Umfrage Bürger fühlen sich der Politik ausgeliefert

Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus - so steht es im Grundgesetz, aber die Mehrheit der Bürger glaubt einer Forsa-Umfrage zufolge nicht daran. Demnach beklagen 79 Prozent, auf die Interessen des Volkes werde kaum Rücksicht genommen.

Reichstag: Viele Bürger messen laut einer Umfrage Wahlen keine große Bedeutung zu
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Reichstag: Viele Bürger messen laut einer Umfrage Wahlen keine große Bedeutung zu


Hamburg - Die meisten Deutschen bezweifeln, dass die Staatsgewalt tatsächlich vom Volke ausgeht, wie es im Grundgesetz steht. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Forsa-Umfrage für den "Stern" beklagen 79 Prozent, dass auf die Interessen des Volkes hierzulande kaum Rücksicht genommen werde.

Nur 17 haben den Eindruck, dass das Volk etwas zu sagen hat. Wenig Einfluss messen die Bürger offenbar auch den Wahlen bei. Lediglich vier Prozent der Deutschen glauben laut der Umfrage, Wahlentscheidungen würden in starkem Maße die Richtung der Politik bestimmen. 53 Prozent sehen "etwas Einfluss". 43 Prozent sind der Ansicht, dass Wahlen für die Richtung der Politik bedeutungslos sind.

Um am politischen Geschehen stärker mitwirken zu können, wünschen der Umfrage zufolge 79 Prozent der Bürger Volksbegehren und Volksentscheide auch auf Bundesebene. Das Meinungsforschungsinstitut befragte am 25. und 26. Oktober 1002 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine bundesweite Umfrage des Leipziger Institut für Marktforschung für die "Leipziger Volkszeitung". Für 58 Prozent der Bundesbürger zeigen demnach die jüngsten Proteste eine tiefe Entfremdung zwischen dem Volk und den Politikern. 70 Prozent mahnen die Politik, diese Proteste ernst zu nehmen und sie als Aufforderung zur Reform der politischen Entscheidungsprozesse aufzufassen. 61 Prozent ziehen den Schluss, dass Deutschland mehr Volksentscheide brauche. Zwei Drittel (66 Prozent) sind der Auffassung, dass die Menschen Ängste vor der Zukunft plagen und die Politik ihre Entscheidungen besser erklären und gegebenenfalls auch anpassen müsse.

hen/dpad/dpa

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insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
G. Donner-Wetter, 11.11.2010
1. .
Da wird Frau Kandesbunzlerin aber ein Déja Vu haben.
Forumkommentatorin 11.11.2010
2. Total
schlimm. Wie soll man sich da mit seinem Land identifzieren,wenn Politik nur von Pöstchenfetischisten gemacht wird? Wir werden meiner Meiung nach auch gar nicht über wichtige Entscheidungen informiert. Was hat uns der Euro, der Moloch EU mit Brüsselals Entscheidungsgewalt, gebracht? Ich finde diese Undurchsichtigkeit am Schlimmsten. Wer nicht transparent ist, wirkt unseriös undist es wahrscheinlich auch. Mehr freie Medien, mehr (auf-)rechte Parteien, mehr Information. Und bei 40 % Nichtwählern bitte auch 40 % freie Plätze im Bundestag!
GinaBe 11.11.2010
3. Abzuliefendes Leben
Das sollen die Bürger ja auch sein, ausgeliefert mit ganzer menschlichen Existenz, wie früher zu "Kaiser`s Zeiten". Vielleicht hat sich die eine oder der andere ein wenig mehr reale Chancen zu Leben zu erwarten gehofft?
mcm23 11.11.2010
4. Was für ein hanebüchener Blödsinn...
Wie es ein Bekannter bereits zusammenfasste, bleibt in diesem Zusammenhang folgendens festzustellen: Bestimmte Bevölkerungsgruppen haben es sich zum Ziel gesetzt dieses Land zunehmend zur Dagegen-Gesellschaft zu wandeln. Wahlen boykottieren, nicht in Parteien kämpfen (eher austreten), Mittel der Demokratie nicht oder falsch nutzen und wenn es zu Ergebnissen kommt, propagieren "wir wurden nicht gefragt und nicht beteiligt". Konstruktives mitgestalten am demokratischen Rechtsstaat Bundesrepublik Deutschland, ist anscheinend nicht mehr gefragt. Als Fazit: Solche Menschen kotzen mich an...
Anna-Maria-49 11.11.2010
5. ---
Der Spiegel und alle anderen Massenmedien täten gut daran, Volksbegehren und Volksentscheide kritischer zu begleiten. In meiner Arbeit stoße ich auch immer wieder auf diese Diskussion. Ein Volksentscheid kann es durchaus im kommunalpolitischen Geschehen geben, darüber hinaus sollte sich ein solcher lediglich auf den Einsatz des Militärs und zur Änderung der deutschen und europäischen Verfassung beschränken. Wenn wir erst alles zerreden wollen, dann kommen wir in der Politik genauso schnell voran wie bei manchen Autobahnprojekten. Also lassen wir es lieber. Im Übrigen, möchte ich wiederholt darauf hinweisen, in einer Demokratie bestimmt das Volk; und dies durch die Mehrheit der Bevölkerung. Der Gegensatz, das Wenige bestimmen, das gab es vor gar nicht so langer Zeit – wohin es führte wissen wir. Wenn sich doch bitteschön die Herren Journalisten die Mühe machen würden zur Recherche – das was die Leute wirklich wollen………weniger Bürokratie und mehr Ehrlichkeit in der Politik. Daran wird es aber in Deutschland auf absehbare Zeit scheitern.
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