Umfrage Deutsche gespalten über Minarett-Verbot

Die Schweizer stimmten mit deutlicher Mehrheit für ein Verbot von Minaretten, die Deutschen sind in dieser Frage gespalten. Nach einer repräsentativen SPIEGEL-Umfrage würden 44 Prozent der Deutschen mit Ja, 45 Prozent aber mit Nein stimmen. Allein die Ostdeutschen haben klarere Präferenzen.

Moschee im schleswig-holsteinischen Rendsburg: Differenz zwischen Männern und Frauen
AP

Moschee im schleswig-holsteinischen Rendsburg: Differenz zwischen Männern und Frauen


Hamburg - Die TNS-Infratest-Erhebung im Auftrag des SPIEGEL lässt die Deutschen toleranter erscheinen als die Schweizer. Während sich bei der Volksabstimmung im Nachbarland 57,5 Prozent der Eidgenossen für ein Minarett-Verbot entschieden, antworteten in Deutschland 44 Prozent der Befragten mit Ja auf die Frage, ob auch in der Bundesrepublik der Bau solcher Moscheetürme verboten werden solle; 45 Prozent antworteten mit Nein.

Ganz offenbar ist Deutschland in dieser Frage gespalten. Nach Ost und West aufgeschlüsselt, ergibt sich allerdings ein differenzierteres Bild: Fast jeder zweite im Osten Befragte (47 Prozent) spricht sich für, nur etwa jeder Dritte (37 Prozent) dagegen aus. Im Westen hingegen sind die Verbotsgegner mit 47 zu 43 Prozent in einer knappen Mehrheit.

Auffällig auch der Unterschied bei dieser Frage zwischen Männern und Frauen: Während nur 39 Prozent der männlichen Befragten ein Verbot gutheißen, sind es bei den weiblichen Teilnehmern der repräsentativen Umfrage 48 Prozent.

Differenziert nach Parteipräferenz finden sich die Verbotsbefürworter in den Reihen von Union (53 zu 39 Prozent), FDP (51 zu 38 Prozent) und Linke (47 zu 34 Prozent). Am deutlichsten gegen ein Verbot sprachen sich mit 80 Prozent die Anhänger der Grünen aus.

Einiger sind sich die Deutschen offenbar in der Frage, ob man in Zukunft weitere große Auseinandersetzungen mit radikalen Kräften der islamischen Welt fürchte. 78 Prozent der Befragten antworteten hier mit Ja, nur 18 Prozent verneinten dies.

sef



Forum - Minarettverbot - isoliert sich die Schweiz international?
insgesamt 12807 Beiträge
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mjv 29.11.2009
1.
Auch wenn Toleranz nicht in Beliebigkeit umschlagen darf, wäre ein solches Ergebnis für ein zivilisiertes mitteleuropäisches Land unwürdig. Die Schweiz stellt sich damit ins Abseits.
Drumnbass, 29.11.2009
2. Endlich...
Herzlichen Glückwunsch den Eidgenossen/-innen. Religionsausübung, die in unser zum Glück säkularisierten Gesellschaft absolute Privatsache sein muss, braucht keine weitreichend sichtbaren Landmarken.
wasissn, 29.11.2009
3.
Ein erfreuliches Signal für Europa und die Europäer.
Mülheimer, 29.11.2009
4. Endlich
Zitat von sysopDie Schweizer haben sich offenbar in der Volksabstimmung gegen den Bau von Minaretten entschieden. Damit haben die Rechtspopulistischen Parteien ihr Ziel erreicht. Was bedeutet die Abstimmung für die schweizer Gesellschaft? Und wie wird die Entscheidung vom Ausland aufgenommen?
Ein Dankeschön an die Schweiz. Ein Glück das noch nicht alle so kuschen vor dem Islam. Wehret Euch vor den Anfängen eines islamischen Europas. Das Schlimme ist doch: Die meisten Politiker nehmen ja nicht mal zur Kenntnis was die Islamisten wollen. !
GWeberBV 29.11.2009
5. Völlig inakzeptabel!
Wer es Religionsgemeinschaften untersagt, Gotteshäuser in der für sie typischen Form zu errichten, der erweist allen Integrationsbemühungen einen Bärendienst. Diese Entscheidung ist für einen liberalen, aufgeklärten Staat absolut inakzeptabel. Die EU sollte deutlichen Widerspruch einlegen. Und ich werde zukünftig Produkte aus der Schweiz boykottieren.
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