Ukraine-Konflikt Kanzlerin bittet Putin um Hilfe für OSZE-Geiseln

Kanzlerin Merkel drängt auf eine Freilassung der in der Ostukraine gefangenen Militärbeobachter - und sucht Hilfe bei Russlands Präsident Putin. Der stellt eine Forderung.

Russlands Präsident Putin: Ukraine muss Armee aus Südosten zurückziehen
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Russlands Präsident Putin: Ukraine muss Armee aus Südosten zurückziehen


Berlin/Moskau - Angela Merkel (CDU) hat Wladimir Putin um Hilfe gebeten. Nach Angaben des Kreml soll die Kanzlerin den russischen Präsidenten aufgefordert haben, sich für die Freilassung der gefangenen OSZE-Beobachter in der Ostukraine einzusetzen. In einem Telefonat habe die Kanzlerin Putin gebeten, "die Freilassung von Militärbeobachtern aus mehreren europäischen Staaten einschließlich Deutschlands zu unterstützen".

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Heft 18/2014
Der ukrainische Flächenbrand

Wie ein Sprecher der Bundesregierung mitteilte, erinnerte die Kanzlerin Putin an die Verantwortung Russlands als OSZE-Mitgliedstaat. Merkel und Putin sprachen demnach auch über die Bedeutung der Wahlen in der Ukraine am 25. Mai, die für die Stabilität des Landes unverzichtbar sind.

Putin forderte in dem Telefonat, ukrainische Truppen müssten sich aus dem Südosten des Landes zurückziehen. Ein Ende der Gewalt in der umkämpften Gegend sei ein zentrales Ziel, sagte Putin laut der Nachrichtenagentur Reuters.

Prorussische Milizen halten seit Freitag sieben Militärbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) fest. Unter ihnen sind vier Deutsche. Putin hatte am Dienstag im Fernsehen gesagt, er hoffe auf ihre baldige Freilassung. Diese verzögerte sich am Mittwoch nach Angaben des Milizenführers Wjatscheslaw Ponomarjow aber "aus technischen Gründen".

Putin wie Merkel hätten bei ihrem Telefongespräch die Notwendigkeit betont, "das Vermittlungspotential der OSZE in der Ukraine im höchstmöglichen Maß einzusetzen", erklärte der Kreml weiter. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte zuvor Verhandlungen zwischen der Übergangsregierung in Kiew und Vertretern der Regionen unter Aufsicht der OSZE vorgeschlagen.

Gleichzeitig übte das russische Außenministerium harsche Kritik an Ukraines Übergangsregierung: Einen "Schwindel" nannte es den Vorschlag von Premierminister Arseni Jazenjuk, ein Referendum über die Einheit der Ukraine abzuhalten. Eine solche Abstimmung werde die Spaltung des Landes nur vertiefen. Die Militäraktionen der Regierung in Kiew wurden in einem Statement als "zynisch" bezeichnet, da sie sich gegen die eigenen Leute richteten.

Die ukrainische Regierung hatte die Armee am Mittwoch in "volle Kampfbereitschaft" versetzt. Interimspräsident Alexander Turtschinow räumte jedoch gleichzeitig ein, die Sicherheitskräfte seien "hilflos" gegenüber den prorussischen Separatisten. Diese kontrollieren inzwischen mehr als ein Dutzend Städte im Osten des Landes.

ade/AFP/dpa/Reuters

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insgesamt 181 Beiträge
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Einfacher Bürger 01.05.2014
1. Sagen und meinen
"Eine Ende der Gewalt in der umkämpften Gegend sei ein zentrales Ziel, sagte Putin" Er meint aber damit, dass seine Milizionäre das Gewaltmonopol im Osten der Ukraine ausüben sollen.
thunderstorm305 01.05.2014
2. Sind wir schon bei der Verhandlungsmasse angekommen!
So werden deutsche Militärbeobachter zur Verhandlungsmasse. Putin sollte bewusst sein, dass der Westen und auch Deutschland so etwas nicht so schnell vergessen werden. Die Deutschen vertrauen jetzt schon kaum einem Putin. Das wird Konsequenzen auf das deutsch-russische Verhältnis haben.
hannesR 01.05.2014
3. Der Halbstarke Zündelbruder soll
erst einmal seine Auflagen der Genfer Vereinbarungen erfüllen
syracusa 01.05.2014
4. Putin lässt die Maske fallen
Zitat von sysopAFPKanzlerin Merkel drängt auf eine Freilassung der in der Ostukraine gefangenen Militärbeobachter - und sucht Hilfe bei Russlands Präsident Putin. Der stellt eine Forderung. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ukraine-konflikt-merkel-bittet-putin-um-einsatz-fuer-osze-geiseln-a-967124.html
Die Dialogbereitschaft der deutschen Regierung hat jetzt immerhin erreicht, dass Putin seine Maske fallen lässt. Er verlangt, dass sich das reguläre ukrainische Militär aus der Südost-Ukraine zurück zieht. Wozu sonst als zur Teilung der Ukraine soll das denn führen? Ponomarew, der selbsternannte faschistische "Bürgermeister" von Slawjansk, hält widerrechtlich nicht nur die OSZE-Beobachter als Geiseln fest, sondern hat ein Terrorregime über die Stadt errichtet. Er ist ein Terrorist, der von Putin beschützt wird.
spiegelleser85 01.05.2014
5. Wenn Putin eine Forderung stellt,
um sich für die Freilassung der Geiseln einzusetzen, macht er sich selbst zum Geiselnehmer.
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