Umfrage Große Koalition verliert an Zustimmung

Seit Wochen verhandeln Union und SPD über eine Große Koalition. Doch laut ZDF-Politbarometer schwindet die Zustimmung für ein solches Bündnis: Nur noch 44 Prozent sind demnach für eine schwarz-rote Regierung.

Kanzlerin Merkel und SPD-Chef Gabriel: Zustimmung der Deutschen zu Großer Koalition sinkt
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Kanzlerin Merkel und SPD-Chef Gabriel: Zustimmung der Deutschen zu Großer Koalition sinkt


Hamburg - Unmittelbar nach der Bundestagswahl am 22. September befürworteten noch 58 Prozent der befragten Deutschen eine Große Koalition. Doch laut dem neuen ZDF-Politbarometer erhoben durch die Forschungsgruppe Wahlen hat sich die Lage verändert. Nur noch 44 Prozent der Wahlberechtigten finden demnach ein Bündnis von CDU, CSU und SPD "gut".

Auch finden jetzt 34 Prozent eine Große Koalition "schlecht", während nach der Wahl im September nur 25 Prozent diese Meinung hatten.

Bei den Anhängern von Union und Sozialdemokraten stößt das Bündnis aber weiterhin auf klare Zustimmung. Bei den Unionswählern beurteilen 60 Prozent eine Große Koalition als gut, bei den Anhängern der SPD immerhin noch 54 Prozent.

Wenig Unterstützung gibt es insgesamt unter den Wahlberechtigten für die anderen rechnerisch möglichen Koalitionen. Schwarz-Grün finden nur 25 Prozent gut, Rot-Rot-Grün lediglich 21 Prozent.

Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, würde sich an den Mehrheitsverhältnissen nur wenig ändern:

  • CDU/CSU kämen dann unverändert auf 42 Prozent,

  • die SPD würde bei 26 Prozent bleiben.

  • Die Grünen würden einen Prozentpunkt auf neun Prozent zulegen,

  • während die Linke einen Punkt einbüßen und ebenfalls bei neun Prozent landen würde.

  • Die FDP käme unverändert auf drei Prozent,

  • die Alternative für Deutschland (AfD) auf fünf Prozent.

Beliebteste Politikerin bleibt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auf einer Skala von minus fünf bis plus fünf erreicht sie einen unveränderten Durchschnittswert von 2,4. Auf Platz zwei liegt der geschäftsführende Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit 1,7 (Oktober: 1,5), gefolgt von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier mit 1,4 (Oktober: 1,2) und dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück mit deutlich verbesserten 1,0 (Oktober: 0,5).

Auf den weiteren Plätzen liegen SPD-Chef Sigmar Gabriel mit einem Wert von 0,9 (Oktober: 0,7), CSU-Chef Horst Seehofer mit 0,8 (Oktober: 0,7), die geschäftsführende Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit 0,7 (Oktober: 0,6) und Linken-Fraktionschef Gregor Gysi mit 0,2 (Oktober: 0,1). Im Negativbereich bleiben der frühere Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin mit minus 0,4 (Oktober: minus 0,5) und der geschäftsführende Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mit unveränderten minus 0,8.

Verhältnis zu USA hat sich verschlechtert

Das Verhältnis zu den USA hat sich für die Deutschen durch die Abhöraffäre zunehmend verschlechtert. Dies hatten bereits auch die Meinungsforscher von Infratest dimap im Auftrag der ARD erhoben. 61 Prozent der Befragten gaben im ZDF-Politbarometer an, sie hielten die Beziehungen für sehr stark oder stark belastet. 37 Prozent sehen das nicht so.

Bei der Frage, ob Whistleblower Edward Snowden in Deutschland Asyl bekommen soll, sind die Meinungen geteilt: 46 Prozent sprechen sich für Asyl in Deutschland aus, auch wenn dadurch das Verhältnis zu den USA stark belastet werden würde, und ebenfalls 46 Prozent sind dagegen. Die Auffassungen unterscheiden sich bei dieser Frage allerdings deutlich zwischen den verschiedenen Parteianhängern: So plädieren nur 32 Prozent der CDU/CSU-Anhänger für ein Asyl in Deutschland, aber 68 Prozent der Linke-Anhänger, während diejenigen von SPD, Grüne und AfD jeweils zu etwas mehr als 50 Prozent für Asyl in Deutschland sind.

Aber auch die deutschen Geheimdienste werden sehr kritisch gesehen: So glauben 81 Prozent, dass sich diese ähnlich verhalten wie die NSA und auch in befreundeten Ländern Telefone abhören und entsprechend Daten sammeln. Lediglich 15 Prozent glauben das von den deutschen Diensten nicht.

Mehrheit will Pkw-Maut auf Autobahnen bei Entlastung

Eine allgemeine Pkw-Maut auf Autobahnen unterstützen 65 Prozent aller Befragten, wenn es für Autohalter im Inland entsprechende Entlastungen bei anderen Kfz-Kosten gibt, 30 Prozent sind gegen die Einführung einer solchen Maut, die dann hauptsächlich ausländische Fahrzeuge auf deutschen Autobahnen treffen würde.


Daten zur Umfrage:

Stichprobe: Für das ZDF-Politbarometer befragte die Forschungsgruppe Wahlen 1288 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte.

Zeitraum: 5. bis 7. November 2013

Statistische Fehlertoleranz: plus/minus drei Prozentpunkte

als/AFP

insgesamt 137 Beiträge
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Seite 1
nemensis_01@web.de 08.11.2013
1. Und wieder ein Lacher
wg. einer Umfrage. Nur noch 44 % finden eine GroKo gut....hahaha. Wird langsam. Man muss den Bürger nur lange genug zum Narren halten, dann wird ein Schuh draus. Schade, dass sowas vor der Wahl niemals passiert, dass ein grossteil der Wähler den Unsinn durchschaut, der ihm da von den meisten Parteien als Programm untergejubelt wird. Aber so ist der Deutsche. Wie Pispers immer sagt. 70% der Bürger finden die Ideen der LINKEN gut, aber nur 8% Wählen diese Partei. Denn Parteien, die seine Überzeugungen doch mind. einmal versuchen Umzusetzten, findet der Deutsche suspekt.
Hilfskraft 08.11.2013
2. was soll ...
... denn dabei auch rauskommen? Etwas, was weder CDU noch SPD-Wähler wollten. Merkel und Gabriel sind wie der Versuch, Katze mit Hund zu kreuzen. Es kommt eine Schimäre raus oder gar nichts. Lasst die "Siegerin" vom 22.9. um Gottes Willen doch regieren! Die paar Wochen kriegen wir auch noch rum.
joG 08.11.2013
3. Man kann ja auch nicht einen Koalitionsvertrag....
....über Wochen hi verhandeln, den man dann genehmigen lassen muss. Das scheint unseriös und zeigt, wie verknöchert und verbeamtet das politische Gerüst schon ist.
mmpuck 08.11.2013
4. Sehr erfreulich,
dass nun doch langsam Vernunft greift und die große Koalition an Zustimmung verliert. Es wird - vermutlich zu langsam - auch noch der Moment kommen, an dem die Mehrheit der Menschen die aus einer Verbindung rot/rot/grün entstehenden Vorteile für das Land erkennen werden. Bedauerlich nur, dass es dann zu spät sein wird und wir weitere vier Jahre unter dieser Kanzlerin und ihrer nur auf persönlichen Machterhalt ausgerichteten Politik leben müssen.
chrimirk 08.11.2013
5. Irgendwie beruhigend!
Zwar haben Deutsche bei der letzten Wahl sehr undeutlich gewählt aber jetzt, beim Versuch der Koalitionsbildung der sonst unversöhnlich gegenüber stehenden Schwarzen und Roten, wird die Anfangseuphorie immer kleiner/schwächer. Also doch ein rot/rot/grünes Bündnis? Und zu der fallenden Zuneigung zu den USA: Diese liegt -gemessen am Sündenblock der Amis- noch viel zu hoch! Aber nur die EU zusammen könnte den USA wirklich Paroli bieten. EU zusammen? Mit GB + PL (die am sträksten mit den USA verbundenen Staaten der EU) geht das nicht, viele andere sind auch nur unsichere Kantonisten. Also was dann? Vielleicht doch von der Mitgliedschaft in allem und jedem (EU + EURO + NATO + UNO ) allmählich Abstand nehmen? Anders gesagt: Differenzierung statt Globalisierung? Die Großorganisationen bringen den Menschen allg. nichts, wohl aber den darin fiunktionierenden und hiervon gut lebenden Eliten.
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