Umfrage Große Koalition immer kleiner

Als verbesserungswürdig hat Kanzlerin Merkel das Vertrauen der Menschen in die Koalition bezeichnet. Wie richtig sie mit dieser Einschätzung liegt, zeigen die neuesten Umfragewerte: Die Union fällt in der Wählergunst auf ein neues Rekordtief, die SPD dümpelt weiter unter 30 Prozent.


Hamburg - In diesem Fall hätte sich Angela Merkel (CDU) wohl ausnahmsweise einen kräftigen Widerspruch der Wähler gewünscht. Es gebe keine breite Zustimmung in der Bevölkerung zum Reformkurs der Koalition, hatte die Bundeskanzlerin gestern bei der ersten gemeinsamen Pressekonferenz mit ihrem Vize Franz Müntefering (SPD) eingeräumt. Sie diagnostizierte ein "hohes Maß an Skepsis" und "viele Enttäuschungen". Fazit: "Das Vertrauen der Menschen in die politische Arbeit ist verbesserungswürdig."

Bundeskanzlerin Merkel: Die Union bald unter 30 Prozent?
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Bundeskanzlerin Merkel: Die Union bald unter 30 Prozent?

Die Bestätigung kommt prompt in Form der neuesten Umfragewerte. Denn nach der jüngsten Umfrage der Meinungsforscher des Forsa-Instituts im Auftrag des "Stern" und des TV-Senders RTL ist die Union in der Wählergunst auf den tiefsten Stand seit Beginn der Großen Koalition gefallen.

CDU und CSU büßten im Vergleich zur Vorwoche einen Prozentpunkt ein und liegen nun bei nur noch 30 Prozent. Die Union hat damit seit Anfang des Jahres rund 10 Prozentpunkte verloren. Der Koalitionspartner SPD verharrt weiter bei 29 Prozent.

Profitiert von der Schwäche der Koalition hat diesmal vor allem die Linkspartei kletterte um 3 Prozentpunkte auf ein neues Jahreshoch von 12 Prozent. Die FDP sank um einen Punkt auf ebenfalls 14 Prozent. Die Grünen bleiben bei 10 Prozent.

Forsa befragte laut "Stern" 2501 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger vom 21. bis 25. August.

Eines der zentralen Reformprojekte der Koalition kommt bei den Bürgern überhaupt nicht an. Mehr als drei Viertel sind der Auffassung, dass die geplante Gesundheitsreform gestoppt werden sollte. In einer weiteren "Stern"-Umfrage erklärten 78 Prozent der Befragten, dass man die Reform in dieser Form nicht durchführen und die Grundzüge der Reform nochmals neu aushandeln sollte. Nur 9 Prozent sind dafür, dass die Gesundheitsreform so wie von der Regierung beschlossen kommen sollte. 13 Prozent sind unentschlossen.

phw/dpa



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