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Von-der-Leyen-Plan: Mehrheit der Deutschen für Zuschussrente

Von Kollegen aus den eigenen Reihen hagelt es Kritik, doch die Mehrheit der Deutschen unterstützt die Zuschussrente von Ursula von der Leyen. Auch bei Anhängern der Opposition stößt der Plan auf Zustimmung. Jetzt bereitet die Sozialministerin einen parteiübergreifenden Kompromiss vor.

Von der Leyen am Mittwoch: 57 Prozent Zustimmung zur Zuschussrente Zur Großansicht
dapd

Von der Leyen am Mittwoch: 57 Prozent Zustimmung zur Zuschussrente

Hamburg - Laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage für "Bild am Sonntag" ist eine klare Mehrheit für das umstrittene Modell der Zusatzrente, das Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) vorgestellt hat. 58 Prozent stimmten für das Modell, mit dem Renten unterhalb der Grundsicherung aufgestockt werden sollen. 37 Prozent lehnten ein solches Modell ab.

Das zuletzt heftig kritisierte Konzept trifft auch bei Anhängern der rot-grünen Opposition mehrheitlich auf Zustimmung (SPD: 55 Prozent, Grüne: 57 Prozent). Dabei hat eine Mehrheit von 57 Prozent keine Angst vor Altersarmut.

Im Streit um die Rentenpläne hat von der Leyen nun eine parteiübergreifende Initiative gegen Altersarmut vorgeschlagen. Sie begrüßte das Rentenkonzept der SPD: "Es ist gut, dass die SPD die Gerechtigkeitslücke mit ähnlichen Mitteln angehen will", sagte von der Leyen der "Welt am Sonntag". Rente sei stets in einem "gesellschaftlichen Konsens" bearbeitet worden, und das werde auch künftig so sein.

Sie gab sich zuversichtlich, dass das Problem gemeinsam gelöst werden kann und "dass am Ende Menschen, die ein ganzes Leben gearbeitet haben, eine gerechte Rente bekommen". Die Interessen seien immer unterschiedlich, deswegen werde man einen Kompromiss schmieden müssen. Sie pochte auf eine schnelle Lösung.

Von der Leyen weist Schäuble-Kritik zurück

Kritik an ihren Berechnungen zur Altersarmut wies von der Leyen zurück. "Die Gerechtigkeitslücke bleibt. Mit den Löhnen steigt doch immer auch die Grundsicherung und Hartz IV, denn das Existenzminimum ist an die Löhne gekoppelt", sagte die Ministerin. Damit reagierte sie auf Kritik von Kabinettskollege Wolfgang Schäuble (ebenfalls CDU).

Mit der Zuschussrente will von der Leyen die Altersbezüge von Geringverdienern auf bis zu 850 Euro anheben. Voraussetzung sind 30 Beitragsjahre, eingerechnet werden dabei auch Wehr-, Zivil- oder Freiwilligendienst. Weiteres Erfordernis sind 40 "Versicherungsjahre". Darunter sollen auch Ausbildung, Studium oder Arbeitslosigkeit fallen.

Während Unionspolitiker sich skeptisch zu dem Vorschlag äußerten, kam vom Koalitionspartner FDP besonders heftige Kritik. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ging auf Distanz zu den Plänen - dabei soll sie den Plan zunächst ausdrücklich unterstützt haben. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf nicht genannte Personen aus der Regierung. Demnach soll von der Leyen sich während Merkels Sommerurlaub mit Kanzleramtschef Ronald Pofalla abgestimmt haben. Merkel habe mit beiden auch inhaltlich über die Zuschussrente gesprochen. Es sei vereinbart worden, das Thema Ende August im Kabinett zu besprechen.

Das SPD-Modell sieht eine Betriebsrente plus vor, die zur "zweiten Säule" neben der gesetzlichen Rentenversicherung werden soll. Danach soll jeder Arbeitnehmer zwei Prozent des Bruttolohns einzahlen, wenn er nicht widerspricht. Der Staat solle die Betriebsrente pauschal mit 400 Euro pro Jahr fördern. Außerdem will die SPD mit einer "Solidar-Rente" Geringverdiener besser stellen. Wenn die Ansprüche aus mindestens 40 Versicherungs- und 30 Beitragsjahren nicht mehr als die Grundsicherung ergeben, werde die Rente auf 850 Euro aufgestockt.

ore/AFP/Reuters

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insgesamt 79 Beiträge
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1. Kann man das nicht sein lassen?
jockelano 09.09.2012
Ist es unbedingt nötig, alle Naslang schlecht durchgeführte Umfagren zu zitieren? Bei dieser Umfrage wäre es hilfreich gewesen, den Befragten zu erläutern, was die spezielle Wortwahl bedeutete, und wie der Hintergrund der Diskussion aussieht. In der gemachen Form ist die Umfrage wertlos.
2. Generationenvertrag...
mkowalski 09.09.2012
Liebe Alten/Mächtigen/usw., bitte hört auf, euren Wohlstand mit Krediten auf unsere Existenz zu finanzieren. Hochachtungsvoll, all jene, die in naher Zukunft noch nicht in Rente gehen
3. Warum Zusatzrente wenn man einfach
radeberger78 09.09.2012
Zitat von sysopdapdVon Kollegen aus den eigenen Reihen hagelt es Kritik, doch die Mehrheit der Deutschen unterstützt die Zuschussrente von Ursula von der Leyen. Auch bei Anhängern der Opposition stößt der Plan auf Zustimmung. Jetzt bereitet die Sozialministerin einen parteiübergreifenden Kompromiss vor. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,854752,00.html
die Rentenberechnung verändern könnte und wir auch wie die Franzosen wieder mit 60 fertig haben ? .....
4. Und?
u.loose 09.09.2012
Mehrheit der Deutschen für niedrigere Benzinpreise Mehrheit der Deutschen für niedrigere Steuern Mehrheit der Deutschen für niedrigere Mieten Mehrheit der Deutschen für niedrigere Sozialabgaben Mehrheit der Deutschen für höhere Steuern für "Reiche" Aussagekraft = NULL - besonders vor dem Hintergrund das da wieder mal viele viele Milliarden ausgegeben werden, die schlicht nicht vorhanden sind. Wäre die Gegenfinanzierung die, dass Herr Meier anstatt 1500 Euro Rente nur noch 1300 Euro bekommt, damit Herr oder Frau Müller es auf 850 Euro bringt - also so richtig "Solidarisch" (:-) - gäbe es wohl keine Mehrheit. So aber werden einfach ein paar Milliarden mehr von irgendwo zugeschossen - interessiert doch den Bürger nicht....
5. Habe ich etwas verpaßt
j.anus 09.09.2012
Zitat von sysopdapdVon Kollegen aus den eigenen Reihen hagelt es Kritik, doch die Mehrheit der Deutschen unterstützt die Zuschussrente von Ursula von der Leyen. Auch bei Anhängern der Opposition stößt der Plan auf Zustimmung. Jetzt bereitet die Sozialministerin einen parteiübergreifenden Kompromiss vor. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,854752,00.html
oder werden nicht schon jetzt Renten unterhalb der Grundsicherung auf Antrag aufgestockt und ist daher gängige Rechtslage?? DAS ist lt. Spiegel die Fragestelllung zur Umfrage der Bild...und nicht ob man v.d. Leyens "Idee" gutheißt!
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Die Säulen des Sozialsystems
Arbeitslosenversicherung
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
Krankenversicherung
Es gibt zwei Arten von Krankenversicherungen - die Gesetzliche (GKV) und die Private (PKV). Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in der GKV pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt aktuell 15,5 Prozent für alle Versicherten. Zusätzlich können die Krankenkassen vom Einkommen unabhängige Beiträge erheben. Seit Anfang 2009 fließen alle Beiträge in einen Gesundheitsfonds, aus dem sie an die Kassen verteilt werden. Der Zugang zur PKV steht nur Selbstständigen und Arbeitnehmern oberhalb einer Einkommensgrenze offen.
Rentenversicherung
Die Beiträge werden durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem die Berufstätigen die Leistungen der Rentner zahlen. Anhand der eingezahlten Beiträge wird die künftige Rentenhöhe errechnet. Zurzeit liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Im Januar 2013 sinkt der Beitrag auf 18,9 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird derzeit stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre heraufgesetzt.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist die jüngste der Sozialversicherungen in Deutschland. Sie ist eine Grundversicherung, die einen Teil der Pflegekosten abdeckt.

Alles zur Rente ab 67
So steigt das Rentenalter
Wann Sie mit Ihrer vollen Rente rechnen können
Jahrgang Alter*
1946 65
1947 65+1
1948 65+2
1949 65+3
1950 65+4
1951 65+5
1952 65+6
1953 65+7
1954 65+8
1955 65+9
1956 65+10
1957 65+11
1958 66+0
1959 66+2
1960 66+4
1961 66+6
1962 66+8
1963 66+10
ab 1964 67+0
* in Jahren + Monaten
Ab 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden, müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter mit Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt so schließlich das neue Rentenalter 67.
Das sind die Ausnahmen
Wer schon 45 Jahre Rentenbeiträge bezahlt hat, kann auch künftig mit 65 in Rente gehen, ohne Abzüge akzeptieren zu müssen. Dabei zählt auch die Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Nachwuchses bei den Beitragszeiten mit. Allerdings schaffen es nur wenige Arbeitnehmer tatsächlich auf 45 Beitragsjahre - bei den Männern waren es zuletzt 28 Prozent, bei Frauen sogar nur vier Prozent.
So viele Abschläge zahlen Sie
Wer 35 Jahre Beiträge gezahlt hat, soll auch künftig mit 63 in Rente gehen können, muss aber Abschläge dafür in Kauf nehmen: 0,3 Prozent für jeden Monat, den man vor der Regelzeit aufhört.
Das ändert sich bei der Witwenrente
Hinterbliebene Ehepartner bekommen künftig statt ab 45 erst ab 47 die große Witwenrente (55 Prozent der normalen Versichertenrente). Bis dahin muss man sich mit der kleinen Witwenrente von 25 Prozent zufriedengeben.
So ändert sich Ihr Versicherungsbeitrag
Der Beitragssatz zur Rentenversicherung soll durch die Reform bis 2020 nicht über 20 Prozent und bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen. Das ist eine schwierige Aufgabe: Dem Statistischen Bundesamt zufolge wird der Altersdurchschnitt der Bevölkerung im Jahr 2050 von 42 auf 50 Jahre steigen.
Das ändert sich für Schwerbehinderte
Für Schwerbehinderte wird das Renteneintrittsalter stufenweise von 63 auf 65 Jahre angehoben. Mit finanziellen Abschlägen ist aber auch der Renteneintritt mit 62 möglich.
Das ändert sich bei den Erwerbsminderungsrenten
Wer aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt arbeiten kann, muss sich auf maximal 10,8 Prozent Abschlag einstellen. Er kann als Erwerbsgeminderter zudem mit 63 Jahren ohne Einbußen in Rente gehen. Diese Regelung gilt bis 2023, danach sind 40 Beitragsjahre erforderlich.

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