Überwachung Krankenkassen wollen "elektronisches Rezept"

Statt lediglich auf eine Chipkarte setzen die Krankenkassen lieber gleich auf elektronische Rezepte. Durch die Registrierung aller Medikamentendaten könnten Patienten besser geschützt werden - dem Datenschutz zum Trotz.


Berlin - Ungeachtet ausdrücklicher Datenschutzbedenken gegen den von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) geplanten Arzneimittelpass haben sich die Krankenkassen für eine elektronische Vernetzung der Arzneimittel-Daten ausgesprochen.

Medikamentenverbrauch: "Fehlentwicklungen und Gefahren schnell aufzuspüren"
DPA

Medikamentenverbrauch: "Fehlentwicklungen und Gefahren schnell aufzuspüren"

"Statt der bisher ausgestellten Papierrezepte sollte es, elektronische Rezepte geben", sagte der stellvertretende AOK-Bundesvorsitzende Rolf Hoberg der "Berliner Zeitung". "Nur mit einer engen elektronischen Vernetzung zwischen Krankenkassen, Ärzten und Apothekern ist es möglich, Fehlentwicklungen und Gefahren der Medikamenteneinnahme schnell aufzuspüren und zu verhindern."

Der Datenaustausch sollte nach Ansicht von Hoberg Teil eines Frühwarnsystems unter Führung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sein. Bestehe der Verdacht, dass es bei einem Präparat zu unerwünschten Nebenwirkungen kommt, könnten Ärzte und Patienten gegebenenfalls umgehend informiert werden.

Der AOK-Vorschlag geht über die von Gesundheitsministerin Schmidt angestrebte Einführung eines Arzneimittelpasses in Form einer Chipkarte hinaus. Dieser sei "nicht ausreichend", sagte Hoberg. Der Pass dokumentiere lediglich, welche Medikamente die Apotheke an die einzelnen Patienten abgibt.

"Wenn man die Patienten schützen will, muss es einen weitgehenden und vor allem auch umgehenden Datenaustausch zwischen allen Beteiligten geben." Der Gesetzgeber solle dafür bald die nötigen Rechtsgrundlagen schaffen.

Probleme mit dem Datenschutz sieht die AOK nicht. Ein Missbrauch der Informationen müsse durch entsprechende Vorschriften ausgeschlossen werden.



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