Anschläge in Tunesien Dutzende Tote bei Angriff auf Touristen

Terroranschlag in Tunesien: Medienberichten zufolge griffen unbekannte Täter die Gäste zweier Hotels im Badeort Sousse an. In Agenturmeldungen ist von mindestens 27 Toten die Rede.

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Zwei Hotels in der tunesischen Stadt Sousse sind am Freitag Ziel eines Anschlags geworden. Wie viele Menschen bei der Attacke starben, war zunächst unklar: Die Nachrichtenagenturen Reuters und AP berichteten unter Berufung auf Sprecher des tunesischen Innenministeriums zunächst über 19 Tote. Inzwischen ist von bis zu 27 Menschen die Rede, die bei den Anschlägen ums Leben kamen, darunter auch Touristen. Die staatliche Nachrichtenagentur Tap bestätigte diese Opferzahl unter Berufung auf das Innenministerium.

Laut Tap und Staatsfernsehen wurden Urlauber von bewaffneten "Terroristen" überfallen. Dabei habe es einen Schusswechsel zwischen den Angreifern und Sicherheitskräften gegeben. Einer der Täter soll dabei erschossen worden sein.

Ziel des Angriffs sei auch das Hotel Imperial Marhaba gewesen, hieß es in tunesischen Sicherheitskreisen. Spaniens Premierminister Mariano Rajoy hat dies bestätigt. Eigentümer ist die Kette RIU, die von einer spanischen Familie zusammen mit dem Reiseveranstalter TUI betrieben wird. Das Hotel wird daher in Deutschland exklusiv von TUI vermittelt. Die 366-Zimmer-Unterkunft liegt rund drei Kilometer vom Jachthafen Port El Kanoui entfernt und rund 14 Kilometer nördlich von Sousse.

Ein TUI-Sprecher wollte zunächst nicht bestätigen, dass es sich bei dem Hotel um das konzerneigene RIU Imperial Marhaba handelt. Seines Wissens nach habe die Attacke am Strand vor dem Hotel stattgefunden. "Wir wissen nicht, ob unter den Opfern TUI-Urlauber oder Deutsche sind", sagte der TUI-Konzernsprecher. Die Einsatzkräfte vor Ort hätten die Anlage abgeriegelt. Die TUI-Reiseleitung habe keinen Zugang. Zurzeit habe der Veranstalter 260 Gäste aus Deutschland in vier Hotels in der Gegend, sagte Sprecher Michael Röll.

Kugeln zischten durch die Luft

Die Nachrichtenseite "NBC News" hat mit Augenzeugen gesprochen: Der Brite Gary P. etwa berichtete, er sei gemeinsam mit Dutzenden Urlaubern am Strand gewesen, als sich der Angriff nicht weit von seinem Hotel El Mouradi Palm Marina ereignete. Er habe zunächst an Feuerwerkskörper gedacht. Als dann die Kugeln durch die Luft zischten, habe er realisiert, dass es sich um Beschuss handelte.

Sein 22-jähriger Sohn habe gesehen, wie eine Person erschossen wurde, berichtet der Brite. Manche Gäste seien vom Strand weggelaufen. Das Hotelpersonal habe ihnen gesagt, sie sollten auf ihre Zimmer gehen.

Ein Animationsmanager eines Hotels, Hamouda, sagte "News NBC", Gäste hätten von zwei Bewaffneten berichtet. Sie seien "aus dem Meer gekommen" und hätten am Strand angegriffen. Er bestätigte, dass das Personal den Gästen empfohlen hatte, sich in den Hotelzimmern zu verstecken.

AA empfiehlt "besonders umsichtiges Verhalten"

Sousse, drittgrößte Stadt Tunesiens und 130 Kilometer südlich von Tunis gelegen, ist neben Djerba das beliebteste Urlaubsziel europäischer Touristen in dem Land. Weitläufige Strände und eine Unesco-geschützte Medina tragen dazu dabei, hier entstanden die ersten Hotelburgen Tunesiens.

Eine rund drei Kilometer lange Zone mit über 80 Hotels zieht sich am Strand entlang, insgesamt verfügt die Stadt über rund 40.000 Gästebetten. Im Oktober 2013 war bereits ein Strandhotel Ziel eines fehlgeschlagenen Selbstmordanschlags.

Das ganze Ausmaß der Tat stehe noch nicht fest, erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier: Das Auswärtige Amt (AA) wisse noch nicht, ob auch Deutsche unter den Opfern seien. Steinmeier sprach von einem "feigen Mordanschlag gegen Touristen", den Angehörigen sprach er sein "tief empfundenes Mitgefühl aus".

Laut einem Sprecher des Auswärtigen Amts sei ein Krisenstab eingerichtet. "Die Botschaft in Tunis bemüht sich mit Hochdruck um Aufklärung", so der Sprecher.

Eine Hotline sei eingerichtet: 030 5000 3000

Touristen wird auf der Homepage des AA "besonders umsichtiges Verhalten" angeraten. Auch generell empfiehlt das Amt in seinem Sicherheitshinweis zu Tunesien erhöhte Aufmerksamkeit, insbesondere in der Nähe touristischer Anziehungspunkte und religiöser Kultstätten. Der Anschlag vom März auf das Bardo-Museum in Tunis zeige, "dass auch in Zukunft Ausländer direkt oder indirekt Opfer von Anschlägen sein können". Bei dem Attentat starben mehrere Menschen, darunter auch viele Kreuzfahrttouristen.

vme/abl/vek/dpa/AFP/Reuters



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