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Umfrage: Mehrheit gegen "Patriot"-Einsatz in der Türkei

Die Türkei hat bei der Nato um das "Patriot"-Abwehrsystem gebeten. Doch die meisten Deutschen halten nichts von einer geplanten Entsendung an die Grenze zu Syrien. Sie lehnen auch einen Einsatz der Bundeswehr dort ab.

"Patriot" (Aufnahme bei Übung in Norwegen): Bedenken gegen Einsatz in der Türkei Zur Großansicht
DPA/ Bundeswehr

"Patriot" (Aufnahme bei Übung in Norwegen): Bedenken gegen Einsatz in der Türkei

Berlin - Eine Mehrheit der Deutschen lehnt die geplante Entsendung von Bundeswehrsoldaten und "Patriot"-Raketenabwehrsystemen an die türkisch-syrische Grenze ab. Das ergab eine Infratest-Dimap-Erhebung für das ARD-"Morgenmagazin". 59 Prozent halten den Einsatz für falsch, 36 Prozent befürworten ihn.

Eine Mehrheit für den Einsatz gebe es derzeit in keiner Anhängerschaft der im Bundestag vertretenen Parteien, hieß es. Selbst in den Reihen von CDU und CSU überwiege derzeit die Ablehnung.

Die Türkei hatte am Mittwoch bei der Nato die Stationierung der "Patriot"-Systeme zur Abwehr von Flugzeugen und Raketen beantragt. Die Allianz prüft derzeit den Antrag des Bündnispartners. Deutschland, das neben den USA und den Niederlanden über diese Waffen verfügt, ist bereit, der Bitte der Türkei nachzukommen. Der Bundestag soll nach dem Willen der Regierung spätestens im Dezember über den damit verbundenen Einsatz deutscher Soldaten in der Türkei entscheiden.

Der Grünen-Politiker Memet Kilic warnte vor einer Entsendung der "Patriots". Damit mache Deutschland einen Einmarsch der Türkei in Syrien möglich. "Wenn Deutschland Patriot-Raketen zur Verfügung stellt, werden wir in den syrischen Bürgerkrieg hinein gezogen", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Die Türkei wird dann zudem in Syrien einmarschieren, um dort eine kurdische Autonomie zu verhindern."

SPD-Mann will auch Awacs-System einsetzen

Kilic nannte es erschreckend, "mit welcher Selbstverständlichkeit sich die Bundesregierung auf dieses halsbrecherische Abenteuer einlassen will". Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan werde bei einer Ablehnung durch die Nato den Austritt seines Landes aus dem Bündnis anstreben, "um sein Land vom Westen zu entkoppeln und einen islamischen Staat zu errichten", sagte Kilic.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, hat Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) aufgefordert, auch das Aufklärungssystem Awacs in das Bundeswehrmandat für einen Einsatz in der Türkei aufzunehmen. "Awacs ist Teil des Einsatzes", sagte Arnold der Online-Ausgabe der "Mitteldeutschen Zeitung". Daran habe auch de Maizière keinen Zweifel gelassen. Das System liefere Daten, die die Abwehrraketen vom Typ "Patriot" benötigten. "Das ist dann auch mit zu mandatieren", sagte Arnold. Denn die Deutschen stellen zwei Drittel des Personals." Wenn der Bundestag ein Mandat erteile, dann müsse man sich auf die sichere Seite begeben, sagte der SPD-Politiker weiter. De Maizières Überlegungen, Awacs aus dem Mandat herauszuhalten, seien falsch.

als/dapd/dpa/AFP

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insgesamt 152 Beiträge
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    Seite 1    
1. Raushalten!
addit 23.11.2012
Raushalten und sonst nix!!
2. Wen juckt`s
warndtbewohner 23.11.2012
auch der Afghanistan Einsatz wird von einer deutlichen Mehrheit abgelehnt und trotzdem wird er von der Regierung gut geheißen und durchgeführt...Wenn mal gewählt ist das Volk absolut schnuppe,,,
3. Aufpassen
Adam_Sapfel 23.11.2012
Zitat von sysopDPA/ BundeswehrDie Türkei hat bei der Nato um das "Patriot"-Abwehrsystem gebeten. Doch die meisten Deutschen halten nichts von einer geplanten Entsendung an die Grenze zu Syrien. Sie lehnen auch einen Einsatz der Bundeswehr dort ab. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/umfrage-mehrheit-gegen-patriot-einsatz-in-der-tuerkei-a-868829.html
Die Merkel Regierung sollte aufpassen, dass sie mit der Patriotstationierung in der Türkei nicht ein neues Fass und Wahlkampfthema aufmacht. Gewisse polit. Entscheidungen können manchmal eine Eigendynamik etwickeln, die, einmal richtig in Fahrt gekommen, nicht mehr zu bremsen sind. Für mich steht fest: Die Bundeswehr hat mit Patriotraketen in der Türkei nichts verloren, und erst recht nicht unter dem Oberbefehlshaber Erdogan.
4.
Subco1979 23.11.2012
Irgendwann wird sich die Bundesregierung entscheiden müssen: A) Pro Türkei. Die wird früher oder später aber als "Gottesstaat" gegen Israel Krieg führen. Syrien liegt nur auf dem Weg und damit läßt sich aus türkischer Sicht das "Kurden-Problem" teilweise mitlösen. B) Pro Israel: Die werden wegen ihrer Politik mit Arabern Kurz- bis Mittelfristig mit der Türkei aneinander geraten. Die Hamas und Syrien sind nur Stellvertreterkriege gegenüber den Gottesstaaten Iran und Saudi-Arabien. Ich persönlich bin ja für Option C: Raushalten - und zwar vollständig. Egal wer vor x-tausend Jahren mal den ersten Stein geworfen haben soll.
5. Ja, ....und ....
speedfiretwo 23.11.2012
wen interessiert von den 'Volksvertretern' schon was das 'Volk' will ?? Bei den 'Wahlen' überhäufen sie dieses mit Versprechungen, die sich immer wieder im Nachhinein als Lügen heraus stellen. Wieso stimmt die SPD diesem Militarismus zu ? Um es einmal auf den Punkt zu bringen, ob nun die SPD mit Steinbrück an der Tete steht oder Merkel mit ihrer CDU ist komplett wurscht. Das Ziel was beide verfolgen ist gleich. Was für eine Verdummung der Massen. Immer und immer wieder, auch in 50 Jahren.
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