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Umfrage: Beschneidungsverbot entzweit Deutsche

Im Bundestag gilt die Mehrheit für eine Resolution zugunsten des Rechts auf religiöse Beschneidung als sicher, in der Bevölkerung ist die Stimmung geteilt: Einer Umfrage zufolge sprechen sich 42 Prozent der Deutschen gegen ein Verbot des rituellen Eingriffs aus, 45 Prozent aber sind dafür.

Berlin - Die Formel steht bereits: "Eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen" müsse "grundsätzlich zulässig" sein - so sieht es eine gemeinsame Resolution der Fraktionen von Union, FDP und SPD für Rechtssicherheit bei Beschneidungen vor, die an diesem Donnerstag dem Bundestag vorgelegt werden soll.

Eine Mehrheit gilt als sicher: Als einzige Fraktion ist die Linke unentschlossen, auch die Grünen sind gegen ein Beschneidungsverbot. Vor der Abstimmung über die Resolution meldete ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Volker Beck allerdings Bedenken an: "Ich finde es problematisch, dass die Abgeordneten jetzt so kurzfristig in eine solche Entscheidungsdebatte gezwungen werden", sagte Beck der "Süddeutschen Zeitung". "Warum jetzt alles so hopplahopp geschehen soll, erschließt sich mir nicht", fügte er hinzu. Schließlich stamme das Urteil des Landgerichts Köln aus dem Mai, und die öffentliche Debatte laufe seit mindestens zwei Wochen "auf Hochtouren".

Die Kölner Richter hatten die Beschneidung als strafbare Körperverletzung gewertet und damit international einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde zuletzt mit den Worten zitiert, Deutschland mache sich zur "Komiker-Nation", wenn es ein Beschneidungsverbot dulde. "Ich will nicht, dass Deutschland das einzige Land auf der Welt ist, in dem Juden nicht ihre Riten ausüben können."

Die Bevölkerung ist in dieser Frage allerdings gespalten: Fast die Hälfte der Deutschen ist für ein Verbot ritueller Beschneidungen von Jungen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa sprachen sich 45 Prozent dafür aus, der jahrhundertealten islamischen und jüdischen Tradition einen Riegel vorzuschieben. 42 Prozent waren gegen ein Verbot, 13 Prozent hatten keine Meinung zu dem Thema.

Angesichts der internationalen Empörung über das Kölner Urteil glauben 33 Prozent der Befragten, dass ein bundesweites Verbot Deutschlands Ansehen in der Welt schaden würde. 55 Prozent glauben das nicht.

83 Prozent meinen, Religionen sollten mit der Zeit gehen und nicht um jeden Preis an alten Traditionen festhalten. Nur neun Prozent meinen, eine Modernisierung religiöser Bräuche sei nicht nötig.

hen/dpa/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 276 Beiträge
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1.
n8nebel 19.07.2012
Ich bin für ein Beschneidungsverbot. Es geht mir dabei nicht um religiöse Praktiken oder die frühkindliche Indoktrination, mein zentrale Punkt ist, dass auch Kinder ein Recht auf körperliche Unversehrtheit haben und es Eltern nicht gestattet sein sollte, Veränderungen am Körper ihrer Kinder vorzunehmen, die nicht wieder rückgängig gemacht werden können. Wenn wir Beschneidungen erlauben, sofern sie einen religiösen Hintergrund haben, dann müssen wird das auch mit Tatowierungen, Brandings (Brandwunden) und Scarings (Narben) machen. Problematisch finde ich, dass der Bundestag sich hier nicht die Zeit zur Diskussion nimmt, wenn schon die Meiung in der Bevölkerung so gespallten ist.
2. es zeigt nur - im Bundestag sitzen die falschen Leute
159159 19.07.2012
und zwar ziemlich dumme Leute. Alles spricht dafür die "Opfer" zu einem Zeitpunkt selbst entscheiden zu lassen ob sie so etwas wollen. Das gehört zum Bereich Piercings, Tätowierung und, und. Ist eine Privatsache die aber auch die Krankenkassen, auch bei möglichen Folgen, außen vor lassen muss. Und an alle religiösen Eiferer. Wenn die liebe Gott gewollt hätte, dass der "Willi" anders aussieht, dann hätte er ihn anders gemacht.
3.
alafesh 19.07.2012
Zitat von sysopIm Bundestag gilt die Mehrheit für eine Resolution zugunsten des Rechts auf religiöse Beschneidung als sicher, in der Bevölkerung ist die Stimmung geteilt: Einer Umfrage zufolge sprechen sich 42 Prozent der Deutschen gegen ein Verbot des rituellen Eingriffs aus, 45 Prozent aber sind dafür. Umfrage: Beschneidungsverbot entzweit Deutsche - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,845208,00.html)
Ich bin erstaunt. Anhand einiger Foren ließ sich für mich auf ein ganz anderes Ergebnis schließen. Es wäre hier interessant, zu wissen, inwieweit die betroffene Personengruppe (v.a. Juden, Muslime) die 42% beeinflussen. In der Tat fand ich hier im Spiegelforum mehr als 90% absolute Befürwortung für ein Verbot.
4. Das Bundesverfassungsgericht . . .
rieberger 19.07.2012
Zitat von sysopIm Bundestag gilt die Mehrheit für eine Resolution zugunsten des Rechts auf religiöse Beschneidung als sicher, in der Bevölkerung ist die Stimmung geteilt: Einer Umfrage zufolge sprechen sich 42 Prozent der Deutschen gegen ein Verbot des rituellen Eingriffs aus, 45 Prozent aber sind dafür. Umfrage: Beschneidungsverbot entzweit Deutsche - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,845208,00.html)
. . . wird das letzte Wort haben. Es kollidieren zwei Grundrechte: das Grundrecht auf körperlicher Unversertheit sowie das Grundrecht auf Religionsfreiheit. Der Bundestag wird politisch alles vermeiden, was Juden und Moslems in Aufruhr versetzt, deshalb wird ein Gesetz pro Beschneidung erlassen werden. Nichtsdestotrotz wird dieses Gesetz mit obig genannten Grundrecht auf körperlicher Unversertheit in Widerspruch stehen. Es gilt abzuwägen, welches Grundrecht gegenüber dem anderen Priorität einzuräumen ist. Das Urteil des höchsten Verfassungsorgans wird dann zu akzeptieren sein. Eine Beschneidung ist erst einmal ein operativer Eingriff ohne medizinische Indikation - als solcher ist der Eingriff medizinisch abzulehnen. Das Betäubungs- und Operationsrisiko ist nicht wegzudikutieren, auch nicht religiös. Die Argumentationsschiene,"das wird schon seit 4000 Jahren so gemacht" ist IMO obsolet. Gleichwohl ist dies keine Tradition in diesen Breiten. Warum nicht die Menschen mit Eintritt der Religionsmündigkeit (14 Jahre) selber entscheiden lassen? Die Trennung von Staat und Kirche zwinmgt den Staat nicht, religiös motivierte unnötige Operationen zu legalisieren!
5.
c.PAF 19.07.2012
Aber das kupieren bei Hunden bleibt verboten, auch wenn es ebenfalls "ohne unnötige Schmerzen" erfolgt? Verstehe ich nicht.
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