Dorsey und Merkel in Berlin: Twitter-Gründer zwitschert offline mit der Kanzlerin

Kanzlerin meets Entrepreneur: Angela Merkel hat Twitter-Mitgründer Jack Dorsey in Berlin empfangen. Der fand zwar schmeichelnde Worte für seine Gastgeberin - twittern wird Merkel künftig trotzdem nicht. Dafür stellte sich ihr Sprecher erstmals dem Fragengewitter seiner Follower.

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Bundespresseamt / Denzel

Dorsey, Merkel: "Die Welt braucht Merkel auf Twitter"

Berlin - Im Gegensatz zum französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy wird die Kanzlerin dem sozialen Netzwerk Twitter weiter fernbleiben. Nach einem Treffen zwischen Angela Merkel und Twitter-Mitgründer Jack Dorsey in Berlin notierte Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag auf seinem eigenen Profil: "Es bleibt dabei: als @RegSprecher twittere ich über die Arbeit der Kanzlerin und der Regierung."

Dorsey hatte sich zuvor noch optimistisch gezeigt. Am Morgen verkündete er, er sei gerade in Berlin gelandet, um einen Termin mit Merkel wahrzunehmen. "Ich will sie schon lange treffen. Die Welt braucht sie auf Twitter", schrieb er.

Im Anschluss an das Treffen schob er hinterher: "Großartiges Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel über Twitter geführt. Liebt SMS, denkt analytisch wie eine Forscherin - und bleibt immer neugierig."

Der US-Amerikaner Dorsey tourt derzeit durch Europa, um Regierende für das soziale Netzwerk zu begeistern, das er 2006 selbst mit ins Leben rief. Am Mittwoch habe er sich etwa mit Sarkozy getroffen, schrieb er. Sarkozy wiederum ist seit einem Monat mit dem Profil @NicolasSarkozy präsent. Es hat bereits mehr als 120.000 Fans.

Twitter sucht gerade nach einem Standort für seine erste Repräsentanz in Deutschland. Bislang betreut das Netzwerk seine Nutzer in Deutschland von London aus. Konkurrent Facebook unterhält Deutschland-Räume in Hamburg, ebenso der Internetkonzern Google.

Bürger betwittern Regierungssprecher

Seibert veröffentlichte am Mittag ein Foto, das Merkel mit Dorsey im Büro der Kanzlerin zeigt. "Alles Wichtige auf Twitter erreicht über mich auch die Kanzlerin", ließ Seibert seine 53.000 Follower wissen. Er ist selbst seit Frühjahr 2011 bei Twitter präsent.

Später beantwortete Seibert Fragen von Twitter-Nutzern unter dem Schlagwort "fragReg". Auf die Frage, ob es einen deutschen Militäreinsatz in Syrien geben könnte, schrieb er: "Das wäre keine Lösung des Problems. Die Welt muss Druck auf das Assad-Regime organisieren, damit Dialog in Gang kommt."

Zu einer Frauenquote in Behörden äußerte er sich ebenfalls zurückhaltend. Frauen sollten "nach Leistung, Eignung, Befähigung" ausgewählt werden.

Neben Themen wie Solarenergie, Rating-Agenturen oder Afghanistan griff Seibert auch andere Punkte auf. "Weil sie die deutsche Bundeskanzlerin ist", lautete die Kurzantwort auf die Frage, warum Merkel so viel Wert darauf lege, Interviews ausschließlich auf Deutsch zu führen.

"Das machen wir mal wieder"

Nach einigem Drängeln aus dem Kreis der Twitterer schrieb Seibert zum Scheitern der rot-grünen Regierung in Nordrhein-Westfalen: "Landespolitik ist nichts für Sprecher der Bundesreg. Wir arbeiten hier in Berlin an unseren Aufgaben". Auch die Antwort, was ein Sieg des Sozialisten François Hollande in Paris für Merkel bedeutete, fiel diplomatisch aus: "1. warten wir die Wahl ab. 2. wird Zusammenarbeit mit jeder französischen Regierung eng/vertrauensvoll sein."

Nach etwa einer halben Stunde verabschiedete sich Seibert mit den Worten "ich denke, wir machen das mal wieder". Einigen Nutzern war das Gespräch aus 140-Zeichen-Botschaften jedoch zu oberflächlich. "Mir scheint dieses Instrument doch nicht so gut geeignet zu sein, um Bürgernähe zu demonstrieren", schrieb eine Twitter-Nutzerin.

Ein anderer sprang Seibert hingegen bei. Die Regierung wirke "immer unbeholfen, in diesem Internet". Er finde es aber gut, wenn sie sich im Netz ausprobiere - "auch wenn erstmal nix bei rum kommt."

amz/dpa/dapd

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