Umfrage Europawahl fehlen die Wähler

Stell dir vor, es ist Wahl - und nicht einmal jeder Zweite geht hin: Nach einer Studie wollen nur 43 Prozent der Deutschen bei der Europawahl Anfang Juni ihre Stimme abgeben. Der europaweite Durchschnitt liegt sogar noch darunter.


Brüssel - Nicht einmal jeder Zweite in Deutschland weiß laut einer Studie überhaupt, dass in diesem Jahr das EU-Parlament neu gewählt wird. Auch die Bereitschaft, wählen zu gehen, ist nicht sehr ausgeprägt, sie liegt aber dennoch über dem EU-Durchschnitt. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Eurobarometer-Umfrage hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Für die Studie im Auftrag des Europaparlaments wurden im Januar und Februar mehr als 27.000 EU-Bürger in den 27 Mitgliedstaaten befragt.

Europaparlament in Straßburg: Über die Hälfte der Deutschen will nicht mitwählen
DPA

Europaparlament in Straßburg: Über die Hälfte der Deutschen will nicht mitwählen

Demnach konnten nur 44 Prozent der in Deutschland Befragten gut vier Monate vor der Wahl am 7. Juni das korrekte Wahljahr nennen. EU-weit waren es mit 32 Prozent noch weniger. 43 Prozent der Bundesbürger gaben an, ihre Stimme abgeben zu wollen. In der EU waren es nur 34 Prozent. Die jungen Europäer können sich laut Studie am wenigsten für den Urnengang erwärmen. 25 Prozent der 15- bis 24- Jährigen gaben an, definitiv nicht wählen zu wollen. Insgesamt sagten das nur 15 Prozent aller Befragten. Das Mindestalter, um an der Wahl teilnehmen zu können, beträgt 18 Jahre.

Bei den Europawahlen im Jahr 2004 war die tatsächliche Wahlbeteiligung unter den Jüngsten nach EU-Angaben mit 40 Prozent ebenfalls sehr gering. Die EU-Kommission wirbt deshalb seit vergangener Woche gemeinsam mit dem Fernsehsender MTV um die jungen Wähler. Die Kampagne "Kannst Du mich hören, Europa?" soll den Jugendlichen unter anderem im Internet eine Plattform für ihre Sorgen, Ideen und Beschwerden bieten.

In den Eurobarometer-Ergebnissen schlägt sich auch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise nieder. An den Wahlkampfthemen Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum äußerten mit Abstand die meisten europaweit Befragten (57 und 52 Prozent) Interesse. Auch das Vertrauen der Menschen in die politischen Institutionen hat seit der letzten Umfrage drei Monate zuvor auffällig abgenommen, beim EU-Parlament von 51 auf 45 Prozent. Noch weniger Befragte vertrauen der Kommission (42 Prozent) und der Europäischen Zentralbank (39 Prozent). Weit abgeschlagen findet sich dagegen das Interesse am Kampf gegen den Terrorismus (24 Prozent).

dpa/ore



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