Umfrage Allensbach sieht Schwarz-Gelb im Vorteil

Letzte Umfragen vor der Wahl deuten auf ein Fotofinish. Dem Allensbach-Institut zufolge könnten Union und FDP knapp die absolute Mehrheit schaffen. Laut dem Meinungsforschungsinstituts Forsa kann keines der politischen Lager am Sonntag eine eindeutige Mehrheit erringen.


Berlin - In der heute von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" veröffentlichten Umfrage von Allensbach verlor die Union leicht auf 41,5 Prozent von 41,7 Prozent. Ihr Wunsch-Koalitionspartner FDP legte allerdings um einen Punkt auf acht Prozent zu. Damit kommen beide zusammen auf 49,5 Prozent, was für eine knappe Mehrheit im neuen Bundestag reichen würde. Die SPD gab 0,4 Punkte auf 32,5 Prozent ab, die Grünen 0,2 Punkte auf sieben Prozent. Die in Linkspartei umbenannte PDS blieb konstant bei 8,5 Prozent. Das Institut hatte von Samstag bis Donnerstag 1682 Wahlberechtigte nach ihrer Zweitstimmen-Wahlabsicht befragt.

Dagegen sieht die heute veröffentlichte Forsa-Erhebung für RTL keine eindeutige Mehrheit für eines der beiden politischen Lager. Demnach liegt die Union in der politischen Stimmung zwischen 41 und 43 Prozent und die FDP zwischen sieben und acht Prozent. Das ergäbe für beide zusammen zwischen 48 und 51 Prozent.

Die SPD kommt Forsa zufolge auf 32 bis 34 Prozent, die Grünen auf sechs bis sieben Prozent. Zünglein an der Waage könnte die Linkspartei spielen, die derzeit auf sieben bis acht Prozent kommt. Damit hätte ein rot-rot-grünes Lager zwischen 45 und 49 Prozent.

Gegenüber der letzten Forsa-Umfrage vom 5. bis 9. September verliert die SPD leicht, während Schwarz-Gelb tendenziell etwas zulegen kann. Die am Montag veröffentlichte Erhebung zum Vergleich: SPD: 35 Prozent; CDU/CSU: 42 Prozent; Grüne und Linkspartei: Sieben Prozent; FDP: Sechs Prozent.

Forsa-Chef Manfred Güllner begründet die diesmal nur als Korridor festgelegten Prozentzahlen wie folgt: "So kurz vor dem Wahltag lässt sich statt präziser Prognose nur noch ein Stimmungsbild ermitteln, weil durch die Kandidatur der Linkspartei die Unsicherheit der Wähler noch größer geworden ist."

, ob man am Sonntag zur Wahl geht oder nicht, beziehungsweise welcher Partei man die Stimme geben wird. Güllner: "Auch wenn unter den jetzt noch Unentschlossenen viele Nichtwähler sein dürften, deutet dieser Anteil unsicherer Wähler auf eine auch kurz vor dem Wahltermin noch andauernde Wählerbewegung hin." Forsa befragte 2004 Personen zwischen dem 12. bis 16. September.

Laut einer weiteren Umfrage kennen 55 Prozent der Bundesbürger keines der Wahlprogramme der Parteien, die bei der Bundestagswahl antreten. Es sei daher nicht weiter überraschend, dass weniger die Inhalte als die Medienmacht der Politiker über die Wahl entscheiden würden, folgerte die "Initiative ProDialog" heute aus der Meinungsstudie des Instituts dimap. Die überparteiliche Initiative will die Kommunikation zwischen Bürgern und Politikern fördern. Sie rief die Politiker dazu auf, sich direkter an die Bürger zu wenden, um die Inhalte der Wahlprogramme zu vermitteln.

Wegen der hohen Zahl der unentschlossenen Wähler setzen die Parteien auf Wahlwerbung bis zur Schließung der Wahllokale. Dem Mainzer Politikwissenschaftler Harald Schoen zufolge ist diese Strategie jedoch nur bedingt erfolgversprechend. Nicht alle Spät-Entscheider seien gut informierte Taktiker, wie etwa jene CDU-Anhänger, die bewusst FDP wählen, um Schwarz-Gelb zu ermöglichen. "Viele derjenigen, die bis zuletzt unentschlossen sind, gehen am Ende gar nicht zur Wahl und landen im großen Lager der Nicht-Wähler", sagte Schoen der Nachrichtenagentur AP.

Andere wiederum wollten zwar unbedingt wählen, beschäftigten sich aber zunächst nicht näher damit: "Dann ist auf einmal der Wahltag da, die Entscheidung unterliegt momentanen Einflüssen und ist somit oft nicht besonders scharf kalkuliert", sagte Schoen. Die Wahlentscheidungen würden "zunehmend erratischer und schwankender", sagte Schoen.



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