TV-Duell der Vizekandidaten: Bissiger Biden dominiert scharfe Debatte

Feurig, schneidend, emotional: Vizepräsident Biden und Romney-Stellvertreter Ryan haben mit einer aggressiven TV-Debatte neue Dynamik in den US-Wahlkampf gebracht. Der Demokrat trat besonders kämpferisch auf - seine Mimik und seine Zwischenrufe aber wirkten auf viele Zuschauer selbstgerecht.

Danville/Berlin - Diesmal ging's viel feuriger zu als bei der ersten TV-Debatte: In ihrem einzigen Fernsehduell haben sich die US-Vizepräsidentschaftskandidaten Joe Biden und Paul Ryan einen heftigen Schlagabtausch geliefert. Die neunzigminütige Diskussion wurde in der Ortschaft Danville im US-Staat Kentucky abgehalten. Beide Rivalen schenkten sich nichts, schalteten vom ersten Moment an in den Angriffsmodus, lieferten sich harte Wortgefechte zu kontroversen Themen wie Nahost-Konflikt, Arbeitslosigkeit, Steuerpolitik.

Barack Obamas Stellvertreter Biden stand merklich unter Druck, die matte Performance des US-Präsidenten wieder wettzumachen - und setzte auf bissige Attacken gegen seinen Duellpartner. Bei der TV-Debatte in der vergangenen Woche hatte Obama unkonzentriert und leidenschaftslos gewirkt. Die Beliebtheitswerte seines Herausforderer Mitt Romney klettern seitdem, was den Demokraten ordentlich Kopfzerbrechen bereitet. Alles deutet derzeit auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Wahl am 6. November hin.

Biden hatte keinen leichten Stand: Immer wieder musste er sich für Obamas vorläufige Regierungsbilanz rechtfertigen, die belastet ist von hohen Arbeitslosenzahlen, einer schlechten Konjunktur und einem horrenden Schuldenberg. Punkten konnte er aber mit Erfahrung und Faktenwissen, die er dem 27 Jahre jüngeren Ryan voraus hat (lesen Sie hier das Minutenprotokoll der Debatte).

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Biden gegen Ryan: US-Vizes liefern sich feuriges Duell
Doch offenbar überzeugte der forsche Republikaner Ryan spontan etwas mehr Zuschauer von sich, als es Obamas Vize vermochte: Einer Blitzumfrage des US-Senders CNN zufolge sehen 48 Prozent der Befragten Ryan als Gewinner der Debatte. 44 Prozent finden, dass sich Biden besser geschlagen hat.

Das Ergebnis ist zu knapp, als dass man einen eindeutigen Sieger küren könnte. Biden hat wohl einen Teil der Wechselwähler mit seinem teilweise selbstgerecht wirkenden Auftritt irritiert. Der Vizepräsident zeigte sich demonstrativ als Gewinner, seine Mimik rutschte zuweilen ins Überhebliche ab.

Der 69-Jährige, einer der engsten Vertrauten Obamas, setzte bei vielen Gelegenheiten ein breites, ironisches Grinsen auf. Beobachter kritisierten dies bereits während der Debatte als herablassend. Manchmal ließ allein Bidens Mimik seinen Kontrahenten Ryan, Liebling der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung, automatisch souveräner wirken - ob der nun bessere Argumente hatte oder nicht.

"Ein Haufen Unsinn"

Inhaltlich gab es einen Ritt durch alle Disziplinen - Nahost-Konflikt und Afghanistan-Einsatz wurden ebenso behandelt wie Gesundheitsreform, Abtreibung oder Steuerpolitik. Zu Beginn der Debatte stand die Außenpolitik im Mittelpunkt: Der republikanische Herausforderer warf dem demokratischen Amtsinhaber vor, Obamas Krisenmanagement habe auf ganzer Linie versagt - vor allem im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das US-Konsulat in Libyen. Die USA erlebten derzeit, wie sich die Außenpolitik von Obama "auflöse", erklärte der 42-jährige Republikaner. "Der Status Amerikas in der Welt ist geschwächt."

Biden bezeichnete Ryans Äußerungen als "einen Haufen Unsinn" und erklärte: "Nicht ein einziges Wort, das er gesagt hat, stimmt." Obama führe die USA "mit fester Hand und einer klaren Vision", sagte der Demokrat und erklärte, der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney würde das Gegenteil tun. Obama habe sein Versprechen gehalten, den Krieg im Irak zu beenden, betonte er, die Weichen für einen Abzug aus Afghanistan gestellt und Osama bin Laden zur Strecke gebracht.

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Joe Biden: "Wie eine Grinsekatze"
Mit Blick auf das iranische Atomprogramm warf Ryan den Demokraten vor, nicht zum Verbündeten Israel zu stehen. Biden erwiderte, die Regierung habe "die härtesten Sanktionen der Geschichte gegen Iran" umgesetzt. Er sei zuversichtlich, dass man dem iranischen Atomprogramm einen schweren Schlag versetzen könne.

Auch in der Innenpolitik redeten sich beide Kontrahenten in Fahrt: Ryan warf Obama vor, den Kampf gegen die Wirtschaftskrise verloren zu haben. "Wir gehen in die falsche Richtung", schimpfte der Republikaner. "Ein echter Aufschwung sieht anders aus". Obamas Bilanz sei fatal, so Ryan: "Er hatte seine Chance... Es hat nicht funktioniert", sagte der 42-Jährige.

Biden betonte dagegen, dass sich die Wirtschaft bei Obamas Amtsübernahme im "freien Fall" befunden habe. Die Regierung habe mit Steuersenkungen für die Mittelschicht und der Rettung der US-Autoindustrie gehandelt. "Sie nehmen die Mittelschicht als Geisel, um die Steuern für die Superreichen zu senken", warf er Ryan vor.

Anders als Obama spielte Biden mehrfach auf Romneys "47 Prozent"-Entgleisung an - der Republikaner hatte bei einem heimlich mitgeschnittenen Wahlkampfauftritt gesagt, fast die Hälfte der Amerikaner zahle keine Einkommensteuern und sehe sich als "Opfer". "Diese Leute sind meine Mutter und mein Vater, meine Nachbarn", sagte der Vizepräsident in Kentucky. "Sie zahlen mehr Steuern als Gouverneur Romney." Der Multimillionär Romney hatte offengelegt, in den Jahren 2010 und 2011 Steuersätze von lediglich um die 14 Prozent gezahlt zu haben.

Ryan entgegnete, dass die republikanischen Steuerpläne zu mehr Wachstum und Jobs führen würden und verteidigte seinen Chef: "Mitt Romney ist ein ehrenwerter Mann", sagte Ryan. "Er ist zu hundert Prozent für die Menschen in diesem Land da." Biden versuchte immer wieder, die Demokraten als wahre Freunde des Mittelstands zu präsentieren. Unter einem Präsidenten Mitt Romney würden Reiche immer reicher. Dagegen werde sich die Regierung Obama "voll und ganz der Mittelschicht widmen".

Die nächste Redeschlacht zwischen Obama und Romney findet am 16. Oktober statt - in deutscher Zeit früh morgens am 17. Oktober. Obama hatte bereits angekündigt, dass er seinen Gegner dann deutlich beherzter als beim letzten Mal angehen will. Der dritte und letzte Debattentermin ist der 22. Oktober amerikanischer Zeit. SPIEGEL ONLINE wird beide Debatten ab 3 Uhr nachts wieder mit einem Liveticker begleiten.

amz/dpa/dapd/Reuters/AFP

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1. Biden hat klar gewonnen.
Jay's 12.10.2012
Er war zwar nicht der Hoefligste aber ueberzeugend klar in der Aussage und fuehrt die Obama Linie weiter. 1. Ryan konnte nicht erklaeren, woher der Ausgleich fuer die Steuererniedrigungen kommen wird. Biden erklaerte es ihm, von der Mittelklasse. 2. Ryan/Romney wollen noch laenger den Afghanistan Krieg weiterfuehren. Bei ihnen geht es gegen Taliban. Biden machte klar, dass es gegen AlQuaida ging und das Ziel ist jetzt erreicht. Den rest muessen die Afghanen selber erledigen. 3. Ryan hat sich klar gegen Abtreibung ausgesprochen und das dies Politiker entscheiden muessen, Biden meint dies ist Sache des Einzelnen. 4. Ryan/Romney wuerden einen neuen Krieg anfangen, wenn es im amerikanischen Interesse waere. Das ist Bush-Neokon Politik und wuerde sehr frueh zu einem neuen Krieg fuehren. 5. Social Security (Rentenversicherung) soll unter Ryan/Romney privatisiert werden. Das hiesse, die Armut per Gesetz zu beschliessen. Romney/Ryan = Bush/Cheeney, Nein danke!!
2. Selbstgerecht?
ergo_789 12.10.2012
Zitat von sysopFeurig, schneidend und auch demagogisch: Vizepräsident Biden und Romney-Stellvertreter Ryan haben mit einer aggressiven TV-Debatte neue Dynamik in den US-Wahlkampf gebracht. Der Demokrat trat besonders kämpferisch auf - sein häufiges Grinsen aber wirkte auf manche Zuschauer zu selbstgerecht. TV-Duell vor US-Wahl: Vizes Ryan und Biden liefern sich Schlagabtausch - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/tv-duell-vor-us-wahl-vizes-ryan-und-biden-liefern-sich-schlagabtausch-a-860855.html)
Also langsam reicht es! Obama war "lethargisch", weil er den Zuschauern zu wenig aggressiv war? Biden war "selbstgerecht", weil er ihnen zu aggressiv war? Darüber kann man nur streiten, wenn einem die Erscheinung wichtiger ist als die Inhalte.
3. kleiner Typo
spon-facebook-1418763628 12.10.2012
vorletzter Absatz: ... Freunde des Mittelschicht zu .... Ansonsten danke, dass es euch gibt =))
4.
dasistdiezukunft 12.10.2012
Ich frage mich, ob es "Stärke" ist, bei einem Wahlkampfauftritt vor einem Kriegsschiff zu posieren. Selbst nie in einem Krieg gewesen sein und so "Stärke" vorspielen. Wenn ich Biden gewesen wäre, hätte ich das Ryan mal gefragt.
5. Scheindebatte
b399y 12.10.2012
ändert sich doch eh nichts, das weltweite morden geht einfach weiter, traurig
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US-Präsidentschaftsdebatten: Nixons Bart, Reagans Witze

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Wahlkampf: Romneys Patzer-Serie

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Barack Obama: Vom Außenseiter zum Präsidenten
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Mitt Romney: Auf den Spuren des Vaters

US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.