Hamburg - Nun also wieder Portugal. Weitere vier Milliarden Euro soll das verschuldete Land noch in diesem Monat aus dem vereinbarten Rettungspaket bekommen. Seit Monaten vergeht kaum ein Tag, an dem nicht von weiteren Hilfsgeldern für angeschlagene Euro-Länder oder der Gefahr eines Zusammenbruchs der gemeinsamen Währung die Rede ist.
Noch ist die Euro-Krise aus deutscher Sicht vor allem eine Krise der anderen: Griechenland, Spanien, Portugal, Irland, Zypern. Die Wirtschaft in Deutschland zeigt sich erstaunlich robust, die Zahl der Arbeitslosen sinkt, die Steuereinnahmen steigen. Nur wird Deutschland nicht ewig dem negativen Trend in der Euro-Zone trotzen können. "Die Krise im Euro-Raum holt die deutsche Wirtschaft ein", sagte am Mittwoch Ferdinand Fichtner, Konjunkturchef beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Für das kommende Jahr senkte das Institut seine Wachstumsprognose von 2,4 auf knapp zwei Prozent.
Und wie denken die Bundesbürger? Für viele ist die Euro-Krise noch nicht unmittelbar spürbar, aber laut einer Umfrage von TNS Forschung im Auftrag von SPIEGEL ONLINE sind die Deutschen besorgt. So antworteten 69 Prozent der Befragten mit Ja auf die Frage, ob sie sich angesichts der Euro-Krise ernsthafte Sorgen um deutliche Preissteigerungen machen würden. Lediglich 30 Prozent verneinten die Frage, ein Prozent hatte dazu keine klare Meinung.
Kaum Angst vor Jobverlust
Optimistischer sind die Bürger bei der Einschätzung, ob ihr Job durch die Euro-Krise gefährdet sein könnte. 64 Prozent der Bürger machen sich der Umfrage zufolge keine ernsthaften Sorgen um ihren Arbeitsplatz oder den von Angehörigen. Besorgt sind demnach lediglich 35 Prozent der Deutschen.
Ein zentrales Ergebnis der Umfrage: Die Mehrheit der Deutschen resigniert bei der Mammutaufgabe, die gemeinsame Währung zu retten. So sind 54 Prozent der Befragten der Auffassung, dass Deutschland nicht weiter für die Euro-Rettung kämpfen solle, wenn dafür weitere Milliarden notwendig sind. 41 Prozent plädieren für ein weiteres Engagement Deutschlands, fünf Prozent sind unentschlossen.
Die skeptische Haltung zieht sich nahezu durch alle Parteien:
Keine Probleme hätten die Deutschen damit, wenn die Finanzhaushalte der Euro-Staaten auf europäischer Ebene besser kontrolliert würden, etwa durch einen europäischen Finanzminister mit entsprechender Entscheidungsgewalt. So vertreten 74 Prozent der Befragten die Auffassung, dass die Euro-Staaten stärker von zentraler Stelle aus kontrolliert werden sollten - 22 Prozent sind dagegen, drei Prozent antworteten mit "weiß nicht", ein Prozent machte keine Angaben.
Für die repräsentative Umfrage wurden in der Zeit vom 3. bis 4. Juli insgesamt 1000 Bundesbürger im Alter ab 18 Jahren befragt.
In Deutschland wurden der Euro-Rettungsschirm ESM und der Fiskalpakt, der die Unterzeichnerstaaten zu mehr Haushaltsdisziplin zwingt, am vergangenen Freitag gebilligt. Bundespräsident Joachim Gauck will die Gesetze aber erst unterschreiben, wenn das Bundesverfassungsgericht mehrere Klagen geprüft hat. Die Karlsruher Richter verhandeln am 10. Juli über die Eilklagen.
hen
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
| alles zum Thema Euro-Krise | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH