Umfrage 60 Prozent der Bayern wollen Stoiber nicht mehr

Edmund Stoiber rutscht ab: 60 Prozent der Bayern wollen ihn nach einer Umfrage des "Stern" nicht mehr als CSU-Spitzenkandidaten 2008. Sogar 45 Prozent der CSU-Wähler lehnen ihn ab.

Von , München


München - Das neue Jahr beginnt so, wie das alte endet: Mit schlechten Nachrichten für CSU-Chef Edmund Stoiber. Am Neujahrsmorgen spielte ihm die Holzhauser Blaskapelle vor seinem Haus in Wolfratshausen noch ein Ständchen (Bayern-Hymne), Stoiber reichte anschließend Grappa und sagte, er hoffe auf ein "ruhiges, friedliches Jahr, nicht so gekennzeichnet von Schwierigkeiten".

CSU-Chef Stoiber: Schlechte Nachrichten am Jahresbeginn
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CSU-Chef Stoiber: Schlechte Nachrichten am Jahresbeginn

Doch die jüngste Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Magazins "Stern" verheißt nichts Gutes. Auf die Frage, ob Edmund Stoiber 2008 noch mal als CSU-Spitzenkandidat bei der bayerischen Landtagswahl antreten sollte, sagten 60 Prozent der insgesamt 1007 befragten Bayern: Nein, soll er nicht. Nur 32 Prozent sprachen sich für eine Kandidatur Stoibers aus.

Unter den CSU-Anhängern in Bayern ergibt die Umfrage ein ähnlich dramatisches Bild: Für Stoiber als Spitzenkandidat sprachen sich 52 Prozent der christsozialen Sympathisanten aus - 45 Prozent dagegen. Forsa erhob die Daten zwischen dem 27. und 29. Dezember, auf dem Höhepunkt der Pauli-Affäre zu Weihnachten.

Die Fürther CSU-Landrätin und Stoiber-Kritikerin Gabriele Pauli hatte eine CSU-Urabstimmung über den Spitzenkandidaten ins Gespräch gebracht. Diese Idee finden der neuen Umfrage zufolge 53 Prozent der Bayern gut - 32 Prozent lehnen sie ab. Das Bild bei den CSU-Anhängern differiert nur leicht: 51 Prozent sprechen sich für eine Urabstimmung aus, 39 Prozent sind dagegen.

Bei einer Landtagswahl aber könnte die CSU laut Forsa derzeit mit der absoluten Mehrheit rechnen: Bei der so genannten Sonntagsfrage kam sie auf 54 Prozent, die SPD landete bei 18, die Grünen bei neun Prozent. Die FDP erreichte bei der Umfrage fünf Prozent. Linkspartei und Freie Wähler würden mit vier beziehungsweise drei Prozent nicht im Landtag vertreten sein.

Stoiber im Griff der Meinungsumfragen

Ein CSU-Sprecher kommentierte die Ergebnisse im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Bayern ist mit Edmund Stoiber das erfolgreichste Land, und deshalb steht die CSU mit Stoiber bei 54 Prozent."

Bereits vor wenigen Tagen hatte eine vom TV-Sender "Sat.1" veröffentlichte GMS-Umfrage ein Ergebnis von 54 Prozent für die CSU in Bayern gebracht. Die Meinungsforscher damals: Die Spitzel-Affäre um Gabriele Pauli habe Stoiber nicht geschadet. Stoiber habe in der Gunst der christsozialen Anhänger sogar zugelegt: Rund zwei Drittel der CSU-Wähler äußerten sich zufrieden mit dem Ministerpräsidenten. Das war ein Plus von zehn Prozentpunkten gegenüber Oktober. Insgesamt beurteilte die bayerische Bevölkerung die Arbeit der Staatsregierung aber schlechter: 43 Prozent waren zufrieden, das waren sechs Prozentpunkte weniger als im Oktober.

Es ist ein Auf und Ab für Stoiber. Schon vor drei Tagen verursachte eine andere Forsa-Umfrage reichlich Unruhe. Die Meinungsforscher hatten bundesweit gefragt, ob die CSU möglicherweise ohne Stoiber ein besseres Ergebnis erzielen könne. 62 Prozent der Befragten stimmten dem zu, nur 26 Prozent waren der Ansicht, dass die CSU mit Stoiber als Spitzenkandidat 2008 besser abschneiden könne.

Selbst bei den Anhängern von CSU und CDU ergab die Umfrage wenig Zutrauen in Stoiber. Nur ein Drittel der bundesweit befragten Unionswähler hielten eine CSU mit Stoiber für stärker, 58 Prozent erwarteten bei der Landtagswahl 2008 größere Chancen auf einen Wahlerfolg ohne den CSU-Parteichef als Spitzenkandidaten. Diese Forsa-Umfrage fand am 29. Dezember mit 1004 Befragten statt.

Magische 50-Prozent-Marke

Schwankende Zustimmungsraten für Spitzenpolitiker mögen in Deutschland keine Seltenheit sein - doch sind sie in Bayern zumindest gefährlich. Haben doch die CSU und ihr Spitzenmann Stoiber das immerwährende Ziel von 50 Prozent plus X bei Landtagswahlen - nur als derart vom Wähler breit gestützte Regierungspartei in München kann die CSU ihren bundespolitischen Anspruch aufrecht erhalten.

In den vergangenen beiden Jahren befand sich die Partei für ihre Verhältnisse erstaunlich oft in der Umfragekrise, zuletzt während des Streits um die Gesundheitsreform. Oder nach der Bundestagswahl 2005, als Stoiber seinen Rückzug vom Berliner Ministeramt erklärte: Nur noch rund 45 Prozent der Bayern bekannten sich damals zur CSU. Bei der Wahl 2005 waren die Christsozialen ebenfalls unter die 50-Prozent-Marke gesackt: Sie erhielten 49,2 Prozent der Stimmen in Bayern.

Der letzte große Tiefpunkt der CSU liegt lange zurück. 1993 schmierte die Partei des damaligen Ministerpräsidenten Max Streibl in einer Umfrage auf 39 Prozent ab. Kurz darauf beerbte Stoiber den schwächelnden Streibl - und trieb die Werte wieder nach oben.

Aber so wie Max Streibl wird es Edmund Stoiber im Jahr 2007 nicht ergehen. Denn es fehlt der Königsmörder. Bayerns CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann stellte sich vielmehr demonstrativ hinter Stoiber. In einem Brief an seine Fraktionskollegen schrieb er am Dienstag in Vorbereitung auf die CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth Mitte Januar: "Meines Erachtens liegt es nahe, dass wir in Kreuth auch bereits ein eindeutiges Votum dafür abgeben, dass Dr. Edmund Stoiber als amtierender Ministerpräsident erneut der Spitzenkandidat für die nächste Landtagswahl sein wird."

Das zielt gegen CSU-Rebellin Pauli und ihre Pläne eines Basisentscheids. Herrmann will noch im Januar Stoiber zum Spitzenkandidaten ausrufen. Eigentlich war dies dem Parteitag im kommenden Herbst vorbehalten. Mit dem Fraktionschef hat Stoiber einen der mächtigsten CSU-Männer an seiner Seite. Doch möglicherweise kämpft Herrmann nicht ganz uneigennützig für seinen Ministerpräsidenten - schließlich will er ihn einmal beerben. Am besten um das Jahr 2010 herum, nach gewonnener Wahl 2008. Würde Stoiber jetzt gestürzt und CSU-Vizechef Horst Seehofer etwa sein Nachfolger, wäre Herrmanns Chance auf Jahre hinaus erst einmal vertan.

Partei-Rebellin Pauli hat sich über die geplante frühe Stoiber-Nominierung enttäuscht gezeigt: "Das ist kein demokratisches Verfahren", sagte sie zu SPIEGEL ONLINE. Es müsse "die Partei gefragt werden". Sie könne sich nicht vorstellen, dass eine Entscheidung durch die Landtagsfraktion in dieser Frage auf Unterstützung bei der Basis trifft: "Das zeigt, wie in der CSU entschieden wird, und dass die Partei nichts gilt."



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