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Umfrage: Mehrheit hält islamistischen Terror für gefährlicher als die RAF

Ein Viertel aller Deutschen fühlt sich durch islamistische Terroranschläge persönlich bedroht, fast drei Viertel glauben, Dschihadisten seien gefährlicher als die RAF es war - das hat eine Emnid-Umfrage ergeben. Justizministerin Zypries schlägt Registrierungspflicht beim Chemikalienkauf vor.

Berlin - Jeder zweite Deutsche ist laut der Umfrage bereit, wegen der Terrorgefahr vorübergehend Einschränkungen persönlicher Freiheitsrechte hinzunehmen, etwa durch heimliche Online-Durchsuchungen privater Computer. Das berichtet die "Bild am Sonntag", in deren Auftrag Emnid die Umfrage durchführte.

Justizministerin Zypries, hier mit Innenminister Schäuble: "Nicht glücklich"
DDP

Justizministerin Zypries, hier mit Innenminister Schäuble: "Nicht glücklich"

Die Untersuchung zeigt, dass die Deutschen sich große Sorgen wegen des islamistischen Terrorismus machen. Eine deutliche Mehrheit, 72 Prozent, halten ihn sogar für bedrohlicher als den Terrorismus der Rote Armee Fraktion (RAF) vor 30 Jahren. 20 Prozent halten dagegen den RAF-Terror für gefährlicher, 8 Prozent wollen sich nicht festlegen.

Ein Viertel der Befragten gab an, sich durch islamistische Terroristen persönlich bedroht zu fühlen. Allerdings erklärten 73 Prozent, sie fürchteten nicht, Opfer eines Anschlags von Al-Qaida und verwandten Organisationen zu werden.

Bei der Bereitschaft, Einschränkungen in die persönlichen Freiheitsrechte hinzunehmen, gibt es ein deutliches Ost-West-Gefälle: Sie ist in den westlichen Bundesländern bei 49 Prozent Zustimmung gegen 46 Prozent Ablehnung erheblich größer als in den neuen Ländern. Dort sind 43 bereit, Einschränkungen hinzunehmen, 53 Prozent lehnten dies ab. Insgesamt stimmten 48 Prozent solchen Einschränkungen zu, 47 Prozent lehnen sie ab.

Zypries lässt Registrierungspflicht prüfen

Ebenfalls fast die Hälfte der Befragten, nämlich 49 Prozent, sind für einen Abzug der deutschen Soldaten und Polizisten aus Afghanistan, weil sie glauben, die Terrorgefahr würde dadurch sinken. 43 Prozent sprechen sich für eine Fortsetzung der Stabilisierungsmission am Hindukusch aus.

Als Reaktion auf die Anfang der Woche erfolgte Aushebung einer mutmaßlichen islamistischen Terrorzelle brachte Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) derweilen eine Registrierungspflicht beim Kauf von Chemikalien ins Spiel, wenn diese für die Herstellung von Sprengstoff geeignet sind.

Am Dienstag waren in Nordrhein-Westfalen drei mutmaßliche Mitglieder der "Islamic Jihad Union" festgenommen worden; in einer Ferienwohnung hatten sie offenbar damit begonnen, Sprengstoff aus Chemikalien herzustellen, die sie im freien Handel erworben hatten. Es handelte sich dabei um 35-prozentiges Wasserstoffperoxyd.

"Die Tatsache, dass die Chemikalie, um die es bei den drei jetzt gefassten Tätern ging, frei im Handel erhältlich ist, ohne dass der Name registriert wird beim Kauf, halte ich nicht für sonderlich glücklich", sagte Zypries im "Deutschlandfunk". Sie prüfe derzeit die Frage, um dem zuständigen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel einen Vorschlag zu machen.

Aus den insgesamt 12 Fässern mit Wasserstoffperoxyd, die die Beschuldigten zusammenkauften, hätten sich nach BKA-Angaben Bomben herstellen lassen, deren Gesamt-Sprengkraft 550 Kilogramm TNT entsprechen. Allerdings gelang es den Sicherheitsbehörden während der Ermittlungen, die 35-prozentige Lösung unbemerkt gegen eine niedrigere Konzentration auszutauschen.

yas/AP/ddp

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