Umfrage Das Rennen um Platz drei - AfD legt zu

Bei einer neuen Großen Koalition könnten die Rechtspopulisten Oppositionsführer werden - das sagen immer mehr Umfragen. Eine Mehrheit der Wähler macht die Politik Merkels für den Aufstieg der AfD mitverantwortlich.

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel
STEINBACH/EPA/REX/Shutterstock

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel


Die Kanzlerin beschreibt es so: "Bis zum Sonnabend kann ich noch etwas tun, danach bin ich zur Passivität verurteilt", so Angela Merkel in der "Bild am Sonntag". "Danach ist nur noch Warten und Gucken. Das ist wie Zeugnisvergabe."

Aber wie fällt dieses Zeugnis aus? Wie stark wird die AfD und was hat das mit Merkel zu tun?

Jedenfalls hat es etwas mit ihr zu tun - das meint in einer Umfrage die Mehrheit der Befragten. Das Institut Emnid hat für die "Bild am Sonntag" ermittelt,

  • dass 58 Prozent der Bürger die Politik der Kanzlerin mitverantwortlich für den Erfolg der AfD machen.
  • 34 Prozent teilten diese These nicht.

Auch Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) hatte im Interview mit dem SPIEGEL Merkel und den Unionsparteien eine Mitschuld am Aufstieg der AfD gegeben. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sagte im SPIEGEL: Die AfD habe "davon profitiert, dass Merkel der CDU jeden inhaltlichen Kern genommen hat."

Wie steht die AfD Umfragen zufolge eine Woche vor den Wahlen da? Die Werte von AfD, Linken, FDP und Grünen liegen grundsätzlich dicht beieinander, und es müssen statistische Fehler von bis zu drei Prozent mit eingerechnet werden.

Dennoch zeichnet sich für die AfD ein Zuwachs ab: In der aktuellen Emnid-Sonntagsfrage legt die Partei trotz der Skandale um ihre Spitzenkandidatin Alice Weidel um zwei Punkte auf 11 Prozent zu und lässt die Linke (10 Prozent), FDP (9 Prozent) und die Grünen (8 Prozent) hinter sich. Die AfD würde also drittstärkste Kraft und im Falle einer Fortsetzung der Großen Koalition Oppositionsführerin.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Es ist zum ersten Mal seit Anfang April, dass die AfD bei Emnid sowohl vor Grünen, FDP und Linken liegt. Bei Forsa liegt die AfD aktuell auf Rang vier hinter den Linken - dort sind die Rechtspopulisten seit April nicht mehr auf dem dritten Rang. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht die AfD gleichauf mit der FDP. Bei anderen Instituten aber ist die AfD seit mehreren Wochen drittstärkste Kraft - so landet die Partei bei Infratest dimap durchgängig seit Ende August auf Rang drei, bei Insa liegt die AfD seit zwei Wochen leicht vor Linken, Grünen und FDP.

FDP-Chef Christian Lindner erklärte, das Rennen um den dritten Platz im künftigen Bundestag entscheide sich zwischen seiner Partei und der AfD. An Platz drei entscheide sich, wer die Opposition anführe, unterstrich der FDP-Chef. Gebe es eine kleine Koalition, führe die SPD die Opposition. Gebe es wieder eine große Koalition, sei hoffentlich die FDP die drittstärkste Kraft "und nicht die Typen von der AfD". Im Interview mit SPIEGEL ONLINE hatte er zuvor den Anspruch untermauert, dritte Kraft zu werden. Zugleich betonte er, die Grünen seien gerade dabei, sich von der Jamaika-Koalition (Union, FDP, Grüne) zu verabschieden.

SPD verliert weiter

Die AfD bekommt tendenziell mehr Zustimmung - und mit der SPD geht es laut Emnid weiter bergab. Sie verlor zwei Punkte und kam nur noch auf 22 Prozent - den niedrigsten Wert seit der Übernahme der Kanzlerkandidatur im Januar. Auch laut dem neuesten ARD-Deutschlandtrend fiel die SPD mittlerweile auf 20 Prozent. Im ZDF-Politbarometer hingegen legten die Sozialdemokraten zuletzt wieder leicht zu.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz setzt auf die vielen unentschiedenen Wähler. "Viel zu viele Menschen sind doch unentschlossen, als dass man jetzt schon sagen könnte, wie die Wahl ausgeht. Ich sehe das doch auf meinen Veranstaltungen: Vorn sitzen die, auf die ich mich immer verlassen kann. Hinten sind die Unentschiedenen, die aber irgendwann einstimmen. Ich erreiche die Menschen", so Schulz im SPIEGEL.

In Bezug auf eine erneute Große Koalition sind die Wähler von CDU und CSU laut einer Umfrage deutlich positiver gestimmt als SPD-Unterstützer. 46 Prozent der Unionswähler sprachen sich für diese Möglichkeit aus, wie das Institut YouGov mitteilte. Aufseiten der SPD-Wähler wünschten sich nur 37 Prozent der Befragten eine Koalition aus Union und SPD. 59 Prozent bevorzugten stattdessen eine von SPD und Grünen geführte Regierung. Noch lieber als eine Große Koalition wäre den Unterstützern von CDU und CSU eine schwarz-gelbe Regierung. 64 Prozent von ihnen sprachen sich in der Umfrage für ein solches Bündnis von Union und FDP aus. Unter allen Wählern befürworten 30 Prozent der Befragten eine schwarz-gelbe Regierung - der stärkste Zustimmungswert unter allen Koalitionsmöglichkeiten.

Anmerkung zur Methodik: Für den "Sonntagstrend" hat Emnid zwischen dem 7. und 13. September 2017 1888 repräsentativ ausgewählte Personen befragt. Die Frage lautete: "Welche Partei würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären?" - Für die Umfrage zur AfD hat Emnid am 14. September 500 repräsentativ ausgewählte Personen befragt. Die Frage lautete: "Denken Sie, dass die Politik von Bundeskanzlerin Merkel für den Aufstieg der AfD mitverantwortlich ist?"

anr/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.