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Umfrage: Mehrheit der Deutschen für Hinrichtung Saddams

Es ist eine groß angelegte französische Studie mit einem überraschenden Ergebnis: In zahlreichen europäischen Ländern plädieren die Bürger für die Hinrichtung Saddam Husseins. Auch die Deutschen stimmen für die Todesstrafe für den irakischen Ex-Diktator.

Paris - 53 Prozent der Deutschen sind für die Hinrichtung Saddam Husseins. Das ergab eine Umfrage des Instituts Novatris/Harris für die Pariser Zeitung "Le Monde" und den Nachrichtensender France 24. Das Institut hatte zwischen dem 30. November und dem 9. Dezember 12.570 Bürger in den großen EU-Staaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien) und in den USA über das Internet befragt.

In den USA war die Zustimmung zu einer Vollstreckung des Urteils mit 82 Prozent am höchsten. In Großbritannien waren es 69 Prozent. Auch in Frankreich (58 Prozent), Deutschland (53 Prozent) und Spanien (51 Prozent) gab es dafür eine Mehrheit. Lediglich in Italien waren die Befürworter (46 Prozent) in der Minderheit gegenüber den Gegnern (48 Prozent).

Die Todesstrafe ist in den fünf untersuchten europäischen Staaten wie in ganz Europa verboten; in der Mehrzahl der US-Bundesstaaten ist sie dagegen legal.

Die Studie ergab außerdem, dass eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung auf beiden Seiten des Atlantiks sich einen Truppenabzug aus dem Irak wünscht. Am höchsten ist die Zahl der Abzugs-Befürworter in Frankreich (90 Prozent); es folgen Großbritannien mit 83 und Deutschland mit 82 Prozent; in Italien lag die Zustimmung bei 73 Prozent; mit 66 Prozent war selbst in den USA eine deutliche Mehrheit für einen Rückzug aus dem Irak.

Internationale Sympathien für Merkel

Die Umfrage erforschte zudem die internationalen Sympathiewerte weltweit bedeutender Persönlichkeiten. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist laut Ergebnissen der Studie international hoch angesehen. Punkten konnte Merkel vor allem in den romanischen Ländern: 61 Prozent der Italiener, 60 Prozent der Spanier und 57 Prozent der Franzosen finden sie gut. In ihrem Heimatland trifft die Kanzlerin bei der Hälfte der Bevölkerung (51 Prozent) auf Zustimmung. Briten (30 Prozent) und US-Bürger (26 prozent) sind weniger gut auf Merkel zu sprechen.

Der französische Präsident Jacques Chirac erzielte nur bei den Deutschen, die ihn zu 55 Prozent gut finden, ein relativ gutes Umfrageergebnis. In Frankreich goutieren ihn hingegen nur 36 Prozent, in Großbritannien und den USA sogar nur 17 Prozent.

Bei US-Präsident George W. Bush fallen die Sympathiewerte noch schlechter aus: In Deutschland, Frankreich und Spanien erreichte er mit sechs bis acht Prozent nur einstellige Ergebnisse, und selbst in den USA erhielt er nur 38 Prozent Zuspruch. Auch Briten (10 Prozent) und Italiener (21 Prozent) outen sich nicht gerade als Bush-Freunde.

Damit lag Bush nur wenige Prozentpunkte über dem iranischen Präsidenten und Holocaust-Leugner Mahmud Ahmadinedschad. Dessen Sympathiewerte schwanken zwischen drei Prozent in Frankreich und sechs Prozent in den USA.

Papst Benedikt XVI. stößt vor allem bei Deutschen (67 Prozent), Italienern (63 Prozent) und US-Bürgern (51 Prozent) auf Sympathien; Spanier (39 Prozent), Briten (29 Prozent) und Franzosen (27 Prozent) sehen ihn skeptischer.

ssu/AFP/dpa

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