel Zeit vergangen, jetzt ist es Erfahrung!
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