Kämpfe in der Ukraine Steinmeier warnt vor Explosion der Gewalt

Nach zehn Tagen Waffenruhe sind neue Kämpfe in der Ukraine entbrannt. Mit einem Krisentreffen hofft Deutschland, weiteres Blutvergießen zu verhindern. Außenminister Steinmeier warnt: Die Gewalt könnte bald außer Kontrolle geraten.

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Berlin - Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat eindringlich vor einer Eskalation der Ukraine-Krise gewarnt. Die Lage sei "in hohem Maße gefährlich", es könne jederzeit zu einer "Explosion der Gewalt kommen, die sich dann weder politisch noch militärisch" beherrschen ließe.

Steinmeier hat die Außenminister Russlands, Frankreichs und der Ukraine zu einem Krisentreffen nach Berlin geladen. Es ist sein Versuch, "die letzten Möglichkeiten" zu nutzen, um weitere Bluttaten zu verhindern. Steinmeier plädiert dafür, sich noch am Mittwoch auf "belastbare Schritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen, beidseitigen Waffenruhe" zu einigen.

Allerdings haben französische Diplomaten bereits vor Spekulationen über einen Durchbruch gewarnt: "Es ist eine Gelegenheit, die Friedensbemühungen voranzutreiben. Wir wollen die Erwartungen nicht zu hoch schrauben", sagte ein Diplomat.

Kanzlerin Angela Merkel bekräftigte am Mittwoch dennoch: "Wir werden nicht nachlassen, eine diplomatische Lösung für den Konflikt zu suchen." Auch sie zeigte sich sehr besorgt über die Lage in dem Land.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte die von ihm erklärte Waffenruhe am Montagabend nicht verlängert und eine Offensive gegen die Rebellen im Osten des Landes angeordnet. Der Kampf gegen "Terroristen, Militante und Plünderer" werde fortgesetzt.

Schwere Kämpfe, Tote und Verletzte

Etwa 120 Stützpunkte der prorussischen Aufständischen würden beschossen, teilte die Armeeführung in Kiew mit. "Die Offensive endet erst, wenn der letzte russische Söldner ukrainischen Boden verlassen hat", sagte Verteidigungsminister Michail Kowal. Medien berichteten über große Schäden in den bombardierten Orten. Der Berater des ukrainischen Innenministeriums, Sorjan Schkirjak, sprach von etwa tausend getöteten Separatisten allein am Dienstag.

Vertreter der prorussischen Seite wiesen dies als "Unsinn" zurück. "Es gibt schwere Kämpfe, doch wir sind bisher nicht einen Meter zurückgewichen", sagte der Anführer Waleri Bolotow in Lugansk. Ein anderer Vertreter der Aufständischen erklärte sich zu neuen Verhandlungen bereit. Separatistenanführer Alexander Borodaj in Donezk berichtete von heftigen Angriffen auf die Ortschaften Gorlowka und Dserschinski. Dort habe es Tote und Verletzte gegeben. Allerdings hätten auch die Sicherheitskräfte bedeutende Verluste erlitten, sagte Borodaj.

In der Nacht zum Mittwoch griffen prorussische Kämpfer einen ukrainischen Posten an der Grenze zu Russland an. Ein ukrainischer Grenzschützer sei getötet und vier weitere seien verletzt worden, teilte der Grenzschutz mit.

kgp/dpa/Reuters

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Seite 1
althus 02.07.2014
1. Söldner raus!
Erst müssen die russischen Söldner die Ukraine verlassen, dann kann man über Frieden verhandeln, aber Putin wird nicht nachgeben.Deshalb sollte die Ukraine im Verbund mit EU und NATO Härte zeigen!
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