Flüchtlingskrise AfD holt höchsten Umfragewert seit über einem Jahr

Die AfD profitiert von der Flüchtlingslage in Deutschland: In einer Umfrage kommt die rechtspopulistische Partei auf acht Prozent - ihr bester Wert seit mehr als einem Jahr. Schlechte Zahlen gab es für die Kanzlerin.

Demonstration der AfD in Halle (21. Oktober): Immer mehr Teilnehmer - und Gegner
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Demonstration der AfD in Halle (21. Oktober): Immer mehr Teilnehmer - und Gegner


In der Flüchtlingskrise spielt die Alternative für Deutschland (AfD) eine widersprüchliche Rolle. Immer wieder organisiert die Partei Demos gegen den weiteren Zuzug von Asylsuchenden, wie am Samstag in Hamburg. Da sprach auch die Vorsitzende Frauke Petry, ein Großaufgebot der Polizei trennte die AfD-Anhänger von der Gegendemo. Dann wieder distanziert sich die Parteiführung von ihrem thüringischen Landeschef Björn Höcke, der regelmäßig gegen Flüchtlinge wettert. Vizekanzler Sigmar Gabriel nannte die AfD "offen rechtsradikal".

Vielen Wählern ist das offenbar egal, die Partei erreicht mitten in der Flüchtlingsdebatte den höchsten Umfragewert seit über einem Jahr. Im aktuellen Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid im Auftrag von "Bild am Sonntag" erhebt, legt die rechtspopulistische Partei um einen Punkt auf acht Prozent zu.

Zuletzt kam sie im Oktober 2014 auf diesen Wert. Besonders groß ist der Zuspruch in Ostdeutschland: Hier kommt die AfD auf 15 Prozent. Im Westen sind es sieben Prozent.

Besonders SPD-Chef Gabriel hatte sich Ende Oktober mit scharfen Worten gegen die AfD gewandt. "Ich dachte früher immer, sie wären unanständig, weil sie den Mob aufwiegeln", sagte der SPD-Vorsitzende dem RTL-Nachtjournal. Doch: "Sie pflegen die Sprache der NSDAP, die Begriffe von Nazis, wenn sie davon sprechen, Politiker an die Wand zu stellen." Dagegen müsse die Mitte der Gesellschaft zusammenstehen.

Gabriels eigene Partei musste in der Umfrage einen Prozentpunkt abgeben, sie erreicht 25 Prozent. Unverändert bleiben die Werte für Union (36 Prozent), FDP (fünf Prozent), Linkspartei (zehn Prozent) und Grüne (zehn Prozent). Die Sonstigen kommen auf sechs Prozent.

Wenn der Bundeskanzler in Deutschland direkt gewählt würde, könnte der wahrscheinliche SPD-Herausforderer Gabriel gegenüber Amtsinhaberin Angela Merkel Boden gutmachen. Lag der Vorsprung der Kanzlerin im Mai noch bei 53 zu 17 Prozent, würden jetzt 21 Prozent für Gabriel stimmen und 45 Prozent für Merkel.


Daten zur Umfrage

Stichprobe: 1869 Personen (Sonntagstrend); 500 Personen (Kanzlerfrage)

Zeitraum: 22. bis zum 28. Oktober (Sonntagstrend); 30. Oktober (Kanzlerfrage)

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jok/Reuters/dpa



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