Umfrage Die Republik rückt nach links

Der Erfolg der Linkspartei in Bremen war nur der Anfang: Einer Umfrage zufolge wird es bei den Wahlen in Thüringen, Hessen und dem Saarland zu einer großen Wählerwanderung nach links kommen. Die CDU hat dort dramatische Verluste zu fürchten.


Hamburg - Die Zeitung "Bild am Sonntag" berichtet unter Berufung auf eine Emnid-Umfrage, die CDU verzeichne in Thüringen, Hessen und dem Saarland dramatische Verluste. Zugleich gewinne die Linkspartei erheblich an Zuspruch.

Linkspartei-Fraktionschefs Gysi, Lafontaine: Umfragen sagen einen Linksruck voraus
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Linkspartei-Fraktionschefs Gysi, Lafontaine: Umfragen sagen einen Linksruck voraus

Im Saarland will die Linkspartei mit Oskar Lafontaine als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2009 erstmals antreten - dort kommt sie der Zeitung zufolge derzeit auf 13 Prozent. Die SPD liegt bei 26 Prozent gegenüber 30,8 Prozent 2004. Die Grünen erreichen acht Prozent (2004: 5,6 Prozent). Die allein regierende CDU von Ministerpräsident Peter Müller verliert 7,5 Punkte und erreicht noch 40 Prozent. Die FDP steigert sich auf acht Prozent.

In Thüringen stürzt die ebenfalls allein regierende CDU von Ministerpräsident Dieter Althaus laut der Zeitung um rund 11 Prozentpunkte auf 32 Prozent ab. Die Linkspartei mit 27 Prozent und die SPD mit 23 Prozent könnten ein Regierungsbündnis bilden. Bei den Wahlen 2004 hatte die PDS 26,1 Prozent, die SPD 14,5 Prozent erreicht. Grüne und FDP, die 2004 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert waren, liegen laut Emnid derzeit bei jeweils sechs Prozent.

In Hessen, wo im Januar 2008 ein neuer Landtag gewählt wird, muss sich Ministerpräsident Roland Koch auf herbe Verluste einstellen. Emnid sieht die CDU bei 40 Prozent, 8,8 Punkte hinter dem Resultat von 2003. Die SPD erreicht derzeit 32 Prozent (plus 2,9 Prozent), die Grünen 11 Prozent (plus 0,9 Prozent). Die Linkspartei liegt auf Anhieb bei vier Prozent. Die FDP kommt auf 9 Prozent, das bedeutet 1,1 Prozentpunkte mehr als 2003.

Bundesweit ermittelte Emnid eine rechnerische Mehrheit für ein rot-rot-grünes Regierungsbündnis. Danach erreichen SPD (30 Prozent), Grüne und Linkspartei (jeweils 11 Prozent) derzeit zusammen 52 Prozent - einen Punkt mehr als bei der letzten Bundestagswahl. Die Union liegt bei 34 Prozent, die FDP bei 11 Prozent.

Gefühl, Aufschwung kommt nicht in den Taschen an

Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner sagte der Zeitung: "Die Bürger fürchten, dass der Wirtschaftsaufschwung nicht in ihren Taschen ankommt, sondern vor allem den Konzernen nutzt. Das führt zu Frustration und verstärkt die Neigung, den etablierten Parteien den Rücken zu kehren und Parteien mit Protestpotential zu wählen. Linke Argumente hätten erheblichen Zuspruch. Davon profitiere vor allem die Linkspartei. Vom 30. April bis 16. Mai befragte Emnid in Thüringen 516, im Saarland 504 und in Hessen 599 Wahlberechtigte. Die Erhebung für den Bund fand von 9. bis 15. Mai mit 2599 Befragten statt.

Die SPD-Landesvorsitzenden in Thüringen, Hessen und dem Saarland sind uneins über den Umgang mit der Linkspartei. Saar-Landeschef Heiko Maas sagte dem Blatt: "Zweieinhalb Jahre vor einer Wahl über Koalitionsoptionen zu spekulieren, ist völlig widersinnig." Thüringens SPD-Chef Christoph Matschie schloss ein Bündnis nicht aus.

"Die PDS ist in Ostdeutschland stark verankert und versucht einen zunehmend pragmatischen Kurs", sagte er. Die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti zeigte sich ablehnend. "Ich schließe eine Koalition mit der Linkspartei aus", sagte sie.

asc/ddp



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