Umfrage Mehrheit der Deutschen mit Parteien unzufrieden

Der Frust über die Parteien in Deutschland ist groß. Laut einer Umfrage lehnen 82 Prozent der Befragten eine Mitarbeit ab. Besonders schreckt der "Parteiklüngel" die Deutschen von einem Engagement ab.


Hamburg – In der Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins "Stern" sagten mehr als 60 Prozent der Befragten, sie seien mit der Arbeit der Parteien weniger oder überhaupt nicht zufrieden. Nur ein Viertel äußerte sich zufrieden. Gering ist auch das Interesse, in eine Partei einzutreten und dort mitzuarbeiten: Lediglich 17 Prozent der befragten Bürger, die bisher kein Mitglied einer Partei sind, kann sich das vorstellen. Für 82 Prozent kommt dies nicht in Frage.

Ex-Kanzler Schröder: Politisches Comeback unerwünscht
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Nach den Gründen gefragt, erklärte knapp die Hälfte (47 Prozent), der "Parteiklüngel" schrecke sie ab. An zweiter Stelle wird mangelnde Zeit (43 Prozent) genannt. Andere Antworten: Man habe darüber noch nie ernsthaft nachgedacht (43 Prozent) oder glaube nicht, da etwas bewirken zu können (42 Prozent). 30 Prozent gaben an, sie stimmten inhaltlich mit keiner Partei überein. Zu hohe Beiträge hindern 18 Prozent am Parteieintritt.

Die Volksparteien schrumpfen seit langem. Die SPD verlor in den vergangenen zehn Jahren rund 230.000 Beitragszahler. Ende September hatte sie 545.000 Mitglieder. Die CDU verlor im gleichen Zeitraum 90.000 Anhänger. Zurzeit hat sie etwa 544.000 Mitglieder.

71 Prozent der Bürger lehnen Schröder-Comeback ab

Einer weiteren Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern" und des Fernsehsenders RTL zufolge lehnen 71 Prozent der Bundesbürger ein politisches Comeback von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ab. Nur 23 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Schröder angesichts des Machtkampfs zwischen Parteichef Kurt Beck und Vizekanzler Franz Müntefering in seiner Partei wieder eine größere Rolle spielen sollte, bei den Anhängern der SPD sind es 31 Prozent.

Die großen Parteien legten in der Wählergunst im Vergleich zur Vorwoche um jeweils einen Prozentpunkt zu - die CDU kommt demnach auf ihr Jahreshoch von 40 Prozent, die SPD auf 25 Prozent. Die Grünen gewannen ebenfalls einen Punkt hinzu, für sie würden 10 Prozent der Befragten stimmen. Die Linke fiel auf 11 Prozent (minus zwei Punkte), der Zuspruch für die FDP hielt sich konstant bei 9 Prozent.

Das Institut befragte 1003 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger am 10. und 11. Oktober 2007. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei plus/minus drei Prozentpunkte.

asc/dpa



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