Hamburg - Die SPD kommt laut einer Umfrage aus ihrem Stimmungstief nicht heraus. Nach dem am Mittwoch veröffentlichten wöchentlichen Forsa-Wahltrend des Magazins "Stern" und des Fernsehsenders RTL verlieren die Sozialdemokraten einen Prozentpunkt und liegen jetzt bei 20 Prozent. Die FDP steigt auf 13 Prozent (plus ein Prozent). Alle anderen Parteien blieben in der Wählergunst unverändert: CDU/CSU kommen auf 36 Prozent, Grüne und Linke auf jeweils 12 Prozent.
Auch die Aussicht auf das künftige neue SPD-Führungsduo sorgt bei den Deutschen offenbar nicht für Zuversicht. Nur jeder Fünfte der 2500 Befragten glaubt in einer weiteren Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern", dass Sigmar Gabriel und Andrea Nahles die SPD aus ihrer Krise herausführen können. 63 Prozent der 1000 Befragten sind demnach nicht davon überzeugt.
Dass Gabriel als neuer Parteivorsitzender eine gute Lösung ist, glaubt von den Anhängern der SPD zwar immerhin eine Mehrheit von 53 Prozent. Insgesamt äußerten sich aber nur 36 Prozent der Befragten davon überzeugt. Für Nahles als neue Generalsekretärin fällt das Stimmungsbild noch schlechter aus: 30 Prozent befürworten diese Personalie, 29 Prozent sind dagegen. Auch von den Anhängern der eigenen Partei sind nur 47 Prozent von Nahles überzeugt, und für 20 Prozent ist sie keine gute Lösung.
Kurz vor dem Dresdner Parteitag stärkte der Ex-Bundesvorsitzende Kurt Beck dem designierten Parteichef Gabriel den Rücken. "Ich bin überzeugt, dass er der Richtige ist", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident der Mainzer "Allgemeinen Zeitung". "Wenn ich all die nostalgischen Rückblicke auf große Persönlichkeiten in unserer Parteigeschichte höre, dann gebe ich zu bedenken: Auch da hat immer jemand neu angefangen."
Die SPD beginnt an diesem Freitag in Dresden ihren dreitägigen Bundesparteitag. Dabei will sie sich nach schweren Wahlniederlagen neu aufstellen. Am 27. September hatten die Sozialdemokraten mit 23 Prozent ihr bislang schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl eingefahren. Gabriel soll an der SPD-Spitze Nachfolger von Franz Müntefering werden.
Die Juso-Bundesvorsitzende Franziska Drohsel forderte, vom Parteitag müsse "ein Signal der Gerechtigkeit" ausgehen. "Als Jusos erwarten wir von dem Parteitag, dass die SPD den Kampf für Gerechtigkeit wieder in den Mittelpunkt stellt." Der Leitantrag der Parteiführung sei "oftmals nicht deutlich genug", kritisierte die Vorsitzende der SPD-Nachwuchsorganisation.
Gabriel zeigte sich nach der Bundestagssitzung vom Dienstagin der "Bild"-Zeitung begeistert von den Qualitäten des neuen SPD-Fraktionschefs Frank-Walter Steinmeier als Oppositionsführer: "Es war ein ganz starker Auftritt (...). Jetzt muss auch dem Letzten klar sein: Frank-Walter Steinmeier wäre der bessere Kanzler, und er ist der Beste für den Job als Oppositionsführer."
anr/ddp/dpa
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