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Umfrage: Mehrzahl der Türken fühlt sich in Deutschland unerwünscht

Mehr als die Hälfte aller in Deutschland lebenden Türken fühlt sich einer Umfrage zufolge hierzulande unerwünscht. Migrantenverbände verlangen nun mehr Integration - und signalisieren die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Bundesregierung.

Berlin - Die Zahlen sind deutlich: Einer neuen Umfrage zufolge hat jeder zweite Deutschtürke das Gefühl, in der Bundesrepublik unerwünscht zu sein. Eine große Mehrheit sieht sich zudem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht vertreten.

Der Umfrage zufolge glauben 78 Prozent der Deutschtürken nicht an Merkels Versprechen, sie sei auch ihre Kanzlerin. 58 Prozent fühlen sich in Deutschland unerwünscht - bei den Frauen sind es sogar 68 Prozent. 89 Prozent forderten, die deutsche Gesellschaft sollte stärker auf die Gewohnheiten der türkischen Einwanderer Rücksicht nehmen.

Zudem äußerten 92 Prozent die Überzeugung, es sei wichtig, "dass die Türken in Deutschland ihre eigene Kultur bewahren". Unter dem Strich sind jedoch die meisten Deutschtürken zufrieden mit der Entscheidung, nach Deutschland zu gehen: Knapp zwei Drittel bejahten die Aussage, es sei richtig gewesen, mit der Familie in die Bundesrepublik gekommen zu sein.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, forderte Merkel zu verstärkten Integrationsbemühungen auf. Kolat sagte, notwendig seien "vertrauensbildende Maßnahmen" der Bundesregierung. Deshalb sollte Merkel die türkischstämmigen Bürger zu einer Großveranstaltung wie der von Erdogan in Köln einladen. Dies wäre ein "gutes Signal".

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bedauerte, dass die Kanzlerin nicht im Februar an seiner Kundgebung in Köln teilgenommen hat. Die Bundeskanzlerin habe auch zunächst kommen wollen, dann aber davon Abstand genommen. Erdogan betonte: "Wären wir da gemeinsam auf der Bühne gestanden, es wäre eine Botschaft an die deutsche Gesellschaft gewesen und eine Motivation für die in Deutschland lebenden Türken. Wir können das nachholen, wann immer Frau Merkel es will."

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), warb um mehr Vertrauen. Böhmer betonte: "Das in der Umfrage dargestellte Meinungsbild zeigt, dass wir noch mehr tun müssen, um das Zugehörigkeitsgefühl der türkeistämmigen Zugewanderten zu Deutschland zu stärken." Sie fügte hinzu: "Die 2,7 Millionen Menschen aus türkischen Familien, die in Deutschland leben, gehören zu uns, sie sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Diese Menschen mit ihrer vielfältigen Kultur, ihrer Herzlichkeit und ihrer Lebensfreude sind eine Bereicherung für uns alle."

Der Vorsitzende des Islamrates, Ali Kizilkaya, forderte von der Bundesregierung eine verstärkte Förderung von Migrantenkindern. Bildung sei eine wichtige Voraussetzung für Integration. Kizilkaya betonte, die Möglichkeiten für einen sozialen Aufstieg von Migranten müssten verbessert werden. Die Migrantenverbände seien zu einer größeren Zusammenarbeit mit der Bundesregierung bereit.

Jörg Säuberlich, ddp

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