Rechtspopulisten AfD-Mitglieder verhandeln mit britischer Anti-Europa-Partei

AfD-Chef Lucke hat sich dagegen ausgesprochen - dennoch verhandeln Mitglieder seiner Partei mit der britischen Ukip. Die Anti-Europäer hatten zuletzt gegen osteuropäische Zuwanderer gewettert und setzen sich für den Austritt Großbritanniens aus der EU ein.

AfD-Chef Lucke: Kritik an Ukip
AP/dpa

AfD-Chef Lucke: Kritik an Ukip


Brüssel - AfD-Chef Bernd Lucke gibt sich redlich Mühe, seine Partei von der britischen Rechtspartei Ukip abzugrenzen. Trotzdem verhandeln AfD-Mitglieder mit den Anti-Europäern über eine Zusammenarbeit nach den Europawahlen. Er habe zwei sehr produktive Treffen mit Landesprechern der AfD gehabt, sagte der Chef der Britischen Unabhängigkeitspartei, Nigel Farage, am Freitag. Ukip hatte zuletzt heftig gegen den angeblichen Missbrauch des britischen Sozialsystems durch osteuropäische Zuwanderer gewettert und setzt sich für einen Austritt Großbritanniens aus der EU ein.

Lucke, der als Spitzenkandidat seiner Partei bei der Europawahl antritt, hatte die Ukip vorige Woche auf dem Parteitag in Aschaffenburg kritisiert. "Ukip schlägt beim Thema Zuwanderung einen Tonfall an, der mir nicht behagt. Damit kann man Leute aufhetzen."

Farage sagte, ihm sei bewusst, dass der AfD-Chef sich mit der Konservativen Partei Großbritanniens im EU-Parlament zusammentun wolle. "Aber mich freut, dass sehr viele hochrangige Mitglieder der AfD lieber eine Allianz mit uns eingehen möchten. Es liegt an den Parteimitgliedern, darüber abschließend zu entscheiden."

Umfragen sehen AfD bei sieben Prozent

Einer Mitte Januar veröffentlichten Umfrage zufolge ist Ukip derzeit die beliebteste Partei Großbritanniens und stößt noch vor den Konservativen unter Premierminister David Cameron bei 27 Prozent der Befragten auf Zustimmung. Allerdings folgen Labour und Tories knapp mit 26 und 25 Prozent. Und bei der Frage nach der Partei, die man tatsächlich wählen würde, landete Ukip mit 19 Prozent hinter Labour und Tories.

Die eurokritische AfD könnte einer Erhebung zufolge bei der Europawahl am 25. Mai sieben Prozent der Stimmen in Deutschland auf sich vereinigen. Neben Parteichef Lucke führt der frühere Industriepräsident Hans-Olaf Henkel die Kandidatenliste an. Im Wahlkampf setzt die AfD auf massive Kritik an der Politik in Berlin und Brüssel. "Mehr Europa ist nicht die Antwort auf Europas Probleme", sagte Lucke zuletzt. Die Partei wehrt sich gegen den Vorwurf, Sammelbecken rechtsradikaler Strömungen zu sein. Eine Zusammenarbeit mit Ukip könnte dieser Kritik allerdings neuen Auftrieb geben.

ler/Reuters



insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
Hamstedt 31.01.2014
1. Tja
mit irgendwem muss man halt zusammenarbeiten. Die UKIP mag zwar in nicht wenigen Punkten radikaler sein, als die AfD, nazistisch ist sie jedoch ebenfalls nicht und wenn zwei Parteien gleichermaßen von der Presse an den rechten Rand geschrieben werden, ist es nur logisch, dass sie Kooperation anstreben.
Tiberias 31.01.2014
2. Bitte liebe Briten!
tretet endlich aus der EU aus. Keiner will euch, keiner braucht euch und da ihr nichts anderes könnt, als die EU zu sabotieren, tretet bitte, bitte, bitte endlich aus und werdet allein glücklich! Ganz liebe Grüße, Tiberias
thweinmann 31.01.2014
3. Bitte liebe Briten!
bleibt bitte in der EU! Ihr habt Deutschland nie mit Hilfe einer geheuchelten Freundschaft um irgend etwas gebeten wie z.B. die Franzosen. M.Thatcher war vielleicht hart, unangenehm und direkt, aber sie hatte immer die Interessen ihres eigenen Landes im Blick - ich wünschte ich könnte das, von einem deutschen Pokitiker sagen. Bitte liebe Briten, lasst uns nicht mit den Franzosen, Griechen und anderen Handaufhaltern allein!
mightyschneider 31.01.2014
4. optional
Ich kann nicht erkennen, dass die AfD eine rechte Partei sein soll. Das ist zu bedauern, sofern man in der Lage ist zwischen "rechten" und "rechtsextremisten" zu unterscheiden. Eine "rechte" Partei wäre nötig, aber leider werden in diesem Artikel wieder Begriffe gebraucht, die jeder Wirklichkeit entbehren. Was an der AfD soll denn bitte "rechts" sein?
bpm9731 31.01.2014
5.
"M.Thatcher war vielleicht hart, unangenehm und direkt, aber sie hatte immer die Interessen ihres eigenen Landes im Blick..." Bevor Sie das im Norden Englands laut äußern, sollten Sie die Laufschuhe anziehen. Thatcher hat de produzierende Wirtschaft des Landes ruiniert und den Bankensektor hofiert. Die Folgen spüren die Briten jetzt gerade intensiv. Zum Thema: die UKIP steht äußerst weit rechts. Farage selbst hat jüngst die "Rivers of Blood"-Rede Enoch Powells, die selbst bei objektiver Betrachtung nichts als rassistisch ist, für akzeptabel befunden. Sich mit denen auf eine Seite zu stellen, zeigt, welch Geistes Kind Teile dieser Partei sind. Leider wird das an der Zustimmung vieler Deutschen nichts ändern. Und das wiederum haben sich allein die "Volksparteien" zuzuschreiben.
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