Berlin/Hamburg - Geht es nach dem Willen der CSU, dann ist die Plagiatsaffäre von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg politisch ausgestanden. "Ich finde, politisch ist diese Angelegenheit erledigt", sagte der parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Stefan Müller, am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin".
Am Mittwochmittag soll der Verteidigungsminister im Bundestag Rede und Antwort zu den Fehlern in seiner Doktorarbeit stehen. "Ich gehe davon aus, dass er dort auch die Fragen, die aufgeworfen worden sind, auch ausreichend erklären wird", sagte Müller. Guttenberg hatte am Montag "gravierende Fehler" in seiner Arbeit eingeräumt und erklärt, auf den Doktortitel dauerhaft verzichten zu wollen.
Sicher ist: Guttenbergs Image hat infolge der Plagiatsvorwürfe gelitten. Einer Umfrage des "Stern" zufolge sagten 24 Prozent der Befragten, der Minister habe bei ihnen an Vertrauen verloren. Glaubwürdigkeit bescheinigt ihm nur noch jeder Zweite (50 Prozent) - neun Punkte weniger als in einer entsprechenden "Stern"-Umfrage vor drei Wochen.
Die große Mehrheit (70 Prozent) jedoch sagte, an ihrem Vertrauen zu dem Minister habe sich nichts verändert. Fast drei Viertel (73 Prozent) sprachen sich Ende voriger Woche für seinen Verbleib im Amt aus. Sogar die Anhänger von SPD, Grünen und der Linken waren mehrheitlich gegen einen Rücktritt.
Den Plagiaten in der Dissertation messen viele Deutsche offenbar keine politische Bedeutung bei. Auf die Frage, ob die Fälschungsvorwürfe für zu Guttenbergs Bewertung als Politiker wichtig seien, meinten 56 Prozent, die Doktorarbeit betreffe sein Privatleben. Nur 39 Prozent bejahten die Frage. Für die Forsa-Umfrage wurden 1004 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger am 17. und 18. Februar befragt.
Spürbare Vorbehalte gibt es ausgerechnet in der Bundeswehr, obwohl der Minister dort bislang einen hervorragenden Ruf genießt: Der Bundeswehrverband sieht Guttenbergs Plagiatsaffäre mit Sorge. Es werde bei einigen "der Kopf geschüttelt nach dem Motto: Hat das jetzt auch noch sein müssen", sagte der Verbandsvorsitzende Ulrich Kirsch am Mittwoch im Radiosender Bayern2.
Schon bei den Vorfällen auf dem Schulschiff " Gorch Fock" sei nicht überall ein so ganz tolles Krisenmanagement gelaufen. Zu Guttenberg müsse nun ein wenig Ruhe in die Bundeswehr bringen. "Und das kann zu Guttenberg - er ist weiter der Minister der Verteidigung - nur selber lösen, indem er sich klar positioniert, wie es weitergehen soll. Uns treibt um, wie geht es mit der Reform weiter", sagte Kirsch. Es seien ja noch keine Entscheidungen gefallen.
Der Verbandschef nannte vor allem die Frage der Finanzierung. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) werde die Vorgaben machen. "Und da weiß ich natürlich heute nicht, wie der Minister zu Guttenberg sich jetzt künftig durchsetzen wird. Das wird ganz schwierig für ihn, das wird ganz schwierig für uns", sagte Kirsch.
hen/dpa/AFP
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