Überraschung am Telefon: Hallo Herr Kretschmann, hier Merkel!
Baden-Württembergs künftiger Ministerpräsident Kretschmann will gerade zu seiner Siegerfeier, da klingelt das Handy. "Frau Merkel möchte gern ein paar Worte mit Ihnen wechseln" - "Hab ich Zeit, ja". Das war alles nur Spaß. Das allerdings merkt der neue Grünen-Star erst später.
Berlin - Der Ministerpräsident in spe fährt im Taxi am Hintereingang vor. Drinnen, in der Zentrale der Grünen, warten schon die Granden vom Parteivorstand. Sie wollen den Sieger sehen, ihren neuen Star feiern.
Aber Winfried Kretschmann steht minutenlang allein vorm Eingang. Nur die SPIEGEL-ONLINE-Videoreporter sind dabei, filmen ihn. Er kann jetzt noch nicht reingehen.
Denn der 62-Jährige hat die Kanzlerin am Ohr. Glaubt er zumindest.
Eben, im Taxi, hat sein Handy geklingelt. Kretschmann hebt ab, und das Kanzleramt meldet sich. Angela Merkel wolle gern "ein paar persönliche Worte" mit ihm wechseln. Der überraschte Kretschmann sagt sofort zu: "Hab ich Zeit, ja."
Und dann geht's los.
"Erst mal, schweren Herzens, Glückwunsch zur Wahl", sagt die Merkel-Stimme. Darauf Kretschmann: "Ja, vielen Dank, Frau Merkel. Freut mich sehr, dass Sie mich anrufen." In der Folge entwickelt sich ein skurriler Dialog.
Merkel: "Ist ein gutes Gefühl als Wahlsieger, was? Gewöhnen Sie sich gar nicht erst dran!"
Kretschmann: "Ich fühl mich ganz gut. Aber die Erwartungen sind hoch". Es werde "ein hartes Stück Arbeit".
Merkels Konter: "Jaja, blabla, so'n Quatsch erzähl ich auch immer."
Kretschmann: "Hahahaha."
Aber Merkel ist noch nicht fertig. Sie hat da noch ein Anliegen: Er, Kretschmann, sei ja die Glaubwürdigkeit in Person. Die CDU aber habe ein Problem mit der Glaubwürdigkeit. Ob er nicht vielleicht in ihre Partei wechseln wolle? "CDU wants you, Herr Kretschmann!"
Plötzlich muss es Kretschmann dämmern: Das ist nicht die echte Merkel. "Nee, nee", lehnt der Grüne das Wechsel-Angebot ab, "da lassen wir mal die Welt so, wie sie ist." Jetzt will er die vermeintliche Kanzlerin schnell loswerden: "Also, ich muss in die Sitzung, Frau Merkel, machen Sie es gut. Also, tschüss Frau Merkel."
Und legt auf.
Am anderen Ende der Leitung: Natürlich nicht das Kanzleramt. Sondern der Berliner Radiosender 104.6 RTL mit einer Merkel-Stimmenimitatorin. Aber Kretschmann scheint sich direkt nach dem Gespräch noch immer nicht hundertprozentig sicher. "Wer war dran?", fragen die Reporter. Darauf der Grüne: "Frau Merkel." Was die gesagt habe? "Sag ich Ihnen nicht."
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- Mittwoch, 30.03.2011 – 12:41 Uhr
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