Umfrage FDP rasselt auf tiefsten Wert seit fast 15 Jahren

Wo ist unten? Die FDP stürzt in der Wählergunst immer weiter ab. In der neuen Forsa-Umfrage erreicht sie gerade mal noch drei Prozent Zustimmung - so wenig wie zuletzt im März 1996. Trotz der Appelle zur Geschlossenheit verlangen immer mehr Liberale den Rücktritt von Parteichef Westerwelle.

FDP-Politiker Lindner, Westerwelle, Homburger: Absturz bei den Wählern
dpa

FDP-Politiker Lindner, Westerwelle, Homburger: Absturz bei den Wählern


Hamburg - Die FDP schneidet in einer neuen Umfrage desaströs ab: Seit 15 Jahren war die Partei von Guido Westerwelle nicht mehr so unbeliebt. In dem von "Stern" und RTL in Auftrag gegebenen Forsa-Wahltrend sackte die Partei im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf nur noch drei Prozent ab. Es ist in der wöchentlichen Befragung des Forsa-Institutes der schlechteste Wert für die FDP seit März 1996.

Von den Verlusten der FDP profitieren CDU und CSU:

  • Die Union konnte sich in der Umfrage weiter verbessern, sie stieg um einen Punkt auf 35 Prozent.
  • Die SPD verharrt bei 24 Prozent.
  • Die Grünen gaben abermals einen Punkt ab. Mit nunmehr 19 Prozent liegen sie erstmals seit Anfang September wieder unter der 20-Prozent-Marke.
  • Die Linke erzielt wie in der Vorwoche 11 Prozent.
  • Für "sonstige Parteien" würden 8 Prozent der Wähler stimmen.

Das Oppositionslager aus SPD, Grünen und Linken hat mit zusammen 54 Prozent einen Vorsprung von 16 Prozentpunkten vor dem Regierungslager aus Union und FDP. SPD und Grüne alleine hätten aber keine Mehrheit.

"Wenn Westerwelle seiner Partei helfen wollte, müsste er das Amt aufgeben"

Forsa-Chef Manfred Güllner erklärte im "Stern" die Ergebnisse: Die FDP habe binnen eines Jahres rund 80 Prozent ihrer Wähler verloren. Die Menschen seien über die Leistung der FDP in der Regierung enttäuscht, auch sei FDP-Chef Guido Westerwelle in den Augen der Bürger als Außenminister eher eine Fehlbesetzung. Ein Rücktritt Westerwelles vom Parteivorsitz würde nach Auffassung des Forsa-Chefs daher wenig ändern. Das negative Urteil der Menschen beruhe auf Westerwelles Amtsführung als Außenminister. "Wenn er seiner Partei helfen wollte, müsste er dieses Amt aufgeben", sagte Güllner. "Er könnte als Partei- oder Fraktionschef im Hintergrund Regie führen. In beiden Positionen war er zuvor ja akzeptiert."

Trotz der Appelle aus der Parteispitze, die Debatte endlich zu beenden, reißen die Rücktrittsforderungen an Westerwelle aus den eigenen Reihen nicht ab. Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", Westerwelle habe Fehler gemacht und müsse einsehen, dass die Ämtertrennung der richtige Weg sei.

Der Vizepräsident des niedersächsischen Landtags, Hans-Werner Schwarz, sagte der Zeitung, er halte bei Westerwelle die Konzentration auf ein Amt für einen sinnvollen Weg. Da Westerwelle als Außenminister eine gute Figur abgebe, solle er diese Position weiter ausüben. Es sei aber gleichzeitig sinnvoll, dass beim Parteitag im Mai ein anderer den FDP-Bundesvorsitz übernehme.

Am Montag hatte Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Interview mit SPIEGEL ONLINE ein Ende des Führungsstreits gefordert und vor einer Serie von Niederlagen bei den Landtagswahlen gewarnt.

Westerwelle selbst hatte Rückzugsforderungen am Wochenende mit den Worten zurückgewiesen: "Ich verlasse das Deck nicht, wenn es stürmt." Der 48-Jährige legte sich jedoch noch nicht fest, ob er beim nächsten Bundesparteitag im Mai - nach den Landtagswahlen in Hamburg, Sachsen- Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz - wieder antreten wird. Nach einer neuen Umfrage käme die FDP derzeit weder in Baden-Württemberg noch Rheinland-Pfalz ins Parlament.

anr/Reuters



Forum - Wird Guido Westerwelle zur Belastung für die FDP?
insgesamt 1408 Beiträge
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Seite 1
ich_bin_der_martin 18.12.2010
1. nein...
...wird er nicht. war ER schon immer. die fdp ist jedoch nicht mehr die, die sie mal war. liberales findet man dort nur als alibi.
dr_gisela_v._kerf-binsing 18.12.2010
2.
Zitat von sysopVom Höhenflug zum Absturz: Unter Guido Westerwelles Vorsitz erlebte die FDP schlimme Wechselbäder der Wählergunst und des Ansehens. Wird der Vorsitzende und Außenminister durch die Kritik an seiner Person zur Belastung für seine Partei?
Westerwelle stellt - größtenteils durch eigenes Verschulden - ein wunderbares Feindbild dar. Die Frage wird sein, inwiefern und wie lange die sonst beliebte Schadenfreude des Volkes (und der Umgang mit ihr) Westerwelle tragen können. Seine "Kollegen" werden genau austarieren müssen, wann er gestürzt werden muß, ohne das eigene Ansehen nachhaltig zu beschädigen.
Manuel Bergmann, 18.12.2010
3.
Zitat von ich_bin_der_martin...wird er nicht. war ER schon immer. die fdp ist jedoch nicht mehr die, die sie mal war. liberales findet man dort nur als alibi.
War sie das je?
kwpaulchen 18.12.2010
4.
Nicht nur Herr Westerwelle wird zur Belastung sondern die ganze Partei wird zur Belastung.Wenn ich schon Klientel- politik mache dann sollte ich auch dazu stehen.Aber es ab- zustreiten und es dennoch zumachen,das kommt bei Bürger nicht an.Und das ist belastend.
pkeszler 18.12.2010
5. Eine andere Koalition - oder Neuwahlen!
Warum jetzt die FDP-Garde um Westerwelle diesen vehement verteidigt, ist doch klar. Wenn Westerwelle gehen muss, dann müssen sie gleich mit ihm gehen. Sie sind ebenfalls alle in der Regierung untragbar. Diese Koalition ist im Volk unbeliebter, als es je die große Koalition oder die Rot-Grüne-Koalition war. Frau Merkel sollte sich jetzt endlich auch mal der Innenpolitik stärker widmen. Spätestens nach den Landtagswahlergebnissen im kommenden Jahr wird sie ohnehin reagieren müssen. Eine Regierungsumbildung kann dabei nur ein Zwischenschritt für eine andere Lösung sein. Entweder geht die CDU eine andere Koalition ein – oder sie ermöglicht Neuwahlen!
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