TV-Duelle: Merkel lässt Steinbrück abblitzen

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Merkel und Steinbrück: Nur ein TV-Duell

Mindestens zwei Fernsehduelle will Peer Steinbrück mit Angela Merkel austragen. "Ich bin sehr gespannt, ob sie kneift", stichelte der SPD-Herausforderer. Doch die Kanzlerin lässt kühl ausrichten: Es bleibt bei einer TV-Debatte.

Berlin - Angela Merkel hat keine Lust auf mehrere TV-Duelle, wie sie SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück fordert. "Die Bundeskanzlerin sieht keinen Grund, von ihrer Tradition der Jahre 2005 und 2009, jeweils eine TV-Debatte zu führen, abzuweichen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd. "Alles Weitere wird zu gegebener Zeit geklärt werden können", sagte Seibert.

Steinbrück hatte mindestens zwei TV-Duelle ins Gespräch gebracht und gegen Merkel gestichelt: Man werde sehen, "ob sie sich darauf einlässt oder ob sie kneift".

Zwei TV-Duelle hatten sich im Jahre 2002 Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und sein Herausforderer von der CSU, Edmund Stoiber, geliefert. Vor der Bundestagswahl 2005 kam es dann zwischen Schröder und Merkel als damaliger CDU-Kanzlerkandidatin zu einem Fernsehduell - obwohl Schröder gern zwei Mal angetreten wäre. Als Kanzlerin traf Merkel dann im September 2009 in einem Fernsehduell auf den SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier.

Die Kanzlerin werde sicher versuchen, weiter auf roten Teppichen und Gipfeln zu glänzen und die heiße Wahlkampfphase so weit wie möglich nach hinten zu schieben, hatte Steinbrück seine Forderung begründet.

Steinbrück warf Merkels Union vor, sie versuche SPD-Themen zu kopieren. "Man merkt, die hecheln uns hinterher." Nach dem rot-grünen Wahlerfolg in Niedersachsen sei eine Distanzierung der Union von der FDP zu erkennen. Der SPD-Kanzlerkandidat bekräftigte, nicht für eine große Koalition unter Merkels Führung zur Verfügung zu stehen.

"Die Chance der SPD ist real"

Die CDU sei schwer getroffen, dass ein beliebter Ministerpräsident wie David McAllister abgewählt worden sei. "Die Chance der SPD ist real", sagte der frühere Bundesfinanzminister mit Blick auf die Bundestagswahl im September. Die Partei sei hoch motiviert. In jüngsten Umfragen konnte die SPD zulegen, ist aber zusammen mit den Grünen weiterhin klar von einer Mehrheit im Bund entfernt.

Der Wahlkampf werde wahrscheinlich weniger von der Europa-Politik dominiert, sondern von sozialen Themen und der auseinanderdriftenden Gesellschaft. Merkel versuche wie schon 2009 mit einem Konzept der "asymmetrischen Demobilisierung" die Wähler einzulullen. Aber eine Flexi-Quote sei keine Frauen-Quote und eine Lohnuntergrenze kein Mindestlohn. "Da werden viele Etiketten auf Flaschen geklebt, in denen nichts drin ist", sagte Steinbrück. Nun diskutierten auch CDU/CSU sogar über ein Trennbankensystem.

Bis zum Wahlprogrammparteitag am 14. April in Augsburg werde er nun mehrere EU-Staaten besuchen und bundesweit viel herumreisen, kündigte Steinbrück an. Anschließend sei eine Mobilisierungsphase mit einer Sommerreise geplant. Nach dem Deutschland-Fest der SPD zum 150-jährigen Bestehen Mitte August in Berlin starte die heiße Wahlkampfphase. Die SPD plant dazu bis zu fünf Millionen Hausbesuche. Für die letzten drei, vier Tage versprach Steinbrück einen ordentlichen Endspurt, "vor dem Hintergrund eines zunehmend volatilen Wählerverhaltens".

als/dapd/dpa

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insgesamt 163 Beiträge
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1. Großmaul
Europa! 31.01.2013
Zitat von sysopdapdMindestens zwei Fernsehduelle will Peer Steinbrück mit Angela Merkel austragen. "Ich bin sehr gespannt, ob sie kneift", stichelte der SPD-Herausforderer. Doch die Kanzlerin lässt kühl ausrichten: Es bleibt bei einer TV-Debatte. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/tv-duelle-merkel-laesst-steinbrueck-abblitzen-a-880740.html
Herr Steinbrück kann froh sein, wenn die Kanzlerin überhaupt mit ihm auftritt. Warum sollte ausgerechet er dieses Privileg haben? Das könnten Herr Trittin, Herr Gysi oder Herr Brüderle auch verlangen.
2. Jetzt bekommt sie, Die Frau Merkel
luxus64 31.01.2013
Die hat vor dem Steinbrück die Hosen voll. Warum macht sie keine zwei TV-Sendungen vor der Wahl? Die mächtigste Frau der Welt " angeblich, hat Angst vor Steinbrück. Die Frau hat keinen Charakter . Der Stuhl im Kanzleramt den bekommt sie nicht zurück und kann dann Abdanken am 22.09.2013
3. Arrogant, wie immer
magsmanni 31.01.2013
tritt Herr Steinbrück auf den Plan und hat schon für sich selbst die Duelle gewonnen. Die hatten das letzte Mal Herrn Steinmeier auch nichts genützt, auch wenn Frau Merkel keine brilliante Rednerin ist. Auf die Inhalte kommt es an und auf das Vertrauen, das die Menschen in eine Person haben.
4. Das war zu erwarten...
bluewater 31.01.2013
denn dann müsste Frau Merkel ja mal wirklich sagen was sie denkt und vor allem was sie in Zukunft zu tun gedenkt. Das behält sie aber lieber fein im geheimen, damit sie in der Bevölkerung wie die Queen ankommt, an der sämtliche Kritik abprallt. Von Verantwortung hat diese Frau leider noch nicht viel gehört...
5. Peer total
leser75 31.01.2013
Mein nicht ganz ernst gemeinter Vorschlag an Peer St., er kann ja die ARD- und ZDF-Talkshows mit seinen Vorstellungen beglücken; wäre nur interessant, wieviele TV-Konsumenten dabei blieben, irgendwann wäre es wohl wie bei Schmidt, der angeblich nur 5000 Leute vor die Mattscheibe lockt.
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Das Wahljahr 2013
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September: Landtagswahl in Bayern
Die CSU hofft erneut auf eine absolute Mehrheit, die sie 2008 spektakulär verloren hat. Unter Ministerpräsident Horst Seehofer ging sie eine Koalition mit der FDP ein. Eine Neuauflage ist fraglich, weil die Liberalen laut Umfragen an der Fünfprozenthürde scheitern könnten. Die Sozialdemokraten blicken auf ihr schlechtestes Nachkriegsergebnis zurück. Die Grünen verbesserten sich damals leicht, die Freien Wähler waren erstmals erfolgreich.
September: Bundestagswahl
Die Unionsparteien setzen auf die populäre CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ihr Herausforderer ist der frühere SPD-Finanzminister Peer Steinbrück, der Rot-Grün anstrebt. 2009 hatte die Union der SPD die schlimmste Niederlage ihrer Nachkriegsgeschichte beigebracht. Der Fortbestand von Merkels schwarz-gelber Koalition ist ungewiss, weil der FDP nach ihrem großen Erfolg von 2009 das parlamentarische Aus droht.
September: Landtagswahl in Hessen
In Hessen wird der neue Landtag zusammen mit dem Bundestag gewählt. Volker Bouffier führt die CDU erstmals als Ministerpräsident in den Wahlkampf. Sein langjähriger Vorgänger Roland Koch hatte sich 2009 behauptet. Die SPD sieht sich nach ihrer verheerenden Niederlage damals wieder im Aufwind. Die FDP, mit der Bouffier regiert, kam 2009 auf ihr bestes Ergebnis seit den fünfziger Jahren, muss jetzt aber die Fünfprozentklausel fürchten.