Umfrage Mehrheit der Deutschen hält SPD-Umgang mit Sarrazin für richtig

Die Entscheidung, Thilo Sarrazin nicht aus der Partei auszuschließen, bringt der SPD Zustimmung im Volk ein. Laut einer Umfrage hält mehr als die Hälfte aller Befragten den Umgang mit dem Skandal-Autoren für richtig. In der Sonntagsfrage verloren die Sozialdemokraten dennoch.

SPD-Parteichef Gabriel (l.), Fraktionsvorsitzender Steinmeier: Partei verliert in Umfrage
dapd

SPD-Parteichef Gabriel (l.), Fraktionsvorsitzender Steinmeier: Partei verliert in Umfrage


Hamburg - Die Mehrheit der Deutschen hält die Entscheidung der SPD für richtig, den früheren Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin nicht aus der Partei auszuschließen. Das ergab der aktuelle ARD-Deutschlandtrend, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Nur 35 Prozent seien der Ansicht, die SPD hätte Sarrazin besser wie ursprünglich angekündigt aus der Partei geworfen. 54 Prozent sind nicht dieser Ansicht.

Der frühere Bundesbankvorstand Sarrazin hatte im vergangenen Jahr mit Thesen über die angeblich vererbbare Dummheit von Migranten für Empörung gesorgt. Die SPD leitete daraufhin ein Ausschlussverfahren gegen ihn ein. Kurz vor Ostern zog die Partei den Antrag jedoch zurück. Der ehemalige Berliner Finanzsenator hatte vor dem Schiedsgericht erklärt, er habe keine sozialdemokratischen Grundsätze verletzen oder Migranten diskriminieren wollen. Die Entscheidung, Sarrazin in der SPD zu halten, ist innerhalb wie außerhalb der Partei umstritten.

Im ARD-Deutschlandtrend kommt die SPD insgesamt eher schlecht weg. Nur 26 Prozent der Bevölkerung finden, die Partei habe überzeugende Führungspersönlichkeiten an der Spitze. 71 Prozent sind nicht dieser Meinung. Nur 22 Prozent finden, die SPD sei eine Partei, bei der man genau weiß, wofür sie steht. 75 Prozent finden dies nicht.

In der Sonntagsfrage verlor die SPD in der Gunst der Befragten einen Punkt und liegt nun bei 26 Prozent. Die Union hingegen gewann gegenüber dem Vormonat - CDU und CSU legten zwei Punkte zu und kommen auf 35 Prozent. Die FDP sackt unter die Fünf-Prozent-Hürde. Sie verliert einen Punkt auf vier Prozent. Die Grünen kommen unverändert auf 23 Prozent. Die Linke liegt ebenfalls unverändert bei sieben Prozent. In einer am Vortag veröffentlichten Forsa-Umfrage für "Stern" und RTL waren die Grünen auf 28 Prozent gekommen und lagen nur drei Punkte hinter der Union mit 31 Prozent. Die SPD erreichte hier 26 Prozent, die Linke acht und die FDP vier Prozent. Für die am Donnerstag veröffentlichte Sonntagsfrage im Auftrag der ARD-"Tagesthemen" hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap von Montag bis Mittwoch 1501 Wahlberechtigte bundesweit telefonisch befragt.

Beliebtester Politiker in Deutschland ist in diesem Monat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) trotz eines Verlustes von drei Prozentpunkten im Vergleich zum Vormonat. Mit seiner Arbeit sind 54 Prozent der Deutschen zufrieden. Er löst damit SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier an der Spitze der Beliebtheitsliste ab, der acht Punkte gegenüber dem Vormonat verliert und auf 52 Prozent Zustimmung kommt. Ebenfalls 52 Prozent Zustimmung erreichen Verteidigungsminister Thomas de Maizière (plus fünf) und Kanzlerin Angela Merkel (plus vier/beide CDU).

Beliebteste FDP-Politikerin ist Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (41 Prozent/minus eins). Der designierte FDP-Chef Philipp Rösler erreicht 31 Prozent Zustimmung (plus eins), liegt damit aber auch hinter Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (33 Prozent/ebenfalls plus eins), aber vor Außenminister Guido Westerwelle (29 Prozent/plus vier). SPD-Chef Sigmar Gabriel verliert gegenüber dem Vormonat sechs Punkte auf 34 Prozent Zustimmung.

luk/dpa/dapd



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firem 05.05.2011
1. Sieh da, sieh da
die Menschen in diesem Lande haben sich durch die üblen Pressekampagnen gegen Sarrazin in den gleichgeschalteten Medien nicht beeinflussen lassen und haben seinen Argumenten gelauscht. Das glaubt so ein Pressefritz nicht mehr, dass etwas auch wahr und richtig sein kann und nicht in übler Absicht lanciert. Sie können -wie übliche- eben nur von ihrer eigenen Handlungsweise auf andere schließen. Was richtig ist, weil es real ist, setzt sich durch. Die Wolkenkuckuchsheimer schwärmen weiter von ihrer konstruierten Welt, die ohne Menschen hervorragend funktionieren würde. Die ewig gestrigen Sozialisten zetern nur noch laut. Manchmal auch leise: beim Hummeressen. Ihnen ist jede Idee ausgegangen, also brauchen sie ein Feindbild. Das haben sie ist der Sozialdarwinist (grein) und Rassenhygieniker (Pfui) Sarrazin gefunden. Das ist genauso albern wie damals bei Lafontaine, der von seinen Genossen als Nazi bezeichnet wurde, weil er gewisse Schweinereien nicht mehr mitmachen wollte. Und das als Parteivorsitzender. Die haben einfach nichts mehr in der Birne. Die kommen immer mit den gleichen Gezeter, statt mit neuen Ideen, für die ich mich begeistern könnte, weil es eine gute, reale und bessere Welt für menschen ergeben würde. Aber ihr bringt nichts mehr. Null. Nur noch Gezeter über die Anderen.
binden 06.05.2011
2. Jetzt kommt meine eigene Umfrage
Ich glaube manchmal das die Umfragen direkt im PR Büro bei den eigenen Mitarbeitern gemacht werden. Ist ja inzwischen eine große Branche... ;-)
Corabuchshop 06.05.2011
3. Besser recherchieren vielleicht?
Zitat von sysopDie Entscheidung, Thilo Sarrazin nicht aus der Partei auszuschließen, bringt der SPD Zustimmung im Volk ein. Laut einer Umfrage*hält mehr als die Hälfte aller Befragten den Umgang mit dem Skandal-Autoren für richtig. In der Sonntagsfrage verloren die Sozialdemokraten*dennoch. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,760975,00.html
"Der frühere Bundesbankvorstand Sarrazin hatte im vergangenen Jahr mit Thesen über die angeblich vererbbare Dummheit von Migranten für Empörung gesorgt." Die Vererbung der Intelligenz allgemein (damit natürlich auch der Klugheit - nicht nur der Dummheit) hat er auf soziale Klassen bezogen - aber NICHT auf Migranten speziell. Sonst hätte er ja kaum die besonders guten Leistungen bestimmer Migrantengruppen in den Vordergrund rücken können.
publicminx 06.05.2011
4. Womoeglich auch die meisten Migranten stehen hinter Sarrazin
Zitat von sysopDie Entscheidung, Thilo Sarrazin nicht aus der Partei auszuschließen, bringt der SPD Zustimmung im Volk ein. Laut einer Umfrage*hält mehr als die Hälfte aller Befragten den Umgang mit dem Skandal-Autoren für richtig. In der Sonntagsfrage verloren die Sozialdemokraten*dennoch. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,760975,00.html
Logisch. Auch wenn Medien und viele "linke" Kuenstler, Kabarettisten, Journalisten und sonstige Gutmenschen und "Vorzeigemigranten" staendig versuchen Sarrazin schlecht zu machen, ins laecherliche zu ziehen, oder in tausend Artikeln staendig im nachhinein ihre ueberschnell gemachten Vorurteile zu legitimieren, aendert sich die Realitaet dadurch nicht. Bei mir im Hause sitzen fast nur Migranten aus aller Herren Laender. Alle finden Sarrazin gut und beaeumeln sich ueber die linke Gutmenschen-Medieninszenierung, das staendige Auffahren von vor allem selektiv rausgegriffenen linken Vorzeigemigranten (oder gar sowas wie den Islramrat), von denen sich die meisten sonstigen Migranten gar nicht repraesentiert fuehlen. Nicht jeder Migrant ist so bloed, dass er Sarrazin falschversteht, es gibt auch welche, die denken und differenzieren koennen. Sehr wohl wissen was tatsaechlich gemeint war und nicht was deutsches Gutmenschentum draus machte. Eine Unverschaemtheit war es eher, staendig diese Migranten zu zensieren und ausgerechnet diejenigen, die oft erzkonservative menschenfeindliche, antisemitische und homophobe Positionen vertreten eine Plattform zu geben.
Bre-Men, 06.05.2011
5. Spd
Aber gerade der unprofessionelle Umgang mit der TS-Frage war für die Genossen ein öffentliches Fiasko. Die eigentliche Frage wurde nebensächlich. Hilflosigkeit mag der Wähler nicht. Dies war mal wieder ein deutliches Zeichen der anhaltenden Schwindsucht in der Partei.
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