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18. Juli 2012, 09:33 Uhr

Umfrage zum Bundestag

Bürger haben desaströses Bild von Abgeordneten

Das Image der wichtigsten Volksvertreter ist miserabel: Nur jeder vierte Bürger vertraut der Arbeit des Bundestags. Noch schlechter sind laut einer Umfrage des "Stern" sogar noch die Ansichten über die Kompetenz der Politiker.

Hamburg - Dramatische Abstimmungen zur Euro-Rettung, die Posse um das Meldegesetz, schlecht informierte Abgeordnete: Die Ereignisse der vergangenen Monate waren für das Image des Bundestags blamabel. Das legt eine aktuelle Umfrage für das Magazin "Stern" nahe. Demnach besitzt das wichtigste deutsche Parlament bei den Bundesbürgern ein miserables Ansehen. Auf die Frage, ob die meisten Abgeordneten ihre Arbeit engagiert und sachgerecht verrichten würden, antworteten zwei von drei Bürgern (66 Prozent) mit "Nein".

Dementsprechend schlecht ist auch die Einschätzung der Güte der Entscheidungen. Nur 24 Prozent gaben an, Vertrauen in die Arbeit der Parlamentarier zu haben. Große Zweifel hegen die Deutschen daran, dass die Mitglieder des Bundestags angesichts der schwierigen Probleme noch den Überblick behalten. 81 Prozent meinen, die Abgeordneten seien überfordert. Nur 15 Prozent glauben, dass die Parlamentarier noch der Situation gewachsen sind.

Als ein Ärgernis sieht eine große Mehrheit der Befragten den starken Druck von Interessengruppen auf die Mitglieder des Parlaments an. Nach dem Eindruck von 75 Prozent der Deutschen üben Lobbyisten zu viel Einfluss auf politische Entscheidungen aus. Nur 16 Prozent glauben das nicht.

Ärger über leere Sitzreihen

Mehr als drei von vier Bürgern wünschen sich zudem weniger konforme, also nach den Maßgaben von Partei und Fraktion ausgerichtete, Entscheidungen der Abgeordneten. 77 Prozent vertraten in der Umfrage die Auffassung, ein Abgeordneter solle generell nur seinem Gewissen folgen und von der Linie seiner Partei abweichen dürfen. 20 Prozent möchten hingegen, dass Parlamentarier sich in erster Linie nach den Zielen ihrer Partei richten sollen.

Unverständnis zeigten die Befragten angesichts leerer Reihen im Bundestag. 75 Prozent wünschen, dass bei Sitzungen das Plenum gut besetzt ist. Lediglich 21 Prozent können die Terminnöte der Abgeordneten nachvollziehen.

Allgemein zeigen viele Bundesbürger Interesse an der politischen Auseinandersetzung im Hohen Haus. 40 Prozent von ihnen sagen, dass sie sich hin und wieder Debatten des Bundestages im Fernsehen anschauen.

Die repräsentative Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt, das 1002 Bundesbürger befragte. Forsa-Chef Manfred Güllner zeigte sich laut "Stern" überrascht über die stark negativen Werte. Die Deutschen seien überzeugte Demokraten, daher sei es erschreckend, dass die Abgeordneten so schlecht bewertet werden. An den heftigen Medienreaktionen auf die Verabschiedung des Meldegesetzes könne das nicht liegen. "Wir haben die Fragen sehr vorsichtig und ausgewogen formuliert. Das Ergebnis ist unabhängig von dieser aktuellen Debatte als gültig anzusehen", sagte Güllner dem Magazin.

fdi

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