Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Twitterer gegen Kristina Schröder: Ministerin im Zwitscher-Sturm

Von

Die Community schlägt zurück: Weil Kristina Schröder die schwarz-gelben Sparpläne per Twitter verteidigte, sieht sich die Familienministerin heftigen Beschimpfungen von Mikro-Bloggern ausgesetzt. Die CDU-Politikerin nimmt es gelassen und will weiter zwitschern.

Familienministerin Schröder: Die CDU-Politikerin will auch weiterhin twittern Zur Großansicht
DDP

Familienministerin Schröder: Die CDU-Politikerin will auch weiterhin twittern

Berlin - Der Zwitscher-Sturm (in der Szene "Shitstorm" genannt) kommt ohne Vorwarnung. So ist das in der Welt der Twitterer - das wusste die erfahrene Mikro-Bloggerin Kristina Schröder. Aber die Bundesfamilienministerin ist dann wohl doch ein wenig überrascht gewesen, mit welcher Wucht man über sie herfiel, nachdem die CDU-Politikerin am Montag die Sparpläne der Bundesregierung verteidigt hatte.

Eine Userin mit dem Twitter-Namen "Happy Schnitzel" war eine der ersten: "Tja, sie nimmt das Sparen wirklich ernst. @kristinakoehler spart sich wohl zuerst ihren letzten Rest Menschlichkeit." In diesem Ton ging es weiter - und es hört nicht auf. Der Twitterer "HolgerScherer" beispielsweise schreibt mit Blick auf die Einkünfte einer Ministerin: "Sparen ist bei über 12.000EUR im Monat sicher möglich...". Hunderte solcher Einträge gibt es inzwischen.

Dabei war Schröders Spar-Apologie noch sehr zahm ausgefallen. "Natürlich ist die Elterngeldstreichung für Hartz IV-Empfänger hart", twitterte sie von ihrem Account "kristinakoehler" - Köhler ist ihr Mädchenname. Und erklärte zwei Minuten später: "Aber: Eine Familie in Hartz IV, 2 Kinder, erhält inkl. Elterngeld 1885 € vom Staat. Netto! Ist das gerecht gegenüber denen, die arbeiten?" Außerdem, stellte die Ministerin am frühen Dienstagmorgen via Twitter klar: "Ich habe als Abgeordnete aus voller Überzeugung der Schuldenbremse zugestimmt. Dann muss ich mich jetzt auch am Sparen beteiligen."

Nun muss die Zwitscher-Ministerin die Attacken ertragen, die ihre Sparbekenntnisse ausgelöst haben. Verteidiger hat sie unter den Mikro-Bloggern nur wenige. So wie "iMichi", der twittert: "Endlich diskutiert jemand mal direkt und schon ist es auch nicht recht."

Ministerin Schröder will trotz Kritik weiter twittern

Solche Meldungen freuen die CDU-Politikerin - die heftige Kritik nimmt sie sich offenbar aber auch nicht übermäßig zu Herzen. "Die hitzige Debatte zeigt: Was gerecht ist und was nicht - das beschäftigt uns alle", sagte sie SPIEGEL ONLINE. "Wir brauchen viel mehr politische Diskussionen - offline wie online." Im Netz, glaubt die Ministerin, sei es "nicht anders als sonst auch - die einen tauschen sachliche Argumente aus, die anderen schimpfen nur drauflos".

Twitter und Facebook - das sind für eine 32-Jährige wie Kristina Schröder Kommunikationsformen, auf die sie als Ministerin nicht verzichten will. Auch wenn sie nach drei Monaten im Amt feststellte, welche neuen Hürden ihr dabei als Mitglied der Bundesregierung erwachsen sind. "Ich twittere ja sehr gern, aber seitdem ich Ministerin bin, fällt mir das deutlich schwerer", sagte sie in einem SPIEGEL-ONLINE-Interview im Februar. "Da werden widersprüchliche Erwartungen gestellt: Man soll sich gefälligst kurz ausdrücken. Andererseits: Wenn man auf diesem knappen Raum eine politische Botschaft unterbringt, heißt es, die sei doch nicht wirklich fundiert."

Genauso wenig fundiert wie manches an der Kritik-Welle, die im Moment über sie schwappt. Zurücknehmen will die Ministerin jedenfalls nichts. Das störe sie "an sich überhaupt nicht", sagt Kristina Schröder. "Wer auf Social-Media-Plattformen agiert, der muss auch mit social-media-typischen Reaktionen rechnen."

Und deshalb haben sich manche in der Twitter-Community wohl zu früh gefreut, die seit der letzten Meldung von "kristinakoehler" vom Dienstagmorgen glaubten, die Ministerin habe die Segel gestrichen. Oder anderweitig spekulierten, so wie "schrozberg": Der fragte: "Hallo Frau @kristinakoehler, gibt es sie noch oder sind sie schon zurückgetreten? Oder ist der Blackberry kaputt?" Und "EinfachDurchDa" glaubte zu wissen: "RT@ +++ EILMELDUNG +++ @kristinakoehler wurde von Angela Merkel s BlackBerry weggenommen!.."

Offensichtlich hat die Ministerin nur eine Twitter-Pause eingelegt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass die Ministerin einen neuen Twitter-Account nutze. Dies war falsch. Der Fehler wurde berichtigt, wir bitten um Entschuldigung.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. "herzlichen glückwunsch"
Yesus, 10.06.2010
Das ist ja wirklich sehr interessant. Ich wurde letztens in einem Forum beschimpft (im Fachjargon "geflamet"). Schlimm oder? SpOn sollte einen Artikel darüber schreiben.
2. Reingefallen
BlackBuccaneer 10.06.2010
Da ist der Autor aber einem echten Bären aufgesessen. @Dr_KSchroeder ist kein Twittername von Frau Schröder, sondern gibt satirische Äußerungen zum Besten, die so von unserer Familienministerin stammen könnten, ihr allerdings nicht allzu gut stünden. So, Zeit läuft: Wie schnell ist Spiegel Online?
3. Einfach ändern..
epinephrin 10.06.2010
ohne Bekanntmachung? Wirklich arm. Die Peinlichkeit soll wohl niemand mitbekommen.
4. Das Küken Köhler/Schröder ist eine Zweckinstallation der unfähigen Merkel
Eppelein von Gailingen 10.06.2010
Zitat von sysopDie Community schlägt zurück: Weil Kristina Schröder die schwarz-gelben Sparpläne per Twitter verteidigte, sieht sich die Familienministerin heftigen Beschimpfungen von Mikro-Bloggern ausgesetzt. Die CDU-Politikerin nimmt es gelassen und will weiter zwitschern - allerdings unter neuem Namen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,699935,00.html
Diese Nachfolgerin "von der Leyen" ist die Missbesetzung. Man hätte auch ein "s" gegen ein "t" tauschen können. Hier sieht man wieder, dieser Fehlbesetzung Merkel geht es nicht um das Wohl für das Deutsche Volk, nach dem Schwur. Die Merkel hat den größten Meineid in der Geschichte der Verfassung geleistet. Allein dafür ist Haft ohne Bewährung vorgesehen. Nicht nur die Zumutung Merkel steht vor dem Aus, die gesamte "Demokratie" steht vor der Zerreißprobe. Wie ist es möglich, dass solche Pflaumen unbehelligt regieren dürfen, Milliarden Volksvermögen vernichten, und straffei mit belohnenden Zuwendungen ihrem Ende entgegensehen dürfen.
5. logisch und nüchtern
CHANGE-WECHSEL 10.06.2010
Zitat von sysopDie Community schlägt zurück: Weil Kristina Schröder die schwarz-gelben Sparpläne per Twitter verteidigte, sieht sich die Familienministerin heftigen Beschimpfungen von Mikro-Bloggern ausgesetzt. Die CDU-Politikerin nimmt es gelassen und will weiter zwitschern - allerdings unter neuem Namen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,699935,00.html
Auf die 12.000 Euro Aussage hat sie immer noch nicht geantwortet. Aber was will man von solchen Menschen schon erwarten, die den deutschen Staat plündern. Frau und Herr Schröder, beide in der CDU und beide im Staatsdienst. Staatsschmarotzer auf Lebenszeit. Und wenn sie schwanger wird, dann bekommt sie noch 1.800 Euro/Monat Elterngeld oben drauf. Aber auch zur Zeiten der Monarchien schwelgten die Adligen in einer gleichgültigen Dekadenz. So lange bis abrupt zu Tausenden ihre Köpfe rollten. Das sind alles keine Politikerinnen und Politiker, das sind kriminelle Staatsdiebe. Genau wie die Aristokraten und Adligen vergangener Zeiten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Polit-Hochzeit: Kristina Schröder heiratet in Weiß

Wer gewinnt, wer verliert
Corbis; DDP
Tiefe Einschnitte im Sozialetat, Milliardenbeiträge aus der Wirtschaft: Am Sparpaket der Bundesregierung sollen die Finanzen der Republik in den kommenden Jahren gesunden. SPIEGEL ONLINE analysiert, wer unter den Plänen am meisten leidet -: und wer vom Rotstift verschont bleibt...
Eckpunkte des schwarz-gelben Sparpakets
Die schwarz-gelbe Regierung hat das größte Sparpaket in der Geschichte der Bundesrepublik geschnürt. 80 Milliarden Euro will sie bis 2014 einsparen. Der Überblick zeigt, in welchen Bereichen gekürzt wird.
Sozialleistungen
Dieser Bereich, der mehr als die Hälfte des Bundeshaushaltes ausmacht, soll effizienter werden. Grundsätzlich will die Koalition Pflichtleistungen in Ermessensleistungen umwandeln - etwa bei Eingliederungshilfen für Jobsuchende. Dies soll den Anreiz zur Annahme einer Arbeit erhöhen.
Arbeitslose
Bei den Leistungen für Arbeitslose setzt die Koalition den Rotstift an. So sollen die für zwei Jahre gezahlten Zuschläge beim Übergang vom Arbeitslosengeld I ins Arbeitslosengeld II ersatzlos gestrichen werden. Bisher werden Alleinstehenden im ersten Jahr bis zu 160 Euro monatlich gezahlt, im zweiten bis zu 80 Euro. Für Verheiratete gibt es maximal das Doppelte. Mit der Streichung will der Staat 200 Millionen Euro einsparen.
Hartz-IV-Empfänger
Hartz-IV-Empfängern soll das Elterngeld komplett gestrichen werden. Das Einsparpotential beträgt hier 400 Millionen Euro. Hartz-IV-Empfänger werden künftig auch nicht mehr rentenversichert. Der aus Steuergeldern bezahlte Rentenversicherungsbeitrag für Langzeitarbeitslose (1,8 Milliarden Euro jährlich) soll entfallen.
Bundesagentur für Arbeit und Arbeitslosenversicherung
Die Arbeitslosenversicherung soll künftig ohne Darlehen oder Zuschüsse auskommen. Dies könnte auf eine Erhöhung des Beitragssatzes über die für 2011 festgelegten drei Prozent hinauslaufen. Die Bundesagentur für Arbeit soll Leistungen stärker nach eigenem Ermessen gewähren können und dadurch ihre Ausgaben zwischen 1,5 und 3 Milliarden Euro drücken können.
Elterngeld
Gutverdienende Eltern bekommen künftig etwas weniger. Den Höchstbetrag von maximal 1800 Euro im Monat will die Koalition nicht antasten. Doch werden künftig nur noch 65 statt 67 Prozent als Berechnungsgrundlage genommen, wenn das Nettoeinkommen über 1240 Euro im Monat beträgt. Unterm Strich entlastet das den Bundesetat nach Erwartung der Regierung um 200 Millionen Euro im Jahr.
Heizkostenzuschuss
Der Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger soll wegfallen. Die Regierung erwartet dadurch eine Entlastung um 100 Millionen Euro.
Subventionsabbau
Auf den Prüfstand sollen Finanzhilfen und Steuervergünstigungen. Durch Einschränkung der Ausnahmeregelungen von der Ökosteuer für besonders energieintensive Unternehmen sollen jährlich bis zu 1,5 Milliarden Euro mehr in die Staatskasse kommen.
Brennelementesteuer
Die Sondergewinne der Energiekonzerne aus der beabsichtigten Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke sollen abgeschöpft werden. Daraus erhofft sich die Regierung jährlich Zusatzeinnahmen von 2,3 Milliarden Euro.
Luftverkehrsabgabe
Für Flugpassagiere ist eine ökologische Luftverkehrsabgabe geplant. Sie soll jährlich etwa eine Milliarde Euro einspielen und bei Abflügen von deutschen Flughäfen erhoben und nach Kriterien wie Lärm und Energieverbrauch differenziert werden.
Finanzmarktabgabe
Mit einer Finanzmarkttransaktionssteuer sollen die Banken sich an den Kosten der Krise beteiligen. Die Bundesregierung setzt dabei auf eine internationale oder europäische Vorgehensweise, behält sich aber auch eine nationale Lösung vor. Angestrebt wird eine Lösung zum 1. Januar 2012.
Bahn
Die Deutsche Bahn soll einen erheblichen Teil ihrer künftigen Gewinne an den Bund als Eigentümer abführen. Von 2011 bis 2014 hat der Bund jeweils 500 Millionen Euro Dividendeneinnahmen eingeplant. Bisher konnte der bundeseigene Konzern Gewinne komplett behalten.
Bundeswehr
Bei den Streitkräften ist eine groß angelegte Reform geplant. Ziel ist es, ab 2013 jeweils zwei Milliarden Euro einzusparen. Die Rede ist von einer Reduzierung der Truppenstärke um 40.000 Berufs- und Zeitsoldaten. Es soll bei einem Wehr- und Ersatzdienst von sechs Monaten bleiben.
Bund und Beamte
Die Zahl der Bundesbeschäftigten soll bis 2014 um bis zu 15.000 Stellen sinken. Zudem sollen die Bundesbeamten 2011 auf die geplante Erhöhung des Weihnachtsgeldes verzichten. Dies bedeutet eine Kürzung der Bezüge um 2,5 Prozent. Generell sollen die Ausgaben des Bundes pauschal auf mittlere Sicht um 4,4 Milliarden Euro im Jahr gesenkt werden.
Berliner Stadtschloss
Der Aufbau des Berliner Schlosses wird auf Eis gelegt. Ursprünglich war der erste Spatenstich bereits für Anfang 2011 geplant. Die einstige Residenz der preußischen Könige und deutschen Kaiser soll nun erst von 2014 an wiederaufgebaut werden. Daraus ergeben sich Einsparungen in Höhe von 400 Millionen Euro.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: